Scheidenriss bei der Geburt: Häufigkeit, Ursachen, Behandlung

Scheidenriss bei der Geburt: Häufigkeit, Ursachen, Behandlung

Bei einer Geburt kann es zu verschiedenen Geburtenverletzungen kommen – ein Scheidenriss ist wohl eine der Komplikationen, die viele Frauen am meisten fürchten. Erfahre hier, wie es dazu kommen kann, wie häufig die Verletzung auftritt und wie du einem Riss schon vor der Geburt vorbeugen kannst.

Frau mit Schwangerscftverletzung - Scheidenriss
Ein Scheidenriss kann während der Geburt entstehen und unterschiedlich schmerzhaft sein © Bigstock/ Nutlegal

Was ist ein Scheidenriss?

Ein Scheidenriss ist eine Verletzung der Scheide (Vagina). Wie viele andere Geburtsverletzungen kann der Scheidenriss bei einer vaginalen Geburt auftreten und ist erst einmal relativ unbedenklich, wie die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt: Bei den meisten Geburten entstehen „ganz natürlich kleine Risse in und um die Scheide, die meist schnell und problemlos heilen.“

Ein normaler Scheidenriss entsteht meist im seitlichen oder hinteren Teil der Scheide – kann aber auch an anderen Abschnitten der Vagina auftreten. Ein Scheidenriss kann beispielsweise direkt am Scheideneingang entstehen. Auch umliegende Körperstellen können verletzt werden, zum Beispiel an den Schamlippen – hier spricht man von einem Labienriss. Der Bereich zwischen Scheide und Anus kann bei einem sogenannten Dammriss verletzt werden.

Kleinere Einrisse treten bei vielen Geburten auf. Sie sind außerdem meist kaum schmerzhaft und müssen nicht behandelt werden. Tiefere Scheidenrisse können auch bis in das Scheidengewölbe hineinreichen. Diese Scheidenrisse sind mit stärkeren Blutungen und eventuellen Schmerzen verbunden. Je nach Tiefe des Risses kann es nötig sein, die Verletzung zu nähen.

Ursachen für einen Scheidenriss

Das Risiko für einen Scheidenriss steigt bei Geburten mit einer Saugglocke oder einer Geburtszange. Jedoch können sämtliche Geburtsverletzungen bei der natürlichen Geburt entstehen. Es gibt einige weitere Faktoren, die Geburtsverletzungen wie Scheidenriss oder Dammriss begünstigen können:

  • Das Kind (vor allem der Kopf) ist sehr groß
  • Das Kind liegt falsch – z.B. Beckenendlage oder Hand neben dem Kopf
  • Die Mutter fängt bei der Geburt sehr schnell an zu pressen
  • Die Geburt dauert sehr lange
  • Die Mutter verkrampft sich bei der Geburt (das ist vor allem bei ängstlichen Erstgebärenden der Fall)
  • Auch ein tiefer Dammriss oder ein zu kleiner Dammschnitt in einer vorherigen Geburt kann einen Scheidenriss begünstigen.

Geburtsverletzungen wie Scheidenriss und Dammriss: Häufigkeit

Laut dem OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe treten bei etwa zwei Dritteln aller Geburten Geburtsverletzungen auf. „80 % der Erstgebärenden und 50 % der Mehrgebärenden [sind] mit einer versorgungspflichtigen Geburtsverletzung nach vaginaler Geburt konfrontiert“, schreiben Sara Kindberg und Peggy Seehafer im Buch „Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen.“

Die häufigste Geburtsverletzung ist demnach die Episiotomie (Dammschnitt), allerdings wird dieser inzwischen nicht mehr so häufig gesetzt. Genaue Daten gibt es zu den Häufigkeiten nicht – je nach Studie liegt der Wert zwischen 20 und 30 Prozent. Ein Dammriss kommt deutlich seltener vor, da der Dammschnitt einen Dammriss vorbeugen kann.

Am zweithäufigsten tritt der Labienriss, Zervixriss und Scheidenriss auf. Die Häufigkeit eines natürlichen Scheiden-, Labien- und Zervixriss ist nicht mit genauen Zahlen belegt. Das kommt daher, dass viele Scheidenrisse nicht groß behandelt werden müssen und von allein verheilen.

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Symptome Scheidenriss

Symptome bei einem Scheidenriss sind sehr unterschiedlich. Zum Beispiel kann eine Mutter stark aus der Scheide bluten, das kann aber auch von der Gebärmutter kommen. Im Bereich des Risses können große Schmerzen auftreten. Ein Scheidenriss kann auch weniger schmerzhaft sein und als Geburtsschmerzen wahrgenommen werden. Ein Labienriss schmerzt dagegen in der Regel sehr stark, weil die in den Schamlippen viele Nervenenden sind.

Mit etwas zeitlichem Abstand zur Geburt erkennt man einen Scheidenriss daran, dass die Mutter immer noch aus der Scheide blutet. Zusätzlich kann ein Brennen oder Jucken, sowie Schmerzen, dazukommen.

Weil die Symptome für einen Scheidenriss so unspezifisch sind, wird nach der Geburt oft die Scheide auf potenzielle Geburtsverletzungen untersucht.

