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Schwangerschaftsvitamine: Diese Nährstoffe brauchst du in der Schwangerschaft wirklich

Schwangerschaftsvitamine finden reißenden Absatz: Weil wir unseren Babys den bestmöglichen Start ins Leben schenken wollen, greifen wir beherzt zu. Doch ist das immer nötig? Lies hier, welche Vitamine und Mineralstoffe während der Schwangerschaft wirklich brauchst und was du bei der Einnahme beachten solltest.

Das Angebot an Schwangerschaftsvitaminen ist groß
Das Angebot an Schwangerschaftsvitaminen ist groß
© Bigstock/ Iryna Imago

Schwangerschaftsvitamine: Wie sinnvoll sind sie?

Als werdende Mama steigt dein Bedarf an Nährstoffen an. Vielleicht machst du dir Sorgen, ob dein Baby auch wirklich alle Vitamine erhält, die es braucht – schließlich werben Erzeuger von Schwangerschaftsvitaminen mit tollen Kombi-Präparaten, die dich und dein Baby rundum gut versorgen! Also einfach zugreifen? Hier raten Verbraucherschützer wie etwa die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zur Vorsicht.

Zu viele Vitamine für Schwangere: Experten warnen

Die baden-württembergische Verbraucherzentrale hat in einem großen Marktcheck 2017 die Zusammensetzung und Dosierung verschiedener Produkte untersucht. Das Ergebnis: Die meisten Produkte überschritten sogar die empfohlene Tagesdosis an den Vitaminen. Das bedeutet, die Präparate, die als Schwangerschaftsvitamine angeboten werden, tragen nicht zu einer sinnvollen Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft bei, sondern verursachen eine Überversorgung. Das kann im schlimmsten Fall sogar schändlich für das Ungeborene sein. Forscher der französischen Gesundheitsbehörde Anses konnten zum Beispiel bei neugeborenen eine sogenannte Hyperkalzämie feststellen. Das bedeutet, dass die Babys einen erhöhten Kalzium-Pegel im Blut haben, weil ihre Mütter Vitamin-D-Tabletten genommen hatten. Das kann bei den Kleinen zu Gewichtsverlust oder Dehydrierung führen. Daher warnt die Gesundheitsbehörde Anses schon seit einigen Jahren vor den Vitaminen für Schwangere.

Auch das Bundeszentrum für Ernährung sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V haben klare Empfehlungen zu Nahrungsergänzungsmitteln in der Schwangerschaft. Ein differenzierter Blick lohnt sich also in jedem Fall!

Video-Empfehlung

Brauche ich Schwangerschaftsvitamine? Zum Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft

Über neun Monate versorgst du das neue Leben in dir. Klar, dass dein Nährstoffbedarf ansteigt. Mutter Natur hat hier entsprechend vorgesorgt. Durch den erhöhten Energiebedarf isst du automatisch mehr. Sofern du auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achtest, gelingt dir eine ausreichende Aufnahme der meisten wesentlichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente problemlos – ganz ohne Schwangerschaftsvitamine.
Doch es gibt Ausnahmen, die eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen in der Schwangerschaft notwendig machen.

Vitamine Schwangerschaft: Jod und Folsäure immer zusätzlich einnehmen

Offizielle Handlungsempfehlungen wie etwa jene von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) weisen darauf hin, dass du als werdende Mama in jedem Fall Jod und Folsäure supplementieren – also ergänzen – musst. Der Bedarf an diesen beiden Nährstoffen ist in der Schwangerschaft nämlich so weit erhöht, dass er im Rahmen der Ernährung nicht ausreichend gedeckt werden kann. Ein Mangel von Folsäure und Jod kann sich deutlich negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung deines Zwergs im Babybauch auswirken. Zusätzlich Schwangerschaftsvitamine sind in diesem Fall also sinnvoll!

Schwangerschaftsvitamine: Empfehlung der DGE

  • Folsäure
    Idealerweise solltest bereits bei einem konkreten Kinderwunsch Folsäure einnehmen. Gerade in der Frühschwangerschaft ist Folat ganz besonders wichtig, da es maßgeblich an Zellteilung und Wachstum beteiligt ist. Der Bedarf steigt um ganze 50 Prozent an. Nachdem viele kindliche Fehlbildungen wie beispielsweise der Neuralrohrdefekt („offener Rücken“) auf einen Folsäuremangel zurückgehen, macht eine Einnahme von 400 µg Folsäure pro Tag durchaus Sinn. Parallel dazu kannst du auch auf natürliche Folsäure-Quellen wie grünes Gemüse, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte zurückgreifen.
  • Jod
    Auch Jod ist maßgeblich an einer gesunden Entwicklung deines Babys beteiligt. Bei einem Mangel steigt außerdem das Risiko für Fehlbildungen sowie Fehlgeburten. Ohne Schwangerschaftsvitaminen ist dem erhöhten Jodbedarf kaum beizukommen. Zusätzlich zur entsprechenden Ernährung (jodiertes Salz verwenden, regelmäßig Meeresfisch und Milchprodukte in den Speiseplan integrieren) werden daher aktuell 100-150 µg Jodid pro Tag in Form von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen. Solltest du Probleme mit deiner Schilddrüse haben, ist die Jodeinnahme immer mit deinem behandelnden Arzt zu besprechen!

