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Sodbrennen Schwangerschaft: 20+ Tipps, die wirklich helfen

Viele Frauen leiden unter Sodbrennen in der Schwangerschaft. Lies hier, wie das Brennen im Magen entsteht. Außerdem haben wir die besten Tipps, um Sodbrennen zu vermeiden und zu behandeln. Nicht viel Zeit? Dann schau dir die Zusammenfassung der wichtigsten Infos im Video an:

Tipps gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft

Sodbrennen Schwangerschaft: Ursachen

Wie entsteht Sodbrennen in der Schwangerschaft? Wenn das Baby im Bauch mehr und mehr Platz beansprucht, werden die Organe nach oben geschoben, darunter auch der Magen. Normalerweise sorgt ein Schließmuskel dafür, dass ein Zurückfließen des Mageninhalts unterbunden wird. In der Schwangerschaft ist der Druck auf den Magen jedoch oft so groß, dass dieser Muskel, besonders im Liegen, nicht mehr ausreichend standhalten kann.

Dr. med. Christian Pehl, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie und Prof. Dr. Wolfgang Schepp, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie in München, betonen gegenüber der Onlineausgabe des Ärzteblatts außerdem, dass das Hormon Progesteron die Muskeln im Körper entspannt (um vorzeitige Wehen zu vermeiden) und somit auch den Muskel, der den Mageneingang verschließt. Mit dem ursprünglich so leckeren Essen kommt nun Magensäure die Speiseröhre hinauf, und sorgt für Sodbrennen in der Schwangerschaft.

Sodbrennen Schwangerschaft: Symptome

  • saures Aufstoßen
  • brennende Schmerzen hinterm Brustbein
  • Schmerzen im mittleren Oberbauch nach dem Essen
  • Schmerzen und Brennen beim Schlucken
  • Heiserkeit und Husten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Völlegefühl

Was aber hilft gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft?

Tipps gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft

Sodbrennen in der Schwangerschaft ist keine Seltenheit. Laut Schätzungen des Berufsverbands der Frauenärzte leiden circa 40 bis 80 Prozent aller Schwangeren an dem unangenehmen Brennen im Magen. Manche Frauen haben Sodbrennen sogar schon in der Frühschwangerschaft. Hier findest du allgemeine Tipps, um Sodbrennen zu lindern, Ernährungstipps, Hausmittel gegen Sodbrennen und wichtige Hinweise zu Medikamenten.

Was tun gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft?

Hier findest du fünf einfache Tipps, die gegen Sodbrennen helfen und dir sofort Linderung verschaffen.

#1 Auf die linke Seite legen
Es hilft zwar oft schon ein wenig, den Oberkörper im Bett hoch zu lagern, allerdings ist es deutlich effektiver, auf der linken Körperseite zu liegen. Professor Dr. Wolfgang Rösch vom Nordwestkrankenhaus in Frankfurt am Main rät in einem Interview mit der Onlineausgabe der Pharmazeutischen Zeitung:

„Rechtsschläfer haben doppelt so häufig Sodbrennen wie Linksschläfer. Deshalb sollten Patienten sich bei nächtlichen Beschwerden einfach auf die linke Seite legen. Das hat anatomische Gründe, weil der Mageneingang, der sich auf der rechten Körperseite befindet, dann nach links zieht.“

Durch die linke Seitenlage wird also der anatomische Knick an der Mündung der Speiseröhre genutzt, der hilft, diese zu verschließen. Zusätzlich wird der Mageninhalt in dieser Position schneller in den Verdauungstrakt geleitet und als weiterer Effekt verbessert die linke Seitenlage auch noch die Versorgung deines Babys mit Blut und Nährstoffen aus der Plazenta.

#2 Abendbrotzeiten anpassen
Verzichte auf Mahlzeiten kurz vor dem Schlafengehen. Deine letzte Mahlzeit des Tages sollte nicht weniger als drei Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

#3 Kaugummi kauen
Kaugummi enthält Bicarbonat (auch in Backpulver enthalten), das einer Übersäuerung entgegenwirkt und Säure in der Speiseröhre neutralisieren kann. Das fand eine Studie aus den USA heraus. Außerdem regt das Kauen von Kaugummi den Speichelfluss an, was ebenfalls die Säure in der Speiseröhre bekämpft. Zusatzeffekt: Es verbessert den Geschmack im Mund und gibt frischen Atem.

#4 Keine enge Kleidung tragen
Manchmal wird sogar eine Umstandshose zu eng. Um zusätzlichen Druck auf den Magen zu vermeiden, solltest du sie dann entweder weiter stellen oder eine passendere Größe tragen. Auch Unterhosen und BHs können manchmal zu sehr drücken. Achte darauf, weite und bequeme Umstandskleidung zu tragen, die am Bauch locker sitzt.

