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Paracetamol & Schwangerschaft: Gefährlich oder unbedenklich?

vonSonja Hagl

Einige Arzneimittel – vor allem viele Schmerzmittel – sind in der Schwangerschaft tabu. Wie sieht es mit Paracetamol in der Schwangerschaft aus? Hier bekommst du alle Infos!

vonSonja Hagl
Ist Paracetamol in der Schwangerschaft schädlich für das Kind? Die Experten streiten.
Ist Paracetamol in der Schwangerschaft schädlich für das Kind? Die Experten streiten.
© Bigstock/ GBALLGIGGSPHOTO

Darf ich Paracetamol in der Schwangerschaft nehmen?

Viele Schwangere sind geplagt von Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen. Dazu kommt, dass Erkältungen mit Fieber in der Schwangerschaft gefühlt besonders häufig vorkommen.

Doch Schwangere wissen – von den meisten Schmerzmitteln sollten sie die Finger lassen, denn sie bergen Risikos für ihr Baby…mit einer Ausnahme.

Paracetamol ist das Schmerzmittel der ersten Wahl in der Schwangerschaft. Es ist im normalen Dosierungsbereich gut verträglich für Schwangere und galt lange Zeit auch als sehr sicher.

: So wirkt Paracetamol

Paracetamol ist eine Arznei für leichte bis mittelschwere Schmerzen. Das Medikament blockiert Prostaglandine (Botenstoffe) im Körper, die für bei Entstehung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber beteiligt sind.

Paracetamol wird oft bei Kopfschmerzen, Fieber, Zahnschmerzen oder bei Regelschmerzen eingesetzt. Für die Behandlung von Gelenkschmerzen, Rücken- und Muskelschmerzen sowie chronischen Schmerzen ist das Medikament eher ungeeignet. Hier müsstest du eine sehr hohe Dosis zu dir nehmen, um die Schmerzen zu lindern.

In den letzten Jahren wird die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft aber durchaus kritischer betrachtet. Grund sind Studien, die Risiken für das Ungeborene auf Paracetamol in der Schwangerschaft zurückführen. Sollten Schwangere das Schmerzmittel also lieber meiden?

Paracetamol & Schwangerschaft: Risiko für das Kind?

Medikamente sind nicht ohne Nebenwirkungen und Risiken – das gilt auch für Paracetamol. Dass eine zu hohe Dosierung generell Nebenwirkungen wie Leberschäden und Bluthochdruck mit sich bringen kann, ist schon lange bekannt.

In den letzten Jahren wird auch das Thema Paracetamol & Schwangerschaft intensiver diskutiert. Verschiedenste Studien legten die Vermutung nahe, dass die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft im Zusammenhang mit späteren Problemen beim Baby stehen könnte.

Diskutiert wird unter anderem ein Risiko für:

Entwicklungsverzögerungen
Hodenhochstand
Fehlbildungen
Fruchtbarkeitsprobleme
Asthma
ADHS

Kritik an den Studien!

Aber: Diese Studien sowie deren Ergebnisse und Interpretation werden stark von verschiedenen renommierten Instituten kritisiert.

Auf Embryotox erklärt die Charité Berlin beispielsweise:

Keines dieser Verdachtsmomente konnte bestätigt werden. […] Die betreffenden Ergebnisse sind widersprüchlich, beruhen auf kleinen Fallzahlen in Studien mit problematischer Methodik und können nicht plausibel erklärt werden.

Neuere Studien konnten die Risiken teilweise auch schon widerlegen. So kam eine Studie der Queen Mary University of London zu dem Ergebnis, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Paracetamol in der Schwangerschaft eine spätere Asthma-Erkrankung beim Kind begünstigt.

Paracetamol wird weiterhin in der Schwangerschaft gegeben

Da es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Paracetamol in der Schwangerschaft und Entwicklungsstörungen gibt, bleibt Paracetamol auch weiterhin das Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft. Es ist und bleibt ein Medikament, dass in allen drei Schwangerschaftstrimestern zugelassen ist.

Es gilt also: Verschreibt dir dein Arzt bei fiebrigen Erkrankungen oder Schmerzen die kurzzeitige Einnahme von Paracetamol, ist das nicht grundsätzlich gefährlich für die Gesundheit des Kindes!

