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Schwangerschaftsdiabetes: Zuckerkrankheit bei werdenden Müttern

Frau mit Schwangerschaftsdiabetes beim Zuckertest
Wie macht sich ein Schwangerschaftsdiabetes bemerkbar?
© Bigstock/ Veres Production

Bei etwa 5 bis 8 Prozent der Frauen, die ein Baby erwarten, kommt es hierzulande während der Schwangerschaft zu einem gestörten Zuckerstoffwechsel. Mediziner bezeichnen die Störung als „Schwangerschaftsbedingte Zuckerkrankheit“ oder gestationsbedingter Diabetes mellitus, kurz GDM. Dank eines engmaschigen Screenings in der Schwangerschaft kann die Erkrankung jedoch rechtzeitig erkannt und gut behandelt werden.

Ursachen: Woher kommt ein Schwangerschaftsdiabetes?

In der Schwangerschaft ist der Körper größeren Belastungen als üblich ausgesetzt. Vor allem ab dem zweiten Schwangerschaftstrimester kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen. Dadurch steigt die Gefahr, dass eine Störung des Zuckerstoffwechsels auftritt. Es kann sich eine Insulinresistenz ausbilden, bei der die Körperzellen den im Blut gelösten Zucker langsamer aufnehmen.

Dies führt bei der Mutter zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Die Bauchspeicheldrüse versucht das zu regulieren, wird davon jedoch erschöpft und es kommt zu Diabetes. Der erhöhte Blutzuckerspiegel überträgt sich auf das Kind, das dadurch sehr groß und schwer werden kann.

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Risikofaktoren für Gestationsdiabetes: Welche Frauen sind eher gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Schwangerschaftsdiabetes besteht vor allem für Frauen mit Übergewicht und Adipositas. Aber auch einer erblichen Veranlagung spielt eine Rolle, etwa wenn Diabetes mellitus Typ 2 bei Eltern oder Geschwistern vorliegt.

Weitere Faktoren, die die schwangerschaftsbedingte Zuckerkrankheit begünstigen können, sind

  • Gestationsdiabetes in früheren Schwangerschaften
  • Hohes Geburtsgewicht (über 4.500 Gramm) bei früheren Kindern
  • Mehrere Fehlgeburten
  • Alter über 35
  • Einnahme bestimmter Medikamente
  • Rauchen
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Symptome: Mit welchen Anzeichen macht sich Schwangerschaftsdiabetes bemerkbar?

Das Tückische an der Erkrankung: Sie geht im Allgemeinen ohne auffällige Anzeichen einher. Die typischen Beschwerden von Diabetes mellitus Typ 1 und 2 wie starker Durst oder verstärkter Harndrang bleiben in den meisten Fällen aus. Kommt es zu Müdigkeit oder einem allgemeinen Schwächegefühl, wird das oft als Begleiterscheinung der Schwangerschaft angesehen. Umso wichtiger ist es, die regelmäßigen Kontrolltermine wahrzunehmen, um ein Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig zu erkennen.

: Wann entwickelt sich Schwangerschaftsdiabetes?
Meistens zeigt sich der Diabetes erst nach der 24. Schwangerschaftswoche.

Diagnose: Wie lässt sich Gestationsdiabetes feststellen?

Bei werdenden Müttern mit einem erhöhten Diabetes-Risiko wird bereits eingangs der Schwangerschaft eine Bestimmung des Insulingehalts im Blut vorgenommen. Darüber hinaus ist im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge für alle Frauen zwischen der 24. und 28. SSW ein Zuckertest in der Schwangerschaft vorgesehen. Bei diesem sogenannten oralen Glukosetoleranztest (oGTT) handelt es sich um ein zweistufiges Verfahren: Zunächst erfolgt ein Vortest (Glucose Challenge Test). Lediglich bei auffälligen Blutzuckerwerten schließt sich daran ein ausführlicher zweiter Diagnosetest an.

Diese wichtige Vorsorgeuntersuchung solltest du nicht verpassen: Wird der Schwangerschaftsdiabetes nicht erkannt und behandelt, können sich Komplikationen für dich und dein Kind ergeben.

Folgen: Wie kann sich der Schwangerschaftsdiabetes auf Mutter und Kind auswirken?

Bei einem gut eingestellten Gestationsdiabetes verlaufen die restliche Schwangerschaft und Geburt in den meisten Fällen ohne Komplikationen. Häufiger kommen die Babys mit einem Gewicht über 4.000 Gramm zur Welt, was eventuell einen Kaiserschnitt erforderlich machen kann.

Damit das Kind optimal versorgt werden kann, sollte die Entbindung in einer Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik erfolgen. Unmittelbar nach der Geburt kann es zu gewissen Anpassungsschwierigkeiten wie Unterzuckerung, Atemproblemen oder Neugeborenen-Gelbsucht (Ikterus) kommen. Langfristig besteht für betroffene Kinder ein erhöhtes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken und Übergewicht zu entwickeln.

Bei der Mutter kann es während der Schwangerschaft zu Harnwegsinfekten und Präeklampsie kommen, zudem besteht ein Risiko für vorzeitige Wehen.

: sind das echte Wehen?

Die Stoffwechselstörung geht nach der Schwangerschaft wieder zurück. Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen entwickeln allerdings innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Typ-2-Diabetes.

Behandlung: Was tun bei Schwangerschaftsdiabetes?

In den meisten Fällen genügt bereits eine Ernährungsumstellung und regelmäßige – dem Schwangerschaftsstadium angepasste – Bewegung, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Zur Kontrolle sind die Blutzuckerwerte regelmäßig zu messen und dokumentieren.

Folgende Werte sollten erreicht werden:

Messzeitpunkt Zielwert in mg/dl Zielwert in mmol/l
Nach dem Aufstehen (nüchtern) ≤ 95 ≤ 5,3
1 Stunde nach Beginn einer Hauptmahlzeit ≤ 140 ≤ 7,8
2 Stunden nach Beginn einer Hauptmahlzeit ≤ 120 ≤ 6,7

Reichen Ernährungsumstellung und Bewegung nicht aus, wird die zusätzliche Gabe von Insulin notwendig, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Nach entsprechender Anleitung durch den Arzt kann man sich das Insulin selbst spritzen.

Das Kind nimmt durch die Insulin-Zufuhr keinen Schaden. Zur Überwachung von dessen Wachstumsentwicklung finden regelmäßig Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt statt.

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes: Worauf ist beim Essen zu achten?

Um die Blutzuckerwerte zu senken, muss keine Diät eingehalten werden, stattdessen sind ein gesundes Essverhalten und eine ausgewogene Ernährungsweise angezeigt. Wichtig ist, dass Mutter und Kind ausreichend mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden.

Besonderes Augenmerk liegt darauf, den Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht zu schnell und stark ansteigen zu lassen:

  • Empfehlenswert sind jeweils drei Haupt- und Zwischenmahlzeiten am Tag.
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Salat und Hülsenfrüchte werden langsamer verdaut, Kohlenhydrate gelangen so langsamer ins Blut. Auf Weißbrot und ballaststoffarme Nahrungsmittel ist zu verzichten, da sie einen schnellen Blutzuckeranstieg bewirken.
  • Das Gleiche gilt für zuckerhaltige Lebensmittel wie beispielsweise Limonaden, Fruchtsäfte oder Süßwaren wie Kuchen und Schokolade.
  • Auf den täglichen Speiseplan gehören reichlich frisches Gemüse und Salat. Obst sollte auf zwei Portionen à 150 g pro Tag beschränkt werden. Sehr süße Früchte wie Trauben und Bananen sind nicht geeignet.

Hilfreich ist es, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen, um den Speiseplan auf die erforderliche Nährstoffzufuhr anzupassen und persönliche Vorlieben zu berücksichtigen.

Quellen

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