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Rhesusunverträglichkeit in der Schwangerschaft: Ursachen & Risiken

Schwangere Frau sitzt
© Unsplash/ Anastasiia Chepinska

Wenn die Blutgruppen bei Mama und Kind nicht passen, kann es zu einer Rhesusunverträglichkeit kommen. Was das für dich bedeutet und, wie eine Rhesusunverträglichkeit behandelt wird, liest du hier.

Bei der Bestimmung der Blutgruppen spielt neben dem AB0-System der Rhesus-Faktor eine wichtige Rolle. Er gibt an, ob sich das Blut von zwei Menschen bei einer Vermischung verträgt oder ob es zu körperlichen Abwehrreaktionen des Immunsystems kommt

Entscheidend ist das nicht nur bei Bluttransfusionen, sondern auch in der Schwangerschaft.

Erwartet eine rhesus-negative Frau ein rhesus-positives Kind, kann das zu Komplikationen führen.

Dank neuer Testverfahren und Prophylaxe-Maßnahmen treten gesundheitliche Folgen beim Kind jedoch nur noch äußerst selten auf.

Welche Blutgruppen vertragen sich nicht?

Nach dem Rhesus-Blutgruppensystem werden ergänzend zu den klassischen Blutgruppen A, B, AB und 0 die Antigene D, C, E, c und e bestimmt. Das Antigen D nimmt dabei eine besondere Stellung ein.

Ist es vorhanden, wird der Blutgruppe noch die Kennzeichnung „rhesus-positiv“ hinzugefügt. Fehlt das Antigen D, ist man „rhesus-negativ“.

Die Mehrzahl der Menschen ist Rh-positiv, in Europa beträgt der Anteil der rhesus-negativen Bevölkerung rund 15 Prozent.

Kommt eine rhesus-negative Person mit rhesus-positivem Blut in Kontakt, reagiert das Immunsystem darauf. Antigene, die im eigenen Körper nicht vorhanden sind, werden als „Fremdkörper“ eingestuft und zu zerstören versucht.

In welchen Fällen besteht die Gefahr der Rhesusunverträglichkeit?

Grundsätzlich kann eine Rhesus-Inkompatibilität in der Schwangerschaft nur entstehen, wenn du als Mutter Rh-negativ bist und der Vater Rh-positiv. Und zwar dann, wenn sich die Blutgruppe des Mannes durchsetzt und das Kind rhesus-positiv ist.

Illustration Rhesusunverträglichkeit

© Bigstock/ Artemida-psy

In etwa 40 Prozent der Fälle erwartet die rhesus-negative Mutter ein rhesus-negatives Kind. Dann sind keine Probleme zu befürchten, da sich das Blut von Mutter und Kind vertragen.

Das Gleiche gilt, wenn du als Rh-positive Frau ein rhesus-negatives Kind erwartest.

Was passiert bei einer Rhesusunverträglichkeit?

Die roten Blutkörperchen des Rh-positiven Kindes tragen das Antigen-D, bei der Rh-negativen Mutter fehlt es.

Sobald kindliches Blut in den Blutkreislauf der Mutter gelangt, schätzt die mütterliche Immunabwehr das unbekannte Antigen als fremd ein und bildet Antikörper zu dessen Bekämpfung.

In erster Linie geschieht das während der Geburt, wenn es durch die Ablösung der Plazenta oder infolge von Geburtsverletzungen zu einem Austausch von kindlichem und mütterlichen Blut kommt.

: was du wissen musst

Zwar kann auch bereits in der Schwangerschaft kindliches Blut über die Plazenta in den Blutkreislauf der Mutter gelangen, die eher geringe Menge setzt die Bildung von Antikörpern allerdings nur selten in Gang.

Warum wirkt sich die Rhesusunverträglichkeit erst in der 2. Schwangerschaft aus?

