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Plazentophagie: Warum Frauen ihre Plazenta essen?

Gabel liegt neben einem Teller
© Unsplash/ Sigmund

Superfood Mutterkuchen? Welche Vorteile es haben soll, die Plazenta zu essen und warum Experten eher davon abraten.

Plazentophagie – Wenn Frauen ihre Plazenta essen

Die Plazenta (auch Mutterkuchen) versorgt das Baby im Mutterleib mit wichtigen Nährstoffen. Nach der Geburt wird die Plazenta nicht mehr gebraucht und vom Körper als Nachgeburt abgestoßen.

: letzte Phase der Geburt

In der Regel wird die Nachgeburt in der Geburtsklinik entsorgt. In den letzten Jahren haben sich jedoch einige neue Trends etabliert, was du nach der Geburt mit deiner Plazenta machen kannst. Manche Frauen vergraben die Nachgeburt im Garten und pflanzen einen Lebensbaum darauf oder sie heben Teile davon als Andenken auf.

Es soll aber auch gesundheitliche Vorteile haben, die Plazenta zu essen. Promis wie Kourtney und Kim Kardashian haben es vorgemacht und damit einen richtigen Trend ausgelöst. Der Verzehr der Nachgeburt wird auch Plazentophagie genannt.

: Plazenta essen in der Tierwelt

Viele Tiere – zum Beispiel Ziegen – essen den Mutterkuchen nach der Geburt. So kommen die Mütter einerseits wieder zu Kräften, andererseits wird so die Plazenta aufgebraucht – sonst könnte sie Aasfresser anlocken.

Wie kann ich die Plazenta essen?

Mittlerweile gibt es unzählige Möglichkeiten, die Nachgeburt zu verzehren. Viele Frauen essen den Mutterkuchen einfach roh in kleinen Stücken oder püriert in einem Smoothie. Andere kochen Gerichte mit der Plazenta – im Internet gibt es hier viele Rezepte.

: Wie schmeckt Plazenta?

Viele Frauen, die ihren Mutterkuchen essen, beschreiben den Geschmack als metallisch. Die Ursache dafür ist der hohe Eisen-Anteil in der Plazenta.

Alternativ gibt es auch sogenannte Plazenta-Nosonden. Hier wird die Plazenta gereinigt und zu Kapseln oder Globuli verarbeitet. Online gibt es viele Apotheken, die solche Nosonden vertreiben.

Warum Mütter die Plazenta essen

Der Verzehr der Nachgeburt soll einige Vorteile nach sich ziehen.

Unter anderem soll es

das Immunsystem stärken.
die Mutter-Kind-Bindung stärken.
Geburtsschmerzen lindern.
die Nachwehen leichter/schmerzfreier machen.
die Muttermilchproduktion anregen/fördern.
eine Wochenbettdepression verhindern.
für ein schönes Hautbild sorgen.

Befürworter berufen sich hier meist auf Ergebnisse aus Tierversuchen – jedoch lassen sich diese Ergebnisse laut Experten nicht einfach auf den Menschen übertragen. Wissenschaftliche Belege für diese Effekte für Menschen gibt es also nicht!

Im Gegenteil. Einige kleinere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass es keine positiven Effekte hat, wenn Frauen ihre Plazenta essen.

Experten raten davon ab!

Das Essen der Plazenta hat also keine bewiesenen positiven Effekte – es könnte aber sogar negative Folgen haben.

Denn: Im Bauch schützt die Plazenta dein Baby vor Schadstoffen – sie wirkt wie ein Filter. In der Nachgeburt können diese Umweltgifte, Schwermetall-Rückstände sowie Bakterien und Viren enthalten sein. Isst du die Plazenta, nimmst du diese Stoffe zu dir und gibst sie gegebenenfalls an dein Baby weiter.

Das amerikanische Center for Disease Control and Prevention (CDC) berichtete beispielsweise 2016 von einem Fall, bei dem ein Neugeborenes eine B-Streptokokken-Infektion bekam. Die Mutter des Kindes hatte Plazenta-Globoli gegessen, die den Erreger enthielten, und ihn dann an das Baby weitergegeben.

: Soll ich mich testen lassen?

Letztendlich bleibt es deine freie Entscheidung, was du nach der Geburt mit deiner Plazenta machen möchtest. Informiere dich am beste bei deiner Hebamme.

Quellen

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