#5 Nach dem Essen aufrecht sitzen
In den ersten 60 Minuten nach dem Essen solltest du dich nicht hinlegen. Sitzen oder gehen fällt nach dem Essen vielleicht schwer, weil man müde ist, jedoch hilft es, die Speiseröhre zu schonen und so Sodbrennen in der Schwangerschaft zu vermeiden.

Video-Empfehlung

Sodbrennen Schwangerschaft: 5 Ernährungstipps

Bevor wir zu den einzelnen Lebensmitteln kommen, die dir bei Sodbrennen in der Schwangerschaft helfen, solltest du einige Tricks kennen, wie du das Brennen vermeiden kannst.

#1 Ernährungsumstellung
Fette Speisen, Schokolade, Nüsse, stark gewürztes Essen, große Mahlzeiten: Alles was die Verdauung belastet und für eine lange Verweildauer im Magen sorgt, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Sodbrennen in der Schwangerschaft. Besser sind mehrere leicht verdauliche und kleine Mahlzeiten mit wenig Fett. Verzichte außerdem auf große Mengen Süßigkeiten.

#2 Genügend trinken
Sodbrennen kann tatsächlich auch ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel sein. Hand aufs Herz, wie viel Wasser hast du heute schon getrunken? Etwa sechs bis acht Gläser Wasser solltest du am Tag trinken, jedoch nicht zu viel auf einmal, sondern gut über den Tag verteilt. Leidest du in der Schwangerschaft an Sodbrennen, solltest du auf Kaffee und auf Getränke mit Kohlensäure unbedingt verzichten. Dies kann das Sodbrennen zusätzlich fördern.

#3 Säure meiden
Nimm‘ keine Nahrungsmittel oder Getränke zu dir, die viel Säure enthalten. Verzichte zum Beispiel auf Säfte mit hohem Säureanteil und auf Salatdressings mit viel Essig.

#4 Langsam essen
Die Seite Frauenärzte im Netz empfiehlt außerdem: Iss langsam und bewusst, kaue gründlich und versuche nicht über den Hunger zu essen. So entlastest du deine Verdauung und gibst Sodbrennen keine Chance.

Hausmittel gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft

Diverse Lebensmittel und Hausmittel gegen Sodbrennen sind auch in der Schwangerschaft eine natürliche Hilfe gegen den Reflux und schützen den Magen vor Übersäuerung:

  • Ingwer gegen Sodbrennen
    Ingwer gilt schon lange als Mittel gegen Übelkeit, aber auch bei Sodbrennen kann Ingwer entweder roh, als Tee-Aufguss oder in Tablettenform für deutliche Linderung sorgen. Papaya als frische Frucht, Saft, getrocknet oder in Tablettenform soll ebenfalls helfen.

Achtung: Bist du noch im ersten Trimester, solltest du Ingwer allerdings nur in sehr geringen Dosen konsumieren, da Ingwer auch wehenfördernd wirken kann.
Mehr zu dem Thema findest du hier: Wehen fördern: So kannst du die Geburt anregen

  • Mager- oder Kondensmilch
    Magermilch wird schon lange als Mittel gegen Sodbrennen angepriesen. Ein Schluck nach der Mahlzeit können helfen, die Speiseröhre zu schützen und fördern zudem die Verdauung.
  • Senf
    Einen Teelöffel milden Senf nach der Mahlzeit essen. Die darin enthaltenen Senföle sollen gegen Sodbrennen helfen.
  • Haferflocken
    Ein Teelöffel Haferflocken lange und gut kauen, dann schlucken. Der Brei schützt deinen Magen vor Übersäuerung.
  • Nüsse
    Haselnüsse oder Mandeln lange kauen und den Brei dann hinunterschlucken. Am besten beides getrennt ausprobieren, da die Nüsse unterschiedlich wirksam sind.
  • Backwaren
    Ein Stück Weißbrot oder Zwieback lange kauen und dann runterschlucken.
  • Rohkost
    Eine rohe Karotte erst lange kauen und dann schlucken. Oder eine gekochte Kartoffel essen.
  • Heilerde
    Heilerde (gibt’s im Reformhaus oder der Drogerie) nach Packungsanleitung in einem Glas Wasser verrühren und trinken oder alternativ in Kapselform zu dir nehmen. Achte darauf, genügend zu trinken.

Vorsicht: Eberhard Volger und Benno Brinkhaus warnen in ihrem Ratgeber „Kursbuch Naturheilverfahren für die ärztliche Weiterbildung“ davor, Heilerde einzunehmen, wenn du unter einer Nierenfunktionsstörung leidest.

  • Kartoffelsaft
    Eine rohe Kartoffel reiben, dann den Saft daraus pressen und trinken.
  • Sonnenblumenkerne
    Die Kerne lange kauen und dann schlucken.
  • Gurke
    Ein Stück Gurke beruhigt den Magen und liefert wichtige Flüssigkeit.

