Schwangerschaftsdiabetes - Ursachen, Symptome und Behandlung

Schwangerschaftsdiabetes – Ursachen, Symptome und Behandlung

Mehr als 12 von 100 Schwangere erkranken an Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes (GDM) genannt. Dieses Ergebnis einer umfassenden aktuellen Studie liegt deutlich über bisherigen Schätzungen, die von circa 5 Prozent der Schwangeren ausgingen. Dem Berufsverband der Frauenärzte zufolge handelt es sich damit um die „häufigste Begleiterkrankung in der Schwangerschaft, die zu ernsten Komplikationen für die Mutter und vor allem für das Kind vor und bei der Geburt führen kann“. Hat der Frauenarzt durch den Glucosetoleranztest bzw. Zuckerbelastungstest bei einer Schwangeren einen Diabetes mellitus festgestellt, muss daher eine entsprechende Behandlung zum Schutz von Mutter und Kind erfolgen. Lies hier alles, was du über die Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft wissen solltest und was jetzt für dich wichtig ist oder schau dir zunächst die Schnellzusammenfassung im Video an:

Worauf musst du bei Gestationsdiabetes achten?

Was bedeutet Schwangerschaftsdiabetes?

Der Begriff Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet eine Störung der Blutzuckerverarbeitung von Schwangeren. Der Diabetes tritt erstmals in der Schwangerschaft auf und verschwindet danach in aller Regel wieder. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an Diabetes litten, werden hierunter nicht gefasst.

Worin liegt die Ursache für Gestationsdiabetes und welche Folgen sind möglich?

Durch eine zu geringe Insulinproduktion der Schwangeren steigt ihr Blutzuckerspiegel zu sehr an. Dieser erhöhte Zuckergehalt im Blut gelangt natürlich auch über die Plazenta zum ungeborenen Kind. Dieses produziert dadurch selbst Insulin und lagert den Zucker als Fett ein, was zu einem auffällig großen, schweren Kind führen kann (Makrosomie). Auch die Urin-Ausscheidung des Ungeborenen kann erhöht sein, die Fruchtwassermenge steigt dann über das normale Maß (Hydramnion).

In der frühen Schwangerschaft sind durch einen zu hohen Blutzucker auch Fehlbildungen des Ungeborenen oder Fehlgeburten möglich, im späteren Schwangerschaftsverlauf beseht bei fehlender Behandlung des Gestationsdiabetes ein Risiko von Organstörungen. Auch die Plazenta ist in ihrer Funktion unter Umständen gestört und kann dann keine ausreichende Versorgung des Kindes gewährleisten.

Für die Mutter steigt während des Schwangerschaftsdiabetes das Risiko von Harnwegsinfektionen und für Bluthochdruck. Auch das Risiko für eine Frühgeburt und eine Kaiserschnittentbindung ist erhöht. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit in Zukunft einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Symptome und Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes

Viele Frauen bemerken im Vorfeld einer Schwangerschaftsdiabetes-Diagnose keine Symptome, wie etwa verstärkter Durst oder Harndrang. Da während der Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt zwischen der 24. und 28. SSW allerdings standardmäßig ein Diabetes-Screeningtest durchgeführt wird, der von den Krankenkassen getragen wird, kann die Erkrankung dennoch erkannt werden.

Bei auffälligen Blutwerten werden die Schwangeren zu einem Spezialisten überwiesen, der die Blutwerte in einem Oralen Glucostoleranztest (OGTT) genau untersucht. Hierbei trinkt die Schwangere nüchtern 75 mg in Wasser gelöste Glucose. Vorher und im Anschluss werden die Glucosewerte im Venenblut in mehreren Zeitabständen gemessen. Erreicht dabei mindestens ein Wert den in der Tabelle angegebenen Wert oder übersteigt diesen sogar, ist eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert.

Zeitpunkt Ergebnis in mg/dl Ergebnis in mmol/l
Nüchtern 92 5,1
Nach einer Stunde 180 10,0
Nach zwei Stunden 153 8,5

 

Video-Empfehlung

Behandlung und Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Nach gestellter Diagnose werden die Patientinnen in der Regel von einer Diabetesberaterin geschult und begleitet. In den meisten Fällen lässt sich der Schwangerschaftsdiabetes mittels einer Ernährungsumstellung ausreichend behandeln. Die Schwangeren lernen also, welche Lebensmittel kaum oder keinen Einfluss auf ihre Zuckerwerte im Blut haben und welche sie nur in Maßen genießen sollten. Auch wird die Anzahl der Mahlzeiten meist auf fünf bis sechs Nahrungsaufnahmen verteilt. Im Anschluss führen viele Schwangeren Buch über ihre Blutzuckerwerte. Hierfür erhalten sie ein Blutzuckermessgerät.

Manchmal ist eine Ernährungsumstellung nicht ausreichend. In diesem Fall sind Insulin-Injektionen die einzige Behandlungsmöglichkeit, da orale Antidiabetika in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden dürfen. Moderne Insulin-Pens und handliche Blutzuckermessgeräte machen solche Maßnahmen heutzutage deutlich einfacher und angenehmer als in früheren Zeiten. Die Schwangere sollte auf jeden Fall engmaschig ihren Blutzucker kontrollieren und auch beim Frauenarzt häufiger untersucht werden. Besonders regelmäßige Ultraschall- und CTG-Kontrollen sind wichtig.

Geburt: Ein Problem mit Gestationsdiabetes?

Schwangere mit Gestationsdiabetes sollten für die Entbindung möglichst eine Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik auswählen. Wenn das Kind bei einem erst spät erkannten Diabetes besonders groß ist, wird die Geburt manchmal recht anstrengend und hat häufiger einen Kaiserschnitt oder eine Geburt per Zange oder Saugglocke zur Folge. Nach der Geburt leiden diese Babys auch häufiger unter Neugeborenen-Gelbsucht und müssen gegebenenfalls einige Zeit unter einer UV-Lampe liegen.

In jedem Fall muss das Neugeborene einer Frau mit Schwangerschaftsdiabetes genau überwacht werden. Dazu gehören auch regelmäßige Blutentnahmen zur Bestimmung des Blutzuckerwertes. Bei der Ernährung des Säuglings wird empfohlen, dass die an Diabetes erkrankte Mutter das Kind stillt.

Wie geht es nach der Schwangerschaft weiter?

Etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung sollten Mütter, die an Schwangerschaftsdiabetes gelitten haben, einen erneuten Zuckerbelastungstest durchführen lassen, um zu überprüfen, ob sich die Glucosewerte im Blut wieder normalisiert haben. Auch wenn der Diabetes in den meisten Fällen nach der Schwangerschaft verschwindet, bleibt bei einigen Frauen doch eine Zuckertoleranzstörung oder sogar eine dauerhafte Diabetes-Erkrankung bestehen.

Und was geschieht bei weiteren Schwangerschaften? Das Risiko, erneut an einem Gestationsdiabetes zu erkranken, ist erhöht. Etwa 4 von 10 Frauen, die bereits unter der Zuckerkrankheit litten, bekommen in Folgeschwangerschaften eine erneute Diagnose gestellt. Daher sollte bei zuvor festgestelltem Gestationsdiabetes in allen nachfolgenden Schwangerschaften bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel und auch im späteren Verlauf ein Glucosetoleranztest erfolgen.