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Beckenendlage: Ist ein Kaiserschnitt unbedingt notwendig?

Bei einer Beckenendlage liegt das Baby falsch herum, also mit dem Po voran im Geburtskanal. Aus Sicherheitsgründen empfehlen Ärzte daher meist einen Kaiserschnitt. Dennoch ist unter normalen Schwangerschaftsvoraussetzungen auch eine vaginale Steißgeburt möglich – sofern sie von einem qualifizierten und erfahrenen Geburtshelfer begleitet wird.

Das Baby liegt in Beckenendlage:? Bis zu dieser SSW kann noch versucht werden, es zu drehen.
Das Baby liegt in Beckenendlage:? Bis zu dieser SSW kann noch versucht werden, es zu drehen.
© Bigstock/ Rawpixel.com

Beckenendlage ist bis zur 34. SSW durchaus normal

Im Laufe der Schwangerschaft wird sich dein Kind immer wieder drehen, Purzelbäume schlagen und seine Liegeposition wechseln. Doch um die 34. SSW begeben sich die meisten Babys in die Startposition für die Geburt. Das bedeutet, sie drehen sich so, dass das Köpfchen nach unten zeigt und in den kommenden Wochen immer tiefer ins Becken rutschen kann: die Schädellage (SL). Mache Zwerge haben aber einfach keine Lust sich zu drehen. Sie bleiben so im Babybauch liegen, dass ihr Kopf direkt unterhalb des Rippenbogens zu ertasten ist. Ärzte und Hebammen sprechen in diesem Fall von einer Beckenendlage (BEL) oder Steißlage des Babys.

  • reine Steißlage: Die Beine liegen ausgestreckt vor dem Gesicht.
  • Steiß-Fußlage: Die Oberschenkel liegen am Körper, die Knie sind angewinkelt.
  • Knie- oder Fußlage: die Füßchen oder Knie liegen direkt vor dem Muttermund. Es wirkt so, als ob das Baby in deinem Bauch steht oder kniet.

Geburt in Beckenendlage ist möglich

Jede Schwangere wünscht sich eine unkomplizierte und möglichst schmerzarme Geburt. Die Vorstellung, sein Kind „verkehrtherum“ auf die Welt zu bringen kann daher sehr beängstigend wirken. Trotzdem ist eine Steißgeburt möglich. Wichtig ist, dass die Geburtsklinik entsprechend geschultes Personal hat und sich gut mit der Steißlage auskennt. Mehr dazu liest du auch im Punkt: Steißgeburt: natürliche Geburt oder Kaiserschnitt.

Video-Empfehlung

Raus aus der Steißlage: dem Baby beim Drehen helfen

Will sich das Baby nicht von selbst aus der Beckenendlage in die richtige Position drehen, gibt es ein paar sanfte Wende-Methoden, mit denen du nachhelfen kannst:

  • Indische Brücke
    Bei der indischen Brücke legst du dich mit aufgestellten Beinen auf den Rücken. Dein Becken sollte etwas höher liegen als dein Brustkorb. Ein dickes Kissen unter dem Po unterstützt dich in dieser Position. Mach es dir bequem, denn in dieser Position solltest du jetzt ein paar Minuten – aber maximal 15 Minuten – liegen bleiben. Versuche anschließend so schwungvoll wie es mit dem Babybauch möglich ist aufzustehen.
    Was passiert: Indem du dein Becken hochlagerst, soll der kindliche Po wieder etwas aus dem Becken herausrutschen. Außerdem ist diese Liegeposition für das Baby unangenehm. Die schwungvolle Aufstehbewegung soll das Baby dann zu einem Purzelbaum animieren, sodass es eine für sich angenehmere Position einnimmt.
  • Moxen
    Diese Methode kommt aus der chinesischen Medizin. Mit speziellen „Zigarren“ aus bestimmen Heilkräutern werden Akupunkturpunkte behandelt – natürlich aus einigen Zentimetern Abstand. Die Stimulation dieser Energiepunkte sollen das Baby aus der Beckenendlage in die richtige Geburtsposition leiten, so die Theorie dahinter.
  • Das Baby mit Licht/ Geräuschen locken
    Für die Wirksamkeit diese Methode gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Dennoch geben auch Hebammen immer wieder diesen Tipp – einen Versuch ist es also wert. Ziel ist es, das Baby mit optischen oder akustischen Reizen aus der Steißlage zu locken. Dafür kannst du eine Taschenlampe verwenden, die du langsam von oben, an der Seite des Bauches entlang nach unten führst. Eventuell folgt das Baby dem Licht und dreht sich so in die richtige Position. Selbes Prinzip: Binde dir ein kleines Glöckchen oder eine Klangkugel an den Hosenbund. Auch dadurch soll das Baby „angelockt“ werden.

