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Schwangerschaftscholestase: Ursachen, Symptome & Risiken

Frau hat juckende Hände
© Bigstock/ Suriyawut Suriya

Bei der intrahepatischen Cholestase in der Schwangerschaft, kurz ICP, handelt es sich um eine seltene Lebererkrankung. Sie tritt ausschließlich im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester auf. Ursachen und typische Anzeichen!

In Mitteleuropa wird die Erkrankung vergleichsweise selten beobachtet, betroffen ist nur etwa jede fünfhundertste bis tausendste schwangere Frau. Entgegen früherer Annahmen belegen neuere Studien, dass ICP nicht zwangsläufig eine Gefährdung für das ungeborene Kind darstellen muss.

Wie entsteht die schwangerschaftsbedingte Leberfunktionsstörung?

Bei einer Cholestase kommt es zu einer verringerten Ausscheidung von Gallensäure. Im Allgemeinen ist dafür ein mechanisches Hindernis wie z.B. ein Gallenstein verantwortlich. Man spricht dann von einer extrahepatischen Cholestase, also einer Leberfunktionsstörung durch äußere Faktoren.

Trotz intensiver medizinischer Forschung ist die Ursache für die intrahepatische Cholestase in der Schwangerschaft noch nicht hinreichend geklärt. Als Auslöser der Erkrankung diskutiert man ein Zusammenspiel von genetischen und hormonellen Faktoren.

Vermutlich hemmen Östrogene und Gestagene den erblich bedingten gestörten Abtransport von Gallensäuren noch zusätzlich. Da die Hormone im letzten Schwangerschaftsdrittel eine besonders hohe Konzentration aufweisen, würde das erklären, warum ICP erst etwa ab der 26. Schwangerschaftswoche auftritt.

Was sind typische Anzeichen einer Schwangerschaftscholestase?

Charakteristisches Merkmal der intrahepatischen Cholastase in der Schwangerschaft ist ein massiver Juckreiz im letzten Schwangerschaftsdrittel. Meist tritt dieser zuerst an den Handinnenflächen und Fußsohlen auf und breitet sich in der Folge auf dem gesamten Körper aus.

In schweren Fällen kann es zusätzlich zu Gelbsucht und einer dunklen Färbung des Urins kommen, einige Patientinnen klagen zudem über Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

Falls sich bei dir in der fortgeschrittenen Schwangerschaft ein starker Juckreiz bemerkbar macht, solltest du unverzüglich deinen Frauenarzt aufsuchen.

Da keine weiteren Hautveränderungen sichtbar werden, gehen viele werdende Mütter irrtümlich davon aus, dass der Juckreiz eine herkömmliche Begleiterscheinung von trockener Haut in der Schwangerschaft darstellt.

Um eine verlässliche Diagnose zu stellen und andere Erkrankungen auszuschließen, wirst du vom Arzt ausführlich zu deiner Krankheitsgeschichte befragt und ob ICP bereits in deiner Familie aufgetreten ist. Neben einer gründlichen Hautuntersuchung werden deine Leber- und Gallenwerte anhand einer Blutprobe bei nüchternem Magen ermittelt.

Krankheitsverlauf und Risiken für Mutter und Kind

Im Falle einer intrahepatischen Schwangerschaftscholestase ist eine engmaschige Überwachung von Mutter und Ungeborenem notwendig. Die Ausscheidung der überschüssigen Gallensäuren anzuregen, steht im Vordergrund der Therapie.

Der Arzt verordnet in der Regel die Gabe von Ursodeoxycholsäure. Der Wirkstoff gilt als sicher in der Schwangerschaft.

Gleichzeitig wird der quälende Juckreiz, der dich eventuell nachts nicht mehr schlafen lässt, durch die vermehrte Ausscheidung meist spürbar gemindert. In Absprache mit dem behandelnden Arzt kannst du zusätzlich rückfettende Salben zur Linderung der juckenden Haut anwenden.

Durch den sinkenden Hormonspiegel nach der Entbindung pegelt sich die Konzentration der Gallensäuren im Blut innerhalb einiger Wochen wieder ein und der Juckreiz geht komplett zurück.

Im Falle einer erneuten Schwangerschaft besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es erneut zu einer intrahepatischen Cholestase kommt, vor allem dann, wenn du hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille verwendest. Ärzte raten deshalb zu alternativen Verhütungsmethoden.

: Die Knaus-Ogino-Methode

Das mit ICP einhergehende Risiko von Früh- und Fehlgeburten kann durch die Verabreichung des Wirkstoffs Ursodeoxycholsäure reduziert werden.

Aktuelle wissenschaftliche Meta-Analysen haben zudem ergeben, dass nicht – wie ursprünglich angenommen – bereits bei einem Gallensäurespiegel der Mutter über 40 µmol/l Lebensgefahr für das ungeborene Kind besteht, sondern erst bei Werten von mehr als 100 µmol/l. Eine derart hohe Konzentration kommt jedoch äußerst selten vor.

Da es in der Schwangerschaft zu starken Schwankungen des Serumspiegels kommen kann, ist eine möglichst wöchentliche Kontrolle notwendig. Bei entsprechend hohen Werten kann eine vorzeitige Einleitung der Geburt ab der 36. Schwangerschaftswoche angezeigt sein.

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Quellen

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