Scheidenriss: Behandlung und Möglichkeiten

Die Behandlung eines Scheidenrisses unterscheidet sich je nach Tiefe des Risses. Hier gibt es drei verschiedene Schweregrade:

#1 Kleine Einrisse
Ein kleiner Scheidenriss verheilt in der Regel schnell und gut. Die meisten Frauen müssen nicht genäht werden, weil die Schleimhaut der Scheide ausreichend durchblutet ist, um sich selbst zu heilen. Unterstützend können Salben und Cremes vom Arzt schmerzlindernd sein.

#2 Tiefe Scheidenrisse
Ein tiefer Scheidenriss ist so tief, dass er genäht werden muss. Das passiert meist noch im Kreissaal unter örtlicher Betäubung. Wenn Geburtsverletzungen genäht werden müssen, wird ein resorbierender Faden verwendet, also ein Faden, der sich selbst auflöst und nicht gezogen werden muss. Auch hier werden Salben gegen Schmerzen und zur Pflege verschrieben.

#3 Vollständiger Abriss (Kolporrhexis)
Ein Kolperrhexis ist die schwerste Form eines Scheidenrisses. Hier löst sich die Scheide von der Gebärmutter ab. Der Scheidenabriss ist ein gynäkologischer Notfall und bedarf einer chirurgischen Behandlung unter Vollnarkose.

Wie kann man die Heilung unterstützen und Schmerzen lindern?

Es gibt einige Tipps, die beim Heilungsprozess von Geburtsverletzungen helfen oder die Schmerzen abmildern können:

  • Schonung und Entlastung des Wundbereichs
    also liegen, nicht schwer heben oder viel rumlaufen
  • Halte die Wunde sauber und trocken
    Achte auf deine Intimhygiene und spüle nach dem Stuhlgang mit klarem Wasser nach
  • Beine wenn möglich geschlossen halten
    Etwa eine breitbeinige Stillposition sollte vermieden werden, das entlastet die Wunde
  • Kein Sex
    Vermeide Geschlechtsverkehr bis die Wunde gut verheilt ist
  • Verschriebe Medikamente nehmen
    Denke auch daran, die Cremes aufzutragen!
  • Bei Schmerzen die Stelle mit Ice-Packs kühlen
    Das ist schmerzlindernd und fördert die Heilung
  • Sitzbäder können wohltuend und schmerzlindernd wirken
    Aber keine Badezusätze verwenden
  • Kontakt mit parfümhaltigen Seifen und Cremes vermeiden
    Das kann die Wunde zusätzlich reizen

Grundsätzlich gilt: Gib der Heilung Zeit – alle Geburtsverletzungen brauchen eine Weile, bis sie verheilt sind. Sollten die Schmerzen schlimmer werden oder andere Komplikationen auftreten, solltest du deinen Arzt um Rat fragen.

Wie kann man einen Scheidenriss vorbeugen?

Schwangere können sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt Schritte unternehmen, um Geburtsverletzungen wie einen Scheidenriss oder einen Dammriss vorzubeugen.

Vor der Geburt

Um das Risiko für einen Scheidenriss zu senken, können Schwangere ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren. Dafür hat die BZgA eine einfache Übung: „Stellen Sie sich einen kleinen Schwamm in Ihrer Scheide vor. Beim ausatmen drücken Sie ihn aus, beim Einatmen lassen Sie ihn wieder locker.“

Eine Massage des Damms in den letzten drei bis fünf Wochen vor der Geburt kann auch helfen, das Gewebe der Scheide zu lockern. Dazu wird der Damm täglich mit etwas Öl in kreisenden Bewegungen massiert. Es kann auch der Zeigefinger in die Scheide eingeführt werden und dann Richtung Anus gedehnt werden

Während der Geburt

Während der Geburt ist es wichtig, dass die Mutter entspannt ist. Denn ein Verkrampfen erhöht das Risiko für einen Scheidenriss enorm. Schwangere können sich über Atemtechniken informieren oder zum Beispiel Yoga praktizieren.

Wenn die Scheide während der Geburt immer wieder mit warmen, feuchten Tüchern bedeckt wird, kann auch das einen Scheidenriss vorbeugen.


Quellen

  • Anke Erath, Sonja Siegert: Rundum – Schwangerschaft und Geburt. (2017) Auf: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). https://www.bzga.de/infomaterialien/familienplanung/schwangerschaft/rundum-schwangerschaft-und-geburt/ (Letzter Aufruf 24. April 2019)
  • Andrea Stiefel: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. (2012) 5. Auflage, Hippokrates Verlag, S. 311-321
  • Bernhard Uhl: OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe: Alles für den OP und die Station Kirschbaum. (2013) 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, S. 349-352
  • Sara Kindberg, Peggy Seehafer: Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen. (2017) Schwarz, Christiane; Stahl, Katja (Hrsg.) 2. Auflage, Elwin Staude Verlag GmbH, Hannover S. 10-18
  • Techniker Krankenkasse: Geburtenreport: Eine Routinedatenanalyse zu Kaiserschnitt und Frühgeburt. (2017) Unter: https://www.tk.de/resource/blob/2042902/8f202ed022e06f90a205e3fd8fe53633/geburtenreport-2017-data.pdf (Letzter Zugriff: 24. April 2019)
  • Mark Buchta et. Al.: Das zweite StEx: Basiswissen klinische Medizin für Examen und Praxis. (2004) 2. Auflage, Springer, S. 988
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Verletzungen durch die Geburt. (2010) Auf: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsverlauf/verletzungen/ (Letzter Aufruf: 25. April 2019)