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Plazenta: 6 Dinge, die du wissen solltest

Halb Mutter, halb Kind: Die Plazenta wächst während der Schwangerschaft mit dem Kind, wird aber nach der Geburt wieder abgestoßen. Wieso nennen wir sie aber Mutterkuchen und ist es wichtig ob man eine Vorderwand- oder Hinterwandplazenta hat?

Was kann der Mutterkuchen?
Was kann der Mutterkuchen?
©Bigstock/Alp Aksoy

In diesem Artikel:

Wieso „Mutterkuchen“?

Die Plazenta – auch Mutterkuchen genannt – ist ein Organ, das sich mit der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter entwickelt. Sie bildet sich bei Beginn der Schwangerschaft und verwächst sich während der Einnistung mit den Zellen der Gebärmutterschleimhaut. Bestehend aus embryonalem und mütterlichem Gewebe versorgt die Plazenta dein Ungeborenes über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nahrung.

Aber wieso eigentlich Mutterkuchen? Das Wort „Plazenta“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Kuchen“. Im Deutschen wird die Plazenta deshalb auch „Mutterkuchen“ genannt.

Bis zur Geburt wächst der Mutterkuchen nun mit dem Kind mit. Am Ende deiner Schwangerschaft kann die Plazenta einen Durchmesser von 15 bis 25 Zentimeter haben und zwischen 500 bis 600 Gramm wiegen. Die Plazenta wird aber nur so lange benötigt wie du auch schwanger bist. Nach der Geburt löst sie sich von der Gebärmutterwand und wird als Nachgeburt abgestoßen. Etwa 30 Minuten nach der Entbindung wird auch die Plazenta geboren. Hattest du einen Kaiserschnitt, entfernt der Arzt die Plazenta gleich nachdem er das Kind auf die Welt geholt hat.

Plazenta

©Bigstock/Sopotniccy

Hinterwandplazenta oder Vorderwandplazenta – ist das wichtig?

In deinem Mutterpass findest du die Bezeichnungen „Vorderwandplazenta“ und „Hinterwandplazenta“. Auch wenn die Plazenta immer an der Gebärmutterwand haftet, die Lage kann sich unterscheiden. In der Regel liegt die Plazenta gegenüber dem Muttermund, an der hinteren Wand der Gebärmutter. Der Normalfall ist also die sogenannte Hinterwandplazenta.

Vorderwandplazenta: Kein Grund zur Sorge

Wächst die Plazenta auf der Vorderseite der Gebärmutter spricht man von einer Vorderwandplazenta. Die Plazenta bildet eine Art Kissen zwischen Bauchwand der Mutter und dem Kind. Daher kann es sein, dass du bei einer Vorderwandplazenta die ersten Bewegungen deines Kindes erst recht spät oder weniger deutlich spürst. Es kann auch sein, dass es deinem Arzt schwerer fällt die Herztöne deines Kindes zu hören.

Die gute Nachricht: Ernsthafte Komplikationen gibt es durch diese Lage der Plazenta nicht. Hat die Vorderwandplazenta genügend Platz, um zu wachsen und versorgt sie das Ungeborene dadurch ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen, verläuft deine Schwangerschaft ganz normal.

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Was kann die Plazenta?

Aber was macht die Plazenta jetzt eigentlich? Sie versorgt dein Baby während der Schwangerschaft mit Nährstoffen und schützt es gleichzeitig vor Krankheiten. Die wichtigsten Aufgaben der Plazenta sind:

  • Ernährung und Schutz
  • Filterung von Giftstoffen
  • Produktion von Hormonen

Ernährung und Schutz

Eine der Hauptaufgaben der Plazenta besteht darin, das Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen, Vitaminen und Wasser zu versorgen. Gleichzeitig werden über den Mutterkuchen Abfallprodukte und Kohlendioxid aus dem kindlichen Blut in den mütterlichen Blutkreislauf entsorgt. Auch wichtige Antikörper, die deinem Baby nach der Geburt den Nestschutz sichern, werden über die Plazenta weitergegeben.

Dabei zirkuliert am Ende deiner Schwangerschaft fast ein Liter Blut pro Minute in der Plazenta, um den großen Sauerstoff- und Nährstoffbedarf deines Kindes zu decken.

Filterung von Giftstoffen

Auch wenn du und dein Ungeborenes durch die Nabelschnur und die Plazenta verbunden sind, kommt es zu keinem direktem Blutaustausch. Dafür sorgt die Plazentaschranke.