Sodbrennen in der Schwangerschaft: Darauf solltest du verzichten

  • Frittierte Speisen
    wie Pommes Frites
  • Fette Backwaren
    wie Buttercremetorte
  • Ofenfrisches Brot und Gebäck
  • Mayonnaise
  • Fette Fleisch- und Wurstwaren
  • Zitrusfrüchte
    Orangen, Grapefruits oder Zitronen bestehen aus reichlich Säure, die Sodbrennen begünstigen kann. Gleiches gilt auch für Säfte, die aus Zitrusfrüchten hergestellt werden.
  • Filterkaffee
    Kaffee ist in der Schwangerschaft grundsätzlich erlaubt. Filterkaffee enthält aber besonders viel Säure, die den Magen reizen kann.
  • Kohlensäurehaltige Getränke
    Die enthaltene Kohlensäure sorgt dafür, dass sich der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen öffnet. Von Limonaden, Sprudelwasser und Co. also lieber die Finger lassen.
  • Scharfe Gewürze
    Pfeffer, Curry und Chili reizen den Magen und gehören zu den Lebensmitteln, die Sodbrennen auslösen können.
  • Säurehaltiges Gemüse
    wie Zwiebeln, Paprika, Essiggurken oder Sauerkraut

Sodbrennen Schwangerschaft: Natron nicht zu empfehlen

Achtung: Oft wird Schwangeren auch zu Natron geraten, der Gynäkologe Prof. Dr. Costa rät aber davon. Der Grund: Natron beeinflusst nicht nur deinen Mineral- und Säure-Basen-Haushalt, sondern auch den deines Ungeborenes. Natron sollte deswegen während der Schwangerschaft und der Stillzeit  – wenn überhaupt – nur nach Rücksprache mit deinem Frauenarzt eingenommen werden.

Medikamente gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft

In der Regel helfen diese Hausmittel bereits sehr gut gegen die Schmerzen. Leidest du aber regelmäßig unter Sodbrennen, sollte das auf jeden Fall Thema beim nächsten Frauenarzt-Termin sein. Ist die Speiseröhre angegriffen und helfen keine anderen Maßnahmen, kann es notwendig werden, Medikamente gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft einzunehmen. Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie Charité-Universitätsmedizin in Berlin empfiehlt abhängig von der Stärke des Sodbrennens Antacida, z.B. Sucralfat, der H2-Rezeptor-Antagonist Ranitidin und aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer Omeprazol. Das Medikament Iberogast darf nicht mehr an Schwangere verkauft werden.

Wichtig: Lass dich aber auf jeden Fall vor der Einnahme von Medikamenten gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft ausführlich beraten und achte auf die Hinweise in der Packungsbeilage. Wenn du unsicher bist, hole dir eine zweite Meinung von einem anderen Frauenarzt ein oder rufe bei deinem behandelnden Arzt an, um weitere Fragen zu stellen.

Alternative Medizin

Wenn nichts helfen will und du auf Medikamente verzichten möchtest, können homöopathische Mittel, Akupunktur oder Akupressur helfen. Wende dich an eine erfahrene Heilpraktikerin oder frage deine Hebamme, ob sie hierfür eine Zusatzausbildung hat.

Gefahren von Sodbrennen in der Schwangerschaft

Sodbrennen wird in der Medizin als „Reflux“ bezeichnet und ist in den meisten Fällen gesundheitlich unbedenklich – aber unangenehm. Leidest du jedoch sehr häufig unter Sodbrennen, kann die Magensäure die Speiseröhre angreifen und dadurch für eine Entzündung der Speiseröhre sorgen. Man spricht dann von einer Refluxösophagitis und diese muss unbedingt behandelt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen kommt. Eine weitere Gefahr durch Sodbrennen besteht für die Zähne: Die Magensäure greift den Zahnschmelz an!

Ist Sodbrennen in der Schwangerschaft ein Anzeichen für das Geschlecht des Kindes?

„Frauen, die in der Schwangerschaft oft unter Übelkeit leiden, erwarten ein Mädchen, Sobrennen deutet auf einen Jungen hin!“ Stimmt das? Nein, das ist ein Ammenmärchen. Dass Sodbrennen das Geschlecht voraussagt, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Doch eine andere Volkswahrheit könnte stimmen: „Frauen, die oft Sodbrennen in der Schwangerschaft haben, kriegen Kinder mit mehr Haaren.“ US-Forscher wollen in einer Studie herausgefunden haben, dass 82 Prozent der Mütter, die über starkes Sodbrennen klagten, Babys mit überdurchschnittlichem Haarwuchs bekamen. Allerdings beruht die Studie auf zu wenig Daten und ist daher wissenschaftlich nicht belastbar.

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Quellen