Äußere Wendung bei Beckenendlage

Wie der Name schon sagt wird bei der äußeren Wendung versucht, das Baby mit sanftem Druck von außen zu wenden. Allerdings ist das nur bis zum Anfang der 37. SSW möglich. Beziehungsweise es muss sichergestellt sein, dass das Baby noch genug Platz im Babybauch hat und  genügend Fruchtwasser vorhanden ist. Mit nur 50 Prozent hat eine äußere Wendung statistisch gesehen nur eine relativ geringe Erfolgsquote. Wie genau sie abläuft, das kannst du dir in diesem Video noch einmal in Ruhe anschauen: So sieht eine äußere Wendung aus.

Steißgeburt: natürliche Geburt oder Kaiserschnitt

Wird ein Kind in Steißlage geboren, treten zuerst die kleineren und weicheren Teile, sprich Beine und Becken des Kindes, in den Geburtskanal ein. Kommt dann der „dickere“ Kopf, mutmaßen viele, das Kind könne stecken bleiben. „Um dieses Risiko von vornherein auszuräumen, raten viele Mediziner zum Kaiserschnitt“, erklärt Dr. Friedemann Schulz, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Buchholz.

Was macht die Beckenendlage riskant?

  • Wenn dein Baby in Steißlage geboren wird, kann der Po den Geburtsweg nicht so weit dehnen, wie es das Köpfchen im Normalfall tun würde. Das kann die Wehentätigkeit bremsen und die Geburt erschweren.
  • Bei einer Geburt mit dem Po voran kann die Nabelschnur abgeklemmt werden. Weil das Baby aber noch mit dem Kopf in der Mutter steckt, kann es dadurch zu einer kurzzeitigen Mangelversorgung mit Sauerstoff kommen. Die Geburt muss daher schnell beendet werden.
  • In dieser Geburtsposition ist es schwerer, dass der kindliche Kopf sich passgenau in das mütterliche Becken dreht. Die Geburt kann dadurch ins Stocken geraten, gegebenenfalls muss ein Notkaiserschnitt gemacht werden.
  • Bei einer Steißgeburt kann es auch passieren, dass dein Kind seine Arme neben den Kopf nimmt. So kann aber der Kopf nicht richtig geboren werden. Daher müssen die Arme manuell wieder gelöst werden.

Dennoch ist die Beckenendlage nicht zwangsläufig mit Komplikationen verbunden. „Wird der Vorgang von einem gut ausgebildeten und erfahrenen Geburtshelfer begleitet, bedeutet das meist nur, nicht überflüssigerweise einzugreifen. Die größte Gefahr besteht darin, das Kind aus seiner ideal zusammengepackten Haltung – Kopf leicht gebeugt, Arme vor der Brust gekreuzt, Beine hochgeschlagen oder gehockt – zum Beispiel durch Ziehen in der Pressphase herauszubringen.