Die Filterfunktion der Plazentaschranke ist abhängig von der Größe und den chemischen Eigenschaften der Moleküle, die eindringen möchten. Soll heißen: Viele Giftstoffe aus deinem Blutkreislauf werden zurückgehalten – allerdings nicht alle. Beispielsweise können Alkohol, Nikotin und einige Medikamente ungehindert hindurch.

Produktion von Hormonen

Außerdem produziert die Plazenta auch verschiedene Hormone, die deine Schwangerschaft aufrechterhalten. Dazu zählen beispielsweise das Gelbkörperhormon Progesteron, welches die Regelblutung unterdrückt. Auch das HPL (humane Plazentalaktogen), wird in der Plazenta gebildet. Es ist etwa ab der 8. SSW im Körper nachweisbar und deinen Körper auf die Milchproduktion und das Stillen vor.

Mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft

Plazentainsuffizienz ist der medizinische Begriff für eine Funktionsschwäche des Mutterkuchens. Der Stoffaustausch zwischen dir und deinem Kind wird dadurch beeinträchtigt. Die Folge: Eine Mangelernährung des Ungeborenen führen, die wiederum der Grund für eine Mangel-, Fehl- oder Frühgeburt sein kann. Meistens sind Frauen davon betroffen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Aber auch Blutarmut, eine Rhesusunverträglichkeit oder eine Präeklampsie können die Ursache sein.

Achtung: Auch Alkohol oder Nikotin während der Schwangerschaft können eine Plazentainsuffizienz auslösen.

Grundsätzlich wird zwischen einer akuten und einer chronischen Plazentainsuffizienz unterschieden.

Akute Plazentainsuffizienz

Die akute Form der Plazentainsuffizienz tritt kurz vor oder während der Geburt auf. Dein Kind bekommt dann nicht genügend Sauerstoff und sein Herzschlag verlangsamt sich. Mit Hilfe eines CTG-Geräts kann dein Arzt eine akute Plazentainsuffizienz zuverlässig feststellen. Je nach Ursache wird dann die entsprechende Notfallmaßnahme eingeleitet. Das kann ein Kaiserschnitt, eine Saugglocken- oder Zangengeburt sein.

Chronische Plazentainsuffizienz

Eine chronische Plazentainsuffizienz entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und wird meist im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen entdeckt. Aufgrund des Nährstoffmangels verlangsamt sich das Wachstum des Kindes und verringert die Menge an Fruchtwasser. Liegt tatsächlich eine chronische Funktionsstörung vor, wird vor allem körperliche Ruhe empfohlen und das Befinden deines Kindes regelmäßig durch Ultraschalluntersuchungen und CTG zu überprüfen.

Was passiert mit der Plazenta nach der Geburt?

Abfallprodukt oder Wundermittel: Was passiert eigentlich nach der Geburt mit der Nachgeburt?

Die Plazenta wird entsorgt

Krankenhäuser entsorgen die Plazenta zusammen mit anderen „Operationsabfällen“ im Sondermüll. Geburtshäuser dürfen das nicht. Hier musst du die Entsorgung selbst übernehmen.

Du möchtest sie behalten

Wenn du noch weitere Pläne mit dem Mutterkuchen hast, darfst du die Plazenta natürlich auch behalten.

Ein Sonderfall ist die Lotusgeburt. Dabei bleibt das Kind mit der Plazenta verbunden, bis die Nabelschnur von selbst abfällt. Dieser Methode soll Vorteile für das Baby haben. Es handelt sich dabei aber lediglich um Annahmen. Wissenschaftlich belegt ist nichts davon. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass das Baby durch die einsetzenden Verwesungsprozesse unnötig gefährdet wird.

Mehr Informationen findest du hier: Lotusgeburt: Das steckt hinter dem Geburtstrend

Plazenta als Superfood: Was bringt es, nach der Geburt die Plazenta zu essen?

Es gibt verschiedene Bräuche rund um die Plazenta. Manche vergraben sie im Garten und pflanzen ein Lebensbäumchen darauf. Andere machen damit einen Abdruck und hängen sich das Bild an die Wand. Die Faszination mit dem „Organ auf Zeit“ geht aber noch viel weiter. Immer mehr Mütter entscheiden sich ihre Plazenta nach der Geburt zu essen: Ob als Smoothie oder auch Kapseln. Viele schwören auf die angeblichen gesundheitlichen Vorteile, einschlägige wissenschaftliche Studien gibt es dazu allerdings nicht.

Mehr Informationen zu diesem Thema findest du hier: Globuli, Shakes und Kunst: Was man alles aus Plazenta machen kann

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Quellen