Eine Gefährdung besteht erst, wenn du als rhesus-negative Mutter zum zweiten Mal mit einem Rh-positiven Kind schwanger bist. Da es beim ersten Kind erst während des Geburtsvorgangs zum Blutaustausch kommt und die Rhesus-Antikörper erst in der Folge gebildet werden, besteht für das Neugeborene kein Gesundheitsrisiko.

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Der Körper merkt sich die Abwehrreaktion allerdings in seinem „immunologischen Gedächtnis“ und beginnt beim nächsten Kontakt mit dem Antigen-D in der folgenden Schwangerschaft sehr schnell mit der Bildung von Antikörpern, die schwerwiegende Schäden im kindlichen Organismus hervorrufen können.

Welche Folgen hat eine Rhesusunverträglichkeit für das Kind?

Das Wichtigste vorweg: Heutzutage kommt es aufgrund verschiedener Vorsorge-Maßnahmen und verbesserter Therapie-Optionen nur noch in äußerst seltenen Fällen zu Komplikationen.

Bleibt die Rhesusunverträglichkeit jedoch unbehandelt, kann das beim Kind zu ernsthaften Symptomen und bleibenden Schäden führen.

Gehen die Rhesus-Antikörper in den kindlichen Blutkreislauf über, heften sie sich dort an die roten Blutkörperchen und zerstören diese. Geschieht dies schneller als der Fötus neue Erythrozyten produzieren kann, kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.

Zugleich wird beim Abbau roter Blutkörperchen Bilirubin gebildet, ein gelber Farbkörper, der sich in der Haut und anderem Gewebe ansiedeln kann.

Das macht sich in einer Neugeborenen-Gelbsucht bemerkbar, in sehr schweren Fällen kann es zu bleibenden neurologischen Schäden und zum Tod des ungeborenen Kindes kommen.

: erkennen und behandeln

Was ist die Rhesus-Prophylaxe?

Bei schwangeren Frauen werden im Rahmen der üblichen Vorsorge-Maßnahmen schon früh die Blutgruppe und der Rhesusfaktor bestimmt.

Damit es erst gar nicht zu den beschriebenen Unverträglichkeitsreaktionen kommt, erhalten rhesus-negative Mütter zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche vorbeugend eine Anti-D-Immunglobulin-Spritze. Eine zweite Injektion wird innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Geburt verabreicht.

Die Anti-D-Prophylaxe erfolgt auch im Falle von Blutungen in der Schwangerschaft, einer Fruchtwasseruntersuchung sowie einer Abtreibung oder Fehlgeburt, um Komplikationen in einer nachfolgenden Schwangerschaft vorzubeugen.

: Infos und Hilfestellen

Die injizierten Antikörper fangen die Rh-positiven Blutzellen des Kindes ab, bevor das Immunsystem der Mutter darauf reagieren kann und verhindern so die Bildung eigener Antikörper.

Was bringt der Pränatal-Test zur Ermittlung des Rhesus-Faktors des Kindes?

Während bis vor einiger Zeit grundsätzlich alle rhesus-negativen Schwangeren die Anti-D-Prophylaxe erhielten, ist das nicht mehr zwingend notwendig. Der Rhesus-Faktor des Kindes kann mittlerweile dank eines Bluttests schon ab der 12. Schwangerschaftswoche im Mutterleib bestimmt werden.

Den rund 40 Prozent der Rh-negativen Frauen, die kein Rh-positives Kind erwarten, bleibt die in diesen Fällen unnötige Behandlung damit erspart. Seit 2020 werden die Kosten des Testverfahrens auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Lediglich bei rhesus-negativen Müttern, die Mehrlinge erwarten, werden die beiden Anti-D-Immunglobulin-Spritzen im letzten Schwangerschaftsdrittel und unmittelbar nach der Geburt auch weiterhin per se verabreicht. In diesen Fällen bietet der Test laut Studienergebnissen keine ausreichend zuverlässige Aussage.

Quellen

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