Gefragt ist, wie so oft in der Geburtshilfe, also vor allem Geduld. Bei günstigen Steißlagenpositionen kann unter normalen Voraussetzungen ohne Weiteres eine natürliche Geburt angestrebt werden“, so Schulz. Auch der Berufsverband der Frauenärzte bestätigt diese Einschätzung in einem Infoartikel über Kaiserschnitte: „Die Beckenendlage ist kein Grund, dass ein Kaiserschnitt grundlegend durchgeführt werden muss.“

Wann Kaiserschnitt bei Beckenendlage?

Auch wenn eine Steißgeburt theoretisch möglich ist, bedeutet das nicht, dass ein Kaiserschnitt immer die falsche Wahl ist. Zunächst ist es zwingend erforderlich, dass deine Geburtsklinik entsprechende Erfahrung hat und dich umfassend beraten beziehungsweise vorbereiten kann. Kann dies nicht gewährleitstet werden, ist eine Sectio die bessere Alternative.

Zudem ist der Kaiserschnitt bei Steißlage unter bestimmten Schwangerschaftskonditionen durchaus sinnvoll. Zum Beispiel, wenn…

  • …das Kind vor der 37. SSW auf die Welt kommt (Frühgeburt).
  • …das Kind sehr groß oder schwer ist.
  • …die Schwangere ein zu enges Becken hat.
  • …nur noch wenig Fruchtwasser vorhanden ist; kann Hinweis auf eine Plazentainsuffizienz sein.
  • …die werdende Mutter unter Schwangerschaftsdiabetes leidet oder
  • …die werdende Mutter an einer Präeklampsie erkrankt ist.
  • …sich die Mutter eine Steißgeburt nicht zutraut.
  • …bei einer Fußlage des Babys.

Die Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. empfiehlt in ihren Leitlinien zur „Geburt in Beckenendlage“, dass ein Kaiserschnitt bei einer Fußlage des Babys angeraten ist. Denn das Risiko für Komplikationen, sei in diesem Fall deutlich größer als bei einer reinen Beckenendlage.

Wichtig: Auch wenn du dir wünschst, dein Kind auf natürlichem Wege auf die Welt zu bringen, so kann gerade bei einer Steißlage ein Notkaiserschnitt notwendig werden. Hier solltest du dich auf jeden Fall auf die Einschätzung des Klinikpersonals verlassen.

Bei Steißlage: Geburt genau abwägen

Verläuft die Schwangerschaft normal, kann ab der 38. SSW durch Austasten des Beckens geklärt werden, ob es groß genug ist. Durch Ultraschall wird untersucht, ob das Kind nicht zu groß wird und in welcher Beckenendlage es genau es liegt. Du musst die Entscheidung für oder gegen eine Steißgeburt also nicht von heute auf morgen treffen. Trotzdem sollten sich werdende Mütter, die bei einer Steißlage des Kindes nicht auf das Erlebnis einer natürlichen Geburt verzichten wollen, rechtzeitig nach Kliniken umsehen, wo in der Geburtshilfe erfahrene Experten für solche Fälle zur Verfügung stehen „Medizinische und auch emotionale Faktoren sind in aller Ruhe abzuwägen“, so Schulz. Dabei berät auch die Hebamme gern und kompetent.


Quellen:

  • Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.: Leitlinie Geburt bei Beckenendlage, In: www.dggg.de
    https://www.dggg.de/fileadmin/documents/leitlinien/archiviert/federfuehrend/015051_Geburt_bei_Beckenendlage/015051_2010.pdf
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Beckenendlage: Mit dem Po voran, in: familienplanung.de
    https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/komplikationen/beckenendlage/
  • Berufsverband der Frauenärzte im Netz; Dr. med. Farrokh, André: Kaiserschnitt, In: Frauenärzte im Netz
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/kaiserschnitt/
  • Friedrich, Jana: Beckenendlage – Klar zur Wendung?!, In: Hebammenblog.de
    https://www.hebammenblog.de/beckenendlage-klar-zur-wendung/
  • Franz Kainer; Nolden, Annette: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche (2018). Gräfe Und Unzer, München