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Sternengucker: Ist ein Kaiserschnitt zwingend nötig?

Als Sternengucker oder auch Sterngucker werden Babys bezeichnet, die im Mutterleib eine veränderte, nicht ganz optimale Lage eingenommen haben, was während der Geburt zu Komplikationen führen kann. Aber ist ein Kaiserschnitt immer nötig? Und was kann man für eine optimale Lage tun?

Ist ein Kaiserschnitt  in der Sterngucker-Lage zwingend nötig?
Ist ein Kaiserschnitt in der Sterngucker-Lage zwingend nötig?
©Bigstock/Yastremska

In diesem Artikel:

Was ist ein Sternengucker-Baby?

Die optimale Geburtsposition ist die vordere Hinterhauptslage. Dabei zeigt der Rücken des Babys zum Bauch der Mutter, das Gesicht des Babys ist zum Rücken hingedreht. In den allermeisten Fällen drehen sich die Babys kurz vor der Geburt in diese Position. Doch bei 0,5 bis 1 Prozent der Geburten kann es dazu kommen, dass das Baby sich nicht optimal positioniert. Bei einem Sternengucker ist das der Fall. So werden Babys bezeichnet, die zwar in Schädellage liegen, mit dem Gesicht aber zum Bauch der Mutter zeigen. Diese Lage wird auch hintere Hinterhauptlage genannt. Diagnostiziert wird die falsche Lage meist erst bei der Geburt.

Sternengucker in der hinteren Hinterhauptslage sind im Becken also so positioniert, dass sie bei der Geburt in Richtung „Sterne“, also zur Decke schauen, wenn sie in der Rückenlage entbunden werden. Was sich eigentlich ganz niedlich anhört, bedeutet in der Realität meist eine deutlich erschwerte Geburt.

Komplikationen: Ist ein Kaiserschnitt zwingend nötig?

In vorderer Hinterhauptlage kommt dein Kind mit seinem Kopf wesentlich leichter durch den Geburtskanal. Liegt dein Baby in der Sternenguckerlage kann es seinen Kopf nicht soweit auf den Brustkorb beugen, wie in den Nacken. Das Köpfchen kann in dieser Haltung die Biegung im Becken schwerer passieren. Bei der hinteren Hinterhauptslage ist wegen des ungünstigeren Winkels der Kopfquerschnitt also größer, der durch das Becken muss. Aber auch trotz suboptimaler Lage eines Sternenguckers ist eine vaginale Geburt fast immer möglich.

In dieser Position liegt der Schädelknochen deines Sterngucker-Babys allerdings sehr dicht an deiner Wirbelsäule. Bei der Geburt kann es dadurch zu heftigen Rückenschmerzen kommen. Außerdem können deine Wehen unregelmäßig einsetzen. Dadurch kommt es oft zu einer längeren Austreibungsphase oder sogar zum Geburtsstillstand. Dann wird entweder ein Kaiserschnitt gemacht oder, wenn das Kind bereits tief genug ins Becken eingetreten ist, mit einer Saugglocke oder Geburtszange nachgeholfen. Ist dann der Kopf aber erst einmal da, verläuft der Rest der Geburt jedoch in den meisten Fällen ohne Komplikationen. Durch die starke Dehnung treten häufiger Scheiden- und Dammrisse auf.

Mehr Informationen zum Thema Geburtsverletzungen findest du hier: Geburtsverletzungen – Überblick und Tipps zur Vorbeugung & Pflege.

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Tipps für die richtige Lage

Bis zur 36. SSW drehen sich Ungeborene ständig in neue Positionen. Danach sollten sie in eine optimale Beckenendlage gelangen. Ein Sternengucker-Baby vermeiden geht nicht wirklich. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, wie du dein Baby ermuntern kannst, sich „richtig“ zu drehen:

  • Achte darauf, dass deine Knie immer unterhalb deiner Hüften sind
  • Wenn sich langes Sitzen nicht vermeiden lässt, achte darauf, dass dein Stuhl nicht zu niedrig für einen Tisch ist. Lege gegeben falls ein Kissen unter
  • … mach außerdem regelmäßig Pausen und gehe ein paar Schritte
  • Knie täglich für zehn Minuten auf allen Vieren (beispielsweise beim Fernsehen)

Falsche Lage trotz richtiger Haltung

Es gibt aber kein Patentrezept für die richtige Geburtslage. Ja, theoretisch begünstigt langes Sitzen mit krummen Rücken eine verkehrte Kindslage. Aber nicht alle Schwangeren, die viel Zeit auf dem Sofa oder mit wenig Körperspannung am Schreibtisch verbracht haben, bekommen Sterngucker-Kinder. Andersherum entscheiden sich manche Kinder auch bei „bester Haltung“ kurz vor Beginn der Geburt sich so zu drehen, dass sie schließlich als Sternengucker zur Welt kommen.

Kann ich die Lage meines Babys noch während der Wehen ändern?

Auch wenn du während der Geburt in deiner Bewegung eingeschränkt bist (weil du beispielsweise am Wehentropf hängst), kannst du trotzdem das hier versuchen:

  • So lange wie möglich stehen zu bleiben
  • Umgekehrt: Vermeide es längere Zeit zu liegen
  • Beuge dich während der Wehen nach vorn
  • Bitte deinen Partner dir den Rücken zu massieren
  • Wirst du während den Wehen müde, lege dich auf die Seite. So kann sich dein Becken dehnen und auch dein Baby hat genügend