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Ibuprofen & Schwangerschaft: Welche Medikamente darf ich nehmen?

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Schwangere nimmt Schmerzmittel
Sind Schmerzmittel wie Ibuprofen in der Schwangerschaft wirklich ungefährlich?
© Bigstock/ dolgachov

Kopfweh, Migräne, Rückenschmerzen – leider sind wir auch in der Schwangerschaft nicht vor Schmerzen gefeit. Doch sind Schmerzmittel wie Ibuprofen in der Schwangerschaft erlaubt?

Sind Schmerzmittel in der Schwangerschaft generell erlaubt?

Ärzte schlagen Alarm: Laut dem Arzneimittelreport 2021 der Barmer werden etwa 30 Prozent aller Schwangeren regelmäßig Medikamente verschrieben.

Das Problem dabei ist laut Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzende der Barmer, dass dabei rund einem Prozent der Patientinnen versehentlich sogenannte Teratogene verabreicht wurden. Teratogene sind Wirkstoffe, die fortpflanzungsgefährdend sind und sich stark negativ auf die kindliche Gesundheit auswirken können. Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken, kritisiert in dem Report:

„Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte passen die Arzneimitteltherapie an die Schwangerschaft zwar sehr wohl an. Das belegen die zurückgehenden Verordnungszahlen von Teratogenen. Allerdings liegen die Absetzquoten bei den besonders kritischen Präparaten lediglich zwischen 31 und 60 Prozent. Das ist viel zu wenig.“

Dabei sind nicht alle Schmerzmittel gleich gefährlich. Die üblichen Schmerzmittel in Tabletten- und Salbenform sind für werdende Mütter nur bedingt geeignet. Je nach Wirkstoff und Stadium der Schwangerschaft kann die Anwendung bestimmter Präparate das ungeborene Kind gefährden. Gesundheitliche Risiken lassen sich nämlich bei keinem Medikament zu 100 % ausschließen.

Das gilt übrigens nicht nur für Arzneimittel aus der Schulmedizin – auch für alle, die man rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhält – sondern auch für naturheilkundliche Mittel.

Was muss ich bei Schmerzmitteln in der Schwangerschaft beachten?

Zwar lassen sich viele Beschwerden auch mit nicht-medikamentösen Methoden lindern. Aber: Sind die Schmerzen zu stark und halten für längere Zeit an, kann es für dich und dein Kind besser sein, ein geeignetes Medikament anzuwenden.

Denn: Starke, unbehandelte Schmerzen können die Blutgefäße verengen, das Kind wird dann eventuell mit zu wenig Blut und Sauerstoff versorgt. Das kann sich schlimmer auswirken als eine gelegentliche Einnahme von Schmerztabletten.

Wichtig ist, dass es sich um ein

  • geeignetes Arzneimittel
  • in ausreichender Dosierung handelt
  • und die Einnahme grundsätzlich nur nach ärztlicher Absprache erfolgt.

Von einer Selbstmedikation solltest du in dieser sensiblen Phase unbedingt absehen. Das betrifft nicht nur Schmerztabletten, auch wirkstoffhaltige Salben und freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel.

Ibuprofen in der Schwangerschaft

Ibuprofen gehört zur Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und wird wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hauptsächlich bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Zudem wirkt IBU fiebersenkend.

Für Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, ist Ibuprofen in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln das Schmerzmittel der Wahl, im dritten Trimester darf es nicht mehr eingenommen werden. Diese Empfehlung basiert auf sehr hohen Erfahrungswerten seitens des Zentrums.

Warum kein Ibuprofen im letzten Schwangerschaftsdrittel?

Bislang ist noch nicht hinreichend geklärt, wie sich NSAR-Wirkstoffe auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirken. Fest steht, dass Ibuprofen und andere NSAR-Wirkstoffe wie beispielsweise Diclofenac im letzten Schwangerschaftsdrittel, also ab der 28. SSW, nicht mehr angewendet werden sollten, da es ab diesem Zeitpunkt zu Veränderungen im Kreislaufsystem des ungeborenen Kindes kommen könnte.

