Rückenschmerzen in der Schwangerschaft: Wann wird es gefährlich?

Rückenschmerzen in der Schwangerschaft: Wann wird es gefährlich?

Es schmerzt im Rücken, jede Bewegung wird zur Qual. Rückenschmerzen in der Schwangerschaft zählen zu den Top-Beschwerden während der besonderen Umstände. Hier findest du alle Infos darüber, was meist die Ursachen der Schmerzen im Rücken sind, wie du sie selbst lindern kannst und wann du zum Arzt gehen solltest.

Wenn du schnelle Hilfe suchst, kannst du dir auch im Video von dem Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht die 4 besten Übungen gegen Rückenschmerzen in der Schwangerschaft zeigen lassen:

Die 3 Hauptgründe für Rückenschmerzen in der Schwangerschaft

Es gibt drei große Veränderungen während einer Schwangerschaft, die die Hauptgründe sind, warum Rückenschmerzen gerade in der Schwangerschaft so häufig auftreten:

  1. Hormonelle Veränderung
  2. Veränderung der Statik durch das wachsende Baby
  3. Veränderung der Muskeln

Während dir die Hormonumstellung vor allem zu Beginn der Schwangerschaft Schmerzen im Rücken- und Beckenbereich bescheren kann, schlägt das zusätzliche Gewicht von Gebärmutter, Mutterkuchen, Fruchtwasser und Fötus im letzten Trimester ordentlich zu Buche.

#1 Hormonelle Veränderungen

Schon ab dem ersten Tag der Schwangerschaft bereitet sich dein Körper voll und ganz auf den neuen Erdenbürger vor, indem er vermehrt Hormone ausschüttet. Rückenschmerzen in der Schwangerschaft machen sich aus diesem Grund tatsächlich schon recht früh bemerkbar. Schuld daran ist laut der amerikanischen Gesellschaft für Endokrinologie das Hormon Relaxin. In großem Ausmaß fließt es im ersten Drittel der Schwangerschaft durch deine Blutbahn und sorgt dafür, dass Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln gelockert und gedehnt werden. Immerhin müssen sie schon in wenigen Wochen Schwerstarbeit leisten und die wachsende Frucht tragen können. Die werdende Mama kann also durchaus recht früh in der Schwangerschaft ein unangenehmes Ziehen im Rücken- und Beckenbereich wahrnehmen.

#2 Veränderung der Statik durch das wachsende Baby

Während das zweite Drittel der Schwangerschaft im Hinblick auf Rückenschmerzen oftmals recht beschwerdefrei vorüberzieht, verstärken sich Probleme mit dem Kreuz im letzten Trimester häufig wieder. Das Baby legt spürbar an Gewicht zu, Gebärmutter und Mutterkuchen haben ihre volle Größe erreicht. Der Druck auf deine Bänder, Sehnen und Muskeln im unteren Rücken- und Beckenbereich ist immens und Rückenschmerzen in der Schwangerschaft sind dann durchaus nicht ungewöhnlich. Zudem wirken sich deine ungewohnten Proportionen auf deine Haltung aus, was zu Verspannungen im oberen Rücken oder Nacken führen kann.

#3 Veränderung der Muskeln

Deine autochthone Rückenmuskulatur (auch „Rückenstrecker“ genannt) muss viel mehr leisten als sonst und zieht dein Kreuz in eine Hohlkreuzposition. Frauen, die schon immer eine eher schwache Rückenmuskulatur hatten oder nicht aktiv dagegen steuern, bekommen dadurch leicht Schmerzen im Rücken.

Rückenschmerzen & Schwangerschaft: Sonderfall Ischias

Breiten sich deine Rückenschmerzen in der Schwangerschaft über Becken und Lenden bis in die Beine hinunter aus, dann ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Ischias betroffen. Diesen Nerv bekommt so manche werdende Mama gegen Ende der Schwangerschaft unangenehm zu spüren, da er durch das wachsende Baby gereizt wird. Lies hier mehr über Schmerzen im Ischias und was dagegen hilft.