Weitere wichtige Vitamine für Schwangere: Eisen und Vitamin D im Auge behalten

Zwar ist dein Eisenbedarf in der Schwangerschaft erhöht, parallel dazu kommt es aber zu einer verbesserten Aufnahme von Eisen im Blut und deine Periode bleibt aus. Es ist also in vielen Fällen gut möglich, dem erhöhten Eisenbedarf ohne zusätzliche Schwangerschaftsvitamine beizukommen. Allerdings sollte der Eisenwert regelmäßig ärztlich kontrolliert werden, damit du bei Bedarf mit Nahrungsergänzungsmitteln supplementieren kannst. Vor allem, wenn du dich vegetarisch oder vegan ernährst, ist die Überprüfung des Eisenwertes wichtig. Natürliche Eisenquellen sind Fleisch, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie grünes Gemüse. In Kombination mit Vitamin C wird Eisen vom Körper übrigens besser aufgenommen.

Auch Vitamin D hat in der Schwangerschaft eine wichtige Bedeutung. Es wirkt auf die Knochenentwicklung deines Babys. Ein Mangel kann sich beispielsweise in einem verzögerten Fontanellenschluss zeigen. Um das Depot zu füllen, benötigen wir direkte Sonneneinstrahlung. Dann bildet unser Körper Vitamin D zum Teil selbst. In nördlichen Regionen sowie der kälteren Jahreszeit ist ein Mangel durchaus nicht unwahrscheinlich. In der Schwangerschaft solltest du deinen Vitamin D Spiegel also im Auge behalten und bei Bedarf entsprechende Schwangerschaftsvitamine nehmen. Natürliches Vitamin D findet sich in fettem Fisch, Ei, Milchprodukten, Pilzen oder Avocado. „Schwangeren, die nicht (regelmäßig) fettreichen Meeresfisch verzehren, wird daher empfohlen, DHA zu supplementieren, um die in den D-A-CH-Referenzwerten für Schwangere empfohlene Zufuhrmenge von durchschnittlich 200 mg DHA/Tag zu erreichen.“, empfiehlt die DGE in ihrer aktualisierten und erweiterten Einheitliche Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft.

Schwangerschaftsvitamine vorsichtig dosieren

Zusätzliche Aufnahme von Nährstoffen durch Schwangerschaftsvitamine ist also nur bedingt sinnvoll! Vor allem Kombinationspräparate solltest du mit Vorsicht genießen, enthalten sie doch möglicherweise Vitamine für Schwangere, die du gar nicht benötigst. In manchen Fällen kann ein Vitaminüberschuss in der Schwangerschaft sogar gefährlich für dein Baby werden. Bestes Beispiel hierfür ist Vitamin A.

Doch auch eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B, Kalzium oder Magnesium ist oftmals nicht zwingend notwendig. Ausgenommen sind hier allerdings Mehrlingsschwangerschaften oder spezielle Ernährungsgewohnheiten wie etwa Veganismus. In jedem Fall gilt jedoch: Die Einnahme von Schwangerschaftsvitaminen solltest du stets mit deinem behandelnden Arzt abklären!

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Quellen:

Bundeszentrum für Ernährung (2018): Folsäure, Jod und Co.: Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft. In: Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie. https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/nahrungsergaenzungsmittel-29420.html (letzter Zugriff: 08.02.2019)

Peterson-Sperlich, Birte: Einheitliche Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft aktualisiert und erweitert. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.. https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/schwangere-stillende/handlungsempfehlungen-zur-ernaehrung-in-der-schwangerschaft/ (letzter Zugriff: 08.02.2019)

Immel-Sehr, Annette: Wie sinnvoll sind Supplemente? In: Pharmazeutische Zeitung online. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-372012/wie-sinnvoll-sind-supplemente/ (letzter Zugriff: 08.02.2019)

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Mehr drin als nötig: Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere. https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/mehr-drin-als-noetig-nahrungsergaenzungsmittel-fuer-schwangere-11633 (letzter Zugriff: 08.02.2019)

Anses French Agency for Food, Environmental and Occupational Health & Safety (2017): Food supplements for pregnant women – Avoid combining multiple sources of vitamins and minerals, in the absence of an identified need. https://www.anses.fr/en/content/food-supplements-pregnant-women (letzter Zugriff: 08.02.2019)