Eine neue Empfehlung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) rät von nichtsteroidalen Antirheumatika nun bereits schon ab der 20. Schwangerschaftswoche ab. In seltenen Fällen könne die Einnahme der schmerz- und entzündungshemmenden Mittel schwerwiegende Nierenprobleme bei Ungeborenen verursachen.

: nach der Geburt

Ibuprofen & Schwangerschaft: Risiko von Fehlgeburt oder Unfruchtbarkeit der Tochter?

2011 gab es verschiedene Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Ibuprofen in den ersten beiden Trimestern und einer höheren Fehlgeburtsrate vermuteten. Diesen Zusammenhang konnten aber Wissenschaftler des Soroka Medical Center in Beer-Sheva (Israel) 2014 widerlegen. Das Resultat ihrer Studie:

“Es gab kein erhöhtes Risiko für bestimmte NSAID-Medikamente (…). Wir fanden keinen Dosis-Wirkungs-Effekt.”

Zusätzlich gibt es Studien, die darauf hinweisen, dass Ibuprofen im ersten Trimester in die Plazenta gelangt und dort Schäden an den Eierstöcken des weiblichen Babys verursachen kann. Die Folge könne Unfruchtbarkeit der Tochter sein. Allerdings fehlen bei diesen Studien sowohl größere Untersuchungsgruppen als auch Langzeituntersuchungen. Abschließend kann diese Frage also nicht geklärt werden.

Ibuprofen & Schwangerschaft: Dosierung

Also besser kein Ibuprofen in der Schwangerschaft? Doch – aber nicht ohne ärztlichen Rat und nicht über einen längeren Zeitraum und auf keinen Fall nach der 28. SSW.

Die empfohlene Dosierung beträgt dabei 600 Milligramm Ibuprofen bis zu vier Mal am Tag. Bitte besprich dich in jedem Fall vor der Einnahme mit einem Arzt, der auch deine Krankengeschichte kennt. Nur so kann eine sichere Einnahme von Ibu in der Schwangerschaft gewährleistet werden.

Welche weiteren Schmerzmittel sind in der Schwangerschaft erlaubt?

Neben Ibu gibt es auch andere Schmerzmittel, die du laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) während der Schwangerschaft einnehmen kannst. Bei allen Medikamenten gilt aber: Die Einnahme muss immer mit einem Arzt abgesprochen werden und du solltest dich über individuelle Risiken und Nebenwirkungen aufklären lassen.

Paracetamol in der Schwangerschaft

Paracetamol gilt als der sicherste Wirkstoff gegen mäßig starke Schmerzen und Fieber während der gesamten Schwangerschaft.

Allerdings gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und späteren Aufmerksamkeits- und Entwicklungsstörungen vermuten.

Trotzdem wird Paracetamol von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) als sicherstes Schmerzmittel in der Schwangerschaft eingestuft. Sie gibt jedoch zu bedenken:

“Wenn es klinisch erforderlich ist, kann Paracetamol während der Schwangerschaft verwendet werden, sollte jedoch in der niedrigsten Dosis verwendet werden.”

Das heißt also nicht, dass paracetamol-haltige Tabletten und Zäpfchen generell unbedenklich sind. Das Schmerzmittel sollte also nur falls unbedingt notwendig und ohne ärztliche Anordnung nicht mehrere Tage oder gar Wochen lang angewendet werden.

Aspirin in der Schwangerschaft: Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure (ASS)

Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) gelten – ohnehin nur bis zur 28. SSW – als Mittel der zweiten Wahl, stattdessen wird auf Paracetamol verwiesen. Der Wirkstoff hemmt die Blutgerinnung: Bei der Mutter kann deshalb ein erhöhtes Risiko für einen stärkeren Blutverlust bei der Geburt bestehen, beim Kind ist das Risiko für Blutungen im Schädel erhöht.