Video-Empfehlung

Was hilft gegen Rückenschmerzen in der Schwangerschaft?

Rückenschmerzen in der Schwangerschaft musst du nicht widerstandslos hinnehmen! Mit einigen Maßnahmen kannst du den Schmerz im Akutfall lindern und zudem präventiv dafür sorgen, dass sich Rückenschmerzen nicht dauerhaft breitmachen.

5 Tipps gegen Rückenschmerzen in der Schwangerschaft

  1. Sport und Bewegung
    Die Bundesärztekammer sagt klar: Das Wichtigste für einen gesunden, starken Rücken ist und bleibt sportliche Aktivität. Auf diese Weise wird deine Muskulatur gestärkt, Bänder und Sehnen sanft gedehnt und du verbesserst deine Haltung. Yoga, Walken und Schwimmen sind geeignete Sportarten, um Rückenschmerzen in der Schwangerschaft vorzubeugen. Auch spezielle Rücken- und Dehnübungen können Wunder wirken.
  2. Die richtige Haltung
    Achte auf eine aufrechte und bewusste Haltung, so entlastest du deinen Rücken und beugst Schmerzen in der Schwangerschaft vor. Beim Schlafen kann dir ein Stillkissen dabei helfen, deinen Rücken optimal zu stützen.
  3. Massagen
    Ob vom Partner durchgeführt oder im Massagestudio: Massagen fördern die Durchblutung, lockern die Muskulatur und können so Rückenschmerzen in der Schwangerschaft lindern.
  4. Das richtige Schuhwerk
    Kleiner Aufwand, große Wirkung! Rückenschmerzen in der Schwangerschaft werden durch hohe Schuhe noch verstärkt. Achte also unbedingt auf flaches, bequemes Schuhwerk achten.
  5. Wärme- oder Kältebehandlung
    Kirschkernkissen, Wärmeflasche, Infrarotlampe, ein warmes Bad, Fangopackung oder Coolpack: Finde heraus, was dir in der Schwangerschaft bei Rückenschmerzen gut tut.

Rückenschmerzen & Schwangerschaft: Akupunktur als Hilfe?

Ob Akupunktur helfen kann, Rückenschmerzen während der Schwangerschaft zu lindern, ist in der Fachwelt umstritten. Akupunktur zur Linderung von Rückenschmerzen wird aber von den meisten Krankenkassen übernommen, seitdem eine große Studie von 2007 (die sogenannte GERAC-Studie) zu folgendem Ergebnis gekommen ist: „Akupunktur ist ein bei chronischen Rücken- oder Knieschmerzen wirksames Verfahren, das zu einer klinisch relevanten Minderung der Schmerzsymptomatik und damit verbundener Begleitsymptomatiken führt.“ Dr. Benno Brinkhaus, Arzt für innere Medizin, Akupunkturforscher und Professor an der Berliner Charité ist sich da nicht so sicher: „Das Gesamtpuzzle zum Wirkmechanismus kennen wir noch nicht. (…) „Placebostudien zeigen, dass schon der Glaube an eine Therapie gesundheitliche Besserung bringt.“

Schwangerschaft und Rückenschmerzen: Wann zum Arzt?

Fühlen sich die Rückenschmerzen in der Schwangerschaft für dich intuitiv nicht „stimmig“ an, hast du das Gefühl, ein Nerv ist eingeklemmt oder blockiert, bemerkst du ein Taubheitsgefühl oder erreicht der Schmerz eine hohe Intensität, suche bitte unbedingt einen Facharzt, etwa einen Orthopäden auf.


Quellen:

Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien: https://www.leitlinien.de/mdb/downloads/kip/ruecken/kreuzschmerz-akut-kip.pdf (letzter Abruf: November 2018)

Dr. med. Dipl.-Chem. Endres:  Akupunktur bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 104, Heft 3 https://www.aerzteblatt.de/pdf/104/3/a123.pdf(letzter Abruf: November 2018)

German Acupuncture Trials (GERAC) for chronic low back pain https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17893311 (letzter Abruf: November 2018)