Schwanger in der Probezeit: Kann ich gekündigt werden?

Schwanger in der Probezeit

Unverhofft kommt oft: Plötzlich schwanger, in der Probezeit? Was nun? Sag ich’s dem Arbeitgeber und riskiere eine Kündigung? Oder trage ich weite Kleidung und versuche es zu kaschieren und zu verheimlichen bis die Probezeit vorüber ist? Juristisch eine einfache Entscheidung, persönlich vielleicht ein wenig kniffliger. Hier findest du alle Informationen, die jetzt für dich wichtig sind.

Und wenn’s ganz schnell gehen soll: Alle wichtigen Infos, wenn du in der Probezeit schwanger wirst, findest du auch in der Kurzzusammenfassung im Video.

Schwanger in der Probezeit? Das solltest du jetzt sofort wissen!

Schwanger in der Probezeit: Rechtliche Grundlagen

Der Schwangerschaftstest zeigt es deutlich an, kein Zweifel: Schwanger! In der Probezeit – ausgerechnet. Und nun?

In der Probezeit sind Arbeitnehmer ohne Angabe von Gründen kündbar – aber gilt das auch bei Schwangeren? Dank dem Mutterschutzgesetz nicht!

Kündigungsschutz Schwangerschaft

§ 17 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) regelt das Kündigungsverbot von Schwangeren. Demnach darf Frauen während der Schwangerschaft und mindestens vier Monate nach der Entbindung nicht gekündigt werden. Während der Probezeit kommen die Regelungen dieses Gesetzes genauso zur Anwendung, wie nach der Probezeit. Das bedeutet: Schwanger in der Probezeit darf dir nicht gekündigt werden.

Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu Ausnahmeregelungen, die meist beim Gewerbeaufsichtsamt genehmigt werden müssen, etwa bei Insolvenz des Unternehmens oder bei Gründen für eine außerordentliche Kündigung aufgrund eines Fehlverhaltens des Arbeitnehmers. Selbst dann kann man versuchen, Widerspruch einzulegen und juristisch gegen die Kündigung vorzugehen.

Wenn die Schwangerschaft in der Probezeit nicht bekannt war

Du hast selbst nicht damit gerechnet, aber plötzlich heißt es du bist schwanger, in der Probezeit wurde dir aber bereits gekündigt? Auch hier greifen dann Sonderregelungen.

Selbst wenn die Kündigung vor der Feststellung der Schwangerschaft ausgesprochen wurde, kann noch innerhalb von zwei Wochen der Kündigungsschutz greifen, indem die Schwangere gegenüber dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft bekannt gibt.

Auch wenn diese „Zwei-Wochen-Frist“ überschritten wurde, kann es Gründe geben, weshalb die Kündigung rückgängig gemacht werden muss: Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Kündigung schon vorlag, die Schwangere davon jedoch keine Kenntnis haben konnte. Wichtig ist dann, den Arbeitgeber unverzüglich von der Schwangerschaft zu unterrichten.

Video-Empfehlung

Kündigungsschutz auch bei befristeten Arbeitsverträgen?

Grundsätzlich bist du bei einer Schwangerschaft in der Probezeit rechtlich abgesichert. Anders verhält es sich jedoch bei einer befristeten Stelle. So ist eine häufige Frage, ob die Befristung eines Arbeitsvertrags durch den Kündigungsschutz in der Schwangerschaft unwirksam wird. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Bei befristeten Verträgen endet das Arbeitsverhältnis auch bei Bestehen einer Schwangerschaft zum vertraglich festgelegten Zeitpunkt. Sollte der Arbeitgeber eine Verlängerung anbieten, muss er dabei nicht über die bestehende Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt werden. Die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft ist unzulässig und muss nicht beantwortet werden, es besteht sogar ein „Recht zur Lüge“.

Wichtiger Hinweis: Diese Informationen auf dieser Seite ersetzen keine juristische Beratung. Durch Änderungen in der Gesetzgebung, und im individuellen Fall, können andere Regelungen gelten. Es ist daher ratsam, sich juristisch von einem Anwalt oder der Gewerkschaft beraten zu lassen.

Schwanger in der Probezeit: Wann soll ich den Arbeitgeber informieren?

Grundsätzlich musst du dem Arbeitgeber deiner Schwangerschaft nicht melden – weder in der Probezeit noch danach. Das schreibt dir kein Gesetz vor. Allerdings ist es trotzdem ratsam, den Arbeitgeber so früh wie möglich zu informieren. Tatsächlich wird auf diese Weise eine Kündigung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gar nicht erst ausgesprochen und das Mutterschutzgesetz kann umgehend zur Anwendung kommen. Jedoch bedenken werdende Eltern auch oft, dass eine Schwangerschaft in manchen Fällen vorzeitig mit einer Fehlgeburt endet. Sie wägen dann ab, die ersten Monate der Schwangerschaft abzuwarten und erst nach der 12. SSW über die Schwangerschaft zu informieren.

Gut zu wissen: Bei einer Fehlgeburt nach der 12. SSW greift ebenfalls der Kündigungsschutz in der Schwangerschaft. Bis zum Ablauf von vier Monaten nach dem Abort darf der Arbeitnehmerin nicht gekündigt werden.

Bei deiner Entscheidung solltest du auch bedenken, dass in vielen Berufen die Einhaltung des Mutterschutzgesetzes für das Ungeborene und die Mutter sehr wichtig sind. Du hast beispielsweise das Recht auf Arbeitsschutzmaßnahmen, etwa wenn du in einer sehr lauten Umgebung arbeitest oder nachts arbeiten musst.

Du brauchst dir also keine Sorgen machen: Schwanger in der Probezeit ist dank des Mutterschutzgesetzes kein Kündigungsgrund und du bist gut abgesichert.