Eine längerfristige niedrig dosierte Medikation mit ASS während der Schwangerschaft kann allerdings zur Vermeidung von Präeklampsie verordnet werden. Falls der Frauenarzt ein erhöhtes Risiko für diese ernsthafte Erkrankung feststellt, stellt ASS (100 mg/Tag) eine leitliniengerechte Präeklampsie-Prophylaxe dar.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. weist zudem ausdrücklich darauf hin, in der Schwangerschaft keine Kombinationspräparate – wie zum Beispiel das in Deutschland am häufigsten verkaufte Schmerzmittel Thomapyrin – einzunehmen.

Triptane in der Schwangerschaft

Medikamente mit Triptanen helfen Patienten mit starken Migräne-Beschwerden. Sie sind die ganz Schwangerschaft hindurch nur akzeptabel, also Mittel dritter Wahl, und müssen von einem Arzt verschrieben und eng überwacht werden.

Schnelle, sanfte Hilfe

Ungeeignete & verbotene Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Einige Medikamente werden von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. als ungeeignet, sehr eingeschränkt erlaubt oder als ganz verboten eingestuft. Hier findest du eine Übersicht über die häufigsten verbotenen Schmerzmittel in der Schwangerschaft:

Metamizol (Novamin, Novalgin) in der Schwangerschaft

Metamizol ist ein fiebersenkender, schmerzlindernder und krampflösender Wirkstoff. Besonders häufig verwendete Präparate mit Metamizol sind Novalgin, Novamin und Analgin. Diese sind allerdings nur in sehr begrenzter Form als Schmerzmittel in der Schwangerschaft geeignet, im dritten Trimester sind Medikamente mit Metamizol kontraindiziert, also verboten.

Diclofenac in der Schwangerschaft

Diclofenac wird bei leichten bis mittleren Schmerzen, sowie Entzündungen verschrieben. In der Schwangerschaft ist Diclofenac in den ersten beiden Trimestern nur eingeschränkt erlaubt, im dritten Trimester ist es ganz verboten. Paracetamol wird in allen Trimestern als bessere Alternative angesehen.

Coxibe Medikamente (Celebrex, Etoricoxib)

Medikamente mit Coxibe werden meist bei Gelenkerkrankungen verschrieben. Aufgrund von mangelnder Erfahrungswerten sind diese aber in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Alternativen zu Schmerzmitteln in der Schwangerschaft

Typische Schmerzen, die häufig in der Schwangerschaft auftreten, lassen sich meistens auch mit nicht-medikamentösen Maßnahmen deutlich lindern. Zwar mag nicht jede Methode bei jeder Schwangeren gleich gut wirken, aber probiere doch einfach mal aus, was dir am besten hilft:

Was hilft bei Kopfschmerzen in der Schwangerschaft?

Bei Kopfschmerzen können diese Dinge helfen:

  • Spaziergang an der frischen Luft
  • Kompresse auf der Stirn
  • sanfte Massagen mit Pfefferminzöl an Schläfen, Stirn und Nacken

Zur Vermeidung von Kopfweh-Attacken empfehlen Mediziner ausreichenden Schlaf und regelmäßige Ruhepausen.
Viele Schwangere machen zudem gute Erfahrungen mit Entspannungstechniken wie autogenem Training oder Muskelentspannung nach Jacobsen.

Was hilft bei Gelenk- und Rückenbeschwerden in der Schwangerschaft?

Rücken- und Gelenkbeschwerden gehören mit zunehmendem Gewicht und einer veränderten Körperhaltung ebenfalls zu den unangenehmen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft.

Schwere körperliche Tätigkeiten solltest du jetzt unbedingt vermeiden und nicht vergessen, über den Tag verteilt ein paar Pausen einzulegen, um die Muskulatur zu entlasten. Statt einer Auszeit auf der Couch helfen gleichmäßige Bewegungsabläufe z.B. beim Walking, Radfahren und Schwimmen oder leichte Gymnastik- und Yoga-Übungen gegen einen verspannten Nacken und Rückenschmerzen.

Wärme gilt zum Lösen von Verspannungen und bei Schmerz-Attacken ebenfalls als bewährtes Hausmittel. Wärmflasche oder ein erhitztes Kirschkernkissen sollten jedoch nicht in direkten Kontakt zur Haut kommen und nur auf schmerzende Stellen, nicht auf den Babybauch, gelegt werden.

Quellen

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