Wie viel Paracetamol darf man in der Schwangerschaft nehmen?

Embryotox – das Pharmakovigilanzzentrum Embryonaltoxikologie der Charité Berlin – empfiehlt, dass sich auch Schwangere an die üblichen Dosierungs-Angaben halten sollen.

Das bedeutet: Bis zu vier Mal täglich könnten eine bis zwei Tabletten (Paracetamol 500) eingenommen werden – die maximale Tagesdosis sind acht Tabletten. Zwischen den Einzeldosen sollten mindestens sechs Stunden liegen.

Natürlich sollten sich Schwangere bei Arzneimitteln in der Schwangerschaft immer an die Empfehlungen ihres Arztes halten! Nimm bitte nie Paracetamol (oder andere Schmerzmittel) in Eigenregie (das gilt auch, wenn du vor deiner Schwangerschaft schon regelmäßig Paracetamol genommen hast)!

Es gilt: Paracetamol (in der Schwangerschaft) sollte über einen möglichst kurzen Zeitraum und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingenommen werden! Dauerhaft sollte Paracetamol in der Schwangerschaft eher nicht eingenommen werden.

: Chronische Schmerzen und Schwangerschaft

Frauen, die schon vor der Schwangerschaft an chronischen Schmerzen leiden, sind wahrscheinlich auf eine Langzeit-Medikamenteneinnahme angewiesen. Sprich in diesem Fall direkt mit deinem Arzt, wenn du schwanger bist – so kann deine Schmerz-Therapie angepasst und umgestellt werden.

Natürlich sind und bleiben Schmerzmittel (somit auch Paracetamol) in der Schwangerschaft der letzte Ausweg bei Beschwerden. Es lohnt sich, zuerst zu versuchen, die Schmerzen auf anderem Wege zu lindern.

Alternativen zu Paracetamol in der Schwangerschaft

Gegen viele Arten von Schmerzen sowie Beschwerden in der Schwangerschaft gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die du probieren kannst:

  • Bewegung

Bei typischen Schwangerschaftsbeschwerden wie beispielsweise Rückenschmerzen kann regelmäßige Bewegung helfen. Sanfte Sportarten wie Schwimmen, Gymnastik und Radfahren eignen sich perfekt für Schwangere.

Informiere dich bei deinem Arzt oder deiner Hebamme, welche Sportarten deine spezifischen Schmerzen lindern können.

  • Akupunktur

Bei Kopf-, Rücken- sowie Gliederschmerzen sowie bei Verdauungsproblemen wird oft Akupunktur gegen die Beschwerden eingesetzt. Auch in der Schwangerschaft kann das eine gute Alternative zu Paracetamol sein.

  • Massage

Vor allem bei Rücken- sowie Beinschmerzen, die in der Schwangerschaft durch das Gewicht des Babysbauchs entstehen können, ist eine Massage oft hilfreich. Bei starken Schmerzen kann die Massage auch mit einer Physiotherapie verknüpft werden.

  • Wärme und Kälte

Bei Rücken- oder Nackenschmerzen hilft oft eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen. (Wichtig: Wärmepflaster sind wegen ihrer Wirkstoffe, die in die Haut eindringen können, oft für Schwangere verboten)

Gelenkschmerzen kannst du gut mit Kühlakkus oder kalten Wickeln behandeln.

  • Entspannung

Neben genug Bewegung ist auch ausreichend Entspannung in der Schwangerschaft wichtig. Atemübungen sowie Meditation können deine Aufmerksamkeit vom Schmerz auf etwas anderes lenken und sind somit eine gute Alternative zu Paracetamol in der Schwangerschaft.

Auch die Einnahme von Magnesium gegen Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfe, Nelkenöl zur Schmerzlinderung oder Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen werden oft empfohlen. Vor der Einnahme/Anwendung von solchen Heilmitteln solltest du jedoch Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Hebamme halten.

Fazit: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Es gilt also: Wenn Schmerzen oder Fieber eine medikamentöse Behandlung erfordern, dann musst du dir keine Sorgen machen, wenn dein Arzt dir Paracetamol (oder bis zur 28. SSW auch Ibuprofen) verschreibt.

Quellen

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