Schwangerschaftsgymnastik: Kann ich nicht einfach Sport machen?

Schwangerschaftsgymnastik: Kann ich nicht einfach Sport machen?

Braucht man wirklich Schwangerschaftsgymnastik oder kann man einfach mit dem gewohnten Sport fortfahren? Antworten rund um die wichtigsten Fragen zu Schwangerschaft und Sport.

Schwangerschaftsgymnastik ist eine besondere Form von Sport
Schwangerschaftsgymnastik klingt öde? Das sind die Vorteile ©ventureonmom via Twenty20

Hilft Schwangerschaftsgymnastik wirklich?

Schwangerschaftsgymnastik beziehungsweise gymnastische Übungen im Allgemeinen fördern den Muskeltonus, stärkt die Muskeln und macht dich obendrein ausdauernder. Gymnastik in der Schwangerschaft hilft dir somit bei diversen Schwangerschaftsveränderungen, etwa um …

  • das Gewicht zu tragen, dass du während der Schwangerschaft hinzugewinnst
  • Dich auf die körperliche Belastung der Geburt vorzubereiten
  • später leichter wieder die alte Figur zu erlangen, wenn das Baby geboren ist
  • Rückenschmerzen, Verstopfung, Müdigkeit und Schwellungen zu verringern
  • bei guter Laune zu bleiben und das Selbstbild zu erhalten
  • tagsüber mehr Energie zu haben und nachts besser zu schlafen.

Wann soll ich mit der Schwangerschaftsgymnastik beginnen?

Wann du letztendlich mit deinem Sportprogramm anfangen möchtest, bleibt dir überlassen. Vor allem kommt es darauf an, wie fit du dich selbst fühlst. Manche Hebammen empfehlen erst gegen Ende des ersten Trimesters mit der Schwangerschaftsgymnastik zu beginnen. Wichtig ist einfach, egal ob du Sport oder Gymnastik in der Schwangerschaft machst, auf deinen Körper zu hören und deine Grenzen nicht zu stark auszureizen.

Gibt es Gründe, keine Gymnastik in der Schwangerschaft zu machen?

Manchmal ist es strikt verboten, Gymnastik während der Schwangerschaft zu machen, um die Gesundheit der Mutter und/oder des Babys zu schützen. Frage daher deinen Frauenarzt oder deine Hebamme, bevor du damit beginnst.

Das gleiche gilt, falls Komplikationen in der Schwangerschaft auftreten, etwa vorzeitige Wehen oder wenn der Muttermund sich zu früh öffnet. Kläre mit deinem Arzt beziehungsweise deiner Hebamme dann unbedingt ab, ob du weiterhin Sport machen darfst beziehungsweise auf welche Übungen bei der Schwangerschaftsgymnastik du jetzt verzichtet solltest.

Bitte informiere auch den Kursleiter deines Geburtsvorbereitungskurses darüber. Oft beinhalten diese nämlich auch Einheiten mit Gymnastik für Schwangere.

Gewichtszunahme während der Schwangerschaft

Ich mache täglich ein intensives Workout, kann ich das in der Schwangerschaft weiter machen?

Wenn du bei guter Gesundheit und fit bist und dich auch gut fühlst, kannst du gewohnte Übungen auch als Schwangerschaftsgymnastik weiter machen. Laut einer amerikanischen Studie können gesunde, gut konditionierte Schwangere die ganze Schwangerschaft über Gymnastik machen, ohne dabei das Baby gesundheitlich oder in der Entwicklung zu gefährden. Bespeche aber unbedingt mit deinem Frauenarzt oder der Hebamme, dass du weiterhin solche Übungen machen willst und frage nach ihrer Empfehlung.

Keine Lust auf Schwangerschaftsgymnastik: Welcher Sport ist für Schwangere am besten geeignet?

Sportarten wie Walking, Joggen, Schwimmen, Radfahren (jedoch eher Heimtrainer, wegen der Unfallgefahr!) und Tennis sind in Ordnung, solange du es nicht übertreibst. Alle Sportarten, die ein großes Unfallrisiko haben (etwa Ski fahren, Inlineskating, Reiten) solltest du besser meiden.

Video-Empfehlung

Wenn ich sonst keinen Sport mache, muss ich bestimmte Dinge beachten?

Solange du die Erlaubnis von Frauenarzt oder Hebamme hast, kannst du einfache bis mittelschwere Übungen machen. Halte die Übungen kurz und achte auf deine Atmung. Du solltest nicht außer Atem geraten, sonst ist die Sauerstoffversorgung deines Babys in Gefahr.

Ideal für Anfänger sind bei der Schwangerschaftsgymnastik Dehnungsübungen wie zum Beispiel der Katzenbuckel.

Weitere sanfte Übungen zum Dehnen und Stabilisieren findest du auch in unserem Artikel über Yoga für Schwangere.

Muss ich meine Übungen im Laufe der Schwangerschaft anpassen?

Ja. Selbst wenn du auch vor der Schwangerschaft Sport gemacht hast, musst du deine Gymnastikübungen „herunterschrauben“, um sie deiner wachsenden Gebärmutter anzupassen. Am besten folgst du speziellen Übungsanleitungen für schwangere Frauen.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft, ist es wichtig, Überhitzung zu vermeiden. Ab der 11. Woche solltest du außerdem Übungen vermeiden, bei denen du dich flach in Rückenlage begibst oder lange auf einem Fleck stehst, denn beides kann den Blutzufluss für das Baby reduzieren.

Welche Sportarten sind nicht geeignet?

Sportarten, bei denen eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass du hart fällst / aufkommst und / oder leicht das Gleichgewicht verlieren kannst. Das schließt auch Reiten mit ein, ebenso wie Wasserski. Und die meisten Ärzte und Hebammen raten vom Radfahren nach dem zweiten Schwangerschaftsdrittel ab, selbst wenn du eine erfahrene Radfahrerin bist, besteht die Gefahr, zu fallen. Deswegen wird Schwangerschaftsgymnastik auch immer als Sport empfohlen, da das Verletzungsrisiko im Vergleich sehr gering ist.

Woran merke ich, dass ich zu viel mache?

Du solltest grundsätzlich vermeiden, bis zur Erschöpfung Sport zu treiben. Weil du weniger Sauerstoff hast, solltest du nur bis zu 60% deines maximalen Herzschlages anstreben. Messe immer wieder deinen Puls und achte darauf, dass er nicht über 140 Schläge/Minute geht. Eine gute Faustregel ist, aufzuhören, wenn du dich nicht mehr normal unterhalten kannst während du Gymnastik in der Schwangerschaft machst.

Auf jeden Fall solltest du sofort aufhören wenn du:

  • Dich schwindlig fühlst
  • kurzatmig bist
  • das Gefühl hast ohnmächtig zu werden
  • Probleme hast zu gehen
  • Kontraktionen hast
  • vaginale Blutungen hast
  • ungewöhnliche Pausen in der Kindsbewegung wahrnimmst (aber behalte im Hinterkopf, dass Babys meist dann ruhig sind, wenn die Mutter aktiv ist)

Wann kann ich nach der Entbindung wieder mit Gymnastik/Sport beginnen?

Wieder in Form zu kommen steht vielleicht auf deiner Wunschliste ganz oben, du sollten jedoch nur langsam anfangen. Beginne in der Anfangszeit mit einfachem Stretching und festigenden Übungen. Dann kannst du weitere Übungen hinzufügen. Wenn du aber frische vaginale Blutungen bemerkst, machst du zu viel und solltest unbedingt aufhören und den Arzt informieren.

Der Vorteil von der Schwangerschaftsgymnastik ist auch der, dass es dir auch nach der Geburt deinem Körper noch hilft. Durch die Dehnungs- und Kräftigungsübungen hast du auch Tiefenmuskulatur aufgebaut, die dir jetzt bei der Rückbildungsgymnastik zu Gute kommt.