Wie schlimm ist eine Saugglockengeburt eigentlich wirklich?

Saugglockengeburt

Eine Saugglockengeburt wird nur sehr selten notwendig. Wie sie abläuft und was das für dein Kind bedeutet, erfährst du hier.

Mutter hält ihr Neugeborenes im Arm
Wann ist eine Geburt mit der Saugglocke notwendig? ©Bigstock / kipgodi

Saugglockengeburt: Was ist das?

Bei der Saugglockengeburt (oder auch Vakuum-Extraktion) wird das Baby mit Hilfe einer Saugglocke zur Welt gebracht. Die Saugglocke besteht aus einer kleinen Schale aus Silikon oder Metall, die mit einer Pumpe verbunden wird. Mit der Pumpe lässt sich ein Unterdruck erzeugen. Dadurch haftet die Saugglocke am Hinterkopf des Ungeborenen und es kann aus dem Geburtskanal herausgezogen werden.

In Deutschland kam 2017 nur bei knapp sechs Prozent der Geburten die Saugglocke zum Einsatz, so das statistische Bundesamt.

Wann ist eine Geburt mit der Saugglocke notwendig?

Eine Saugglockengeburt wird vorgenommen, wenn die Geburt schnell beendet werden muss, etwa weil

  • das Baby ungünstig im Geburtskanal liegt und allein nicht weiter nach unten kommt
  • das Kind am Ende der Geburt auffällige Stressreaktionen zeigt
  • die Mutter zu erschöpft zum Pressen ist oder Fieber bekommt
  • oder sich die letzte Geburtsphase sehr lange hinziehen

Saugglockengeburt: Voraussetzungen

Allerdings ist eine Saugglockengeburt nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich:

  1. der Muttermund ist vollständig eröffnet
  2. die Fruchtblase ist bereits gesprungen oder wurde geöffnet
  3. der Kopf des Kindes befindet sich mit seinem größten Durchmesser im kleinen Becken
  4. das Baby ist mit Zange oder Saugglocke gut erreichbar
  5. das Kind befindet sich in Schädellage

Saugglockengeburt: So läuft die Geburt mit der Saugglocke ab

Falls die Mutter bei der Geburt noch keine PDA bekommen hat, wird der Beckenboden lokal betäubt. Du wirst also nur wenig davon mitbekommen, wenn dir die Saugglocke eingeführt wird.

Nun legt der Arzt eine Saugglocke am Kopf des Kindes an. Mit Hilfe der Pumpe wird ein Unterdruck in der Saugglocke erzeugt, sodass sie fest an dem Köpfchen anhaftet. Der Arzt kontrolliert, ob sie richtig am Kopf des Kindes sitzt und keine Weichteile der Mutter mit der Saugglocke erfasst wurden. Dann wird ein Probezug gemacht. Damit wird geprüft, ob die Saugglocke ausreichend festsitzt und der kindliche Kopf dem Zug folgt.

Der Arzt wird nun bei der nächsten Wehe und während die Mutter presst, vorsichtig an der Glocke ziehen und dem Baby aus dem Geburtskanal heraushelfen. Sobald der Kopf des Kindes geboren ist, wird die Saugglocke abgenommen. Der restliche Körper des Babys kann nun wie bei einer natürlichen Entbindung geboren werden.

Nach der Saugglockengeburt wird die Mutter natürlich gründlich untersucht. Hat die Entbindung Scheidenverletzungen verursacht, werden diese sofort fachgerecht versorgt.

Video-Empfehlung

Saugglockengeburt: Folgen für dich und das Baby

Das Risiko bei einer Saugglockengeburt ist tatsächlich ziemlich gering. Um dem Baby die Geburt zusätzlich zu erleichtern, wird in der Regel auch ein Dammschnitt gesetzt. Was du darüber wissen musst haben wir in diesem Artikel zusammengefasst: Dammschnitt (Episiotomie). Angst vor Schmerzen brauchst du deswegen aber nicht haben.

Durch die Saugglocke hat das Kind nach der Geburt allerdings eine Schwellung in der Größe der verwendeten Glocke am Kopf. Ein weit verbreiteter Irrglaube besteht darin, dass sich die Kopfform des Kindes dadurch dauerhaft verändert. Das stimmt jedoch nicht. Die Schwellung am Kopf ist in der Regel harmlos und bildet sich innerhalb von zwei bis vier Tagen wieder zurück. Außerdem kann dein Kind so eine stärkere Neugeborenen-Gelbsucht entwickeln. Weitere Informationen zu dem Thema findest du hier: Gelbsucht bei Neugeborenen erkennen und behandeln.

Gibt es Risiken für mein Baby?

In seltenen Fällen kann es bei der Saugglockengeburt durch die Nutzung des Unterdrucks zu Druckschwankungen im Kopf des Kindes kommen. Das kann Hirnblutungen verursachen. Aus diesem Grund wird bei Frühgeburten keine Saugglocke verwendet, da bei ihnen das Risiko einer Blutung erhöht ist.

Saugglockengeburt: Was sind die Alternativen?

Neben der Saugglocke kann auch eine Geburtszange zum Einsatz kommen, wenn die Geburt ins Stocken geraten ist. Hier wird das Neugeborene mithilfe einer Zange, die aus zwei Löffeln besteht, auf die Welt gebracht. Welches der beiden Instrumente verwendet wird, hängt von dem behandelnden Arzt und seiner Erfahrung ab. Oftmals wird die Zangengeburt der Saugglockenentbindung vorgezogen, da sie im Notfall schneller durchgeführt werden kann. Da das Verletzungsrisiko hier jedoch höher ist, ist nicht nur mehr Erfahrung, sondern auch technisches Geschick vom Geburtshelfer gefragt.

Keine Alternative ist hier ein Kaiserschnitt. Wenn sich der Kopf des Kindes bereits zu tief im Geburtskanal befindet, ist ein Kaiserschnitt nicht mehr möglich.

Quellen:

Silvia Höfer, Nora Szász: Hebammen-Gesundheitswissen: Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach, Gräfe Und Unzer, München 2012.

Silvia Höfer, Alenka Scholz: Meine Schwangerschaft: Tag für Tag faszinierende Bilder und umfassender Rat, Gräfe Und Unzer, München 2014.

Franz Kainer, Annette Nolden: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, Gräfe Und Unzer, München 2018.

Birgit Laue: 1000 Fragen an die Hebamme, Gräfe Und Unzer, München 2008.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Saugglocken- und Zangengeburt, https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/medizinische-eingriffe/saugglocken-und-zangengeburt/ (Abrufdatum: 14.11.2018)

Onmeda: Zangengeburt, Saugglocken­entbindung, https://www.onmeda.de/geburt/zangengeburt.html (Abrufdatum: 14.11.2018)

Statistisches Bundesamt: Krankenhausentbindungen 2017, https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/09/PD18_349_231.html (Abrufdatum: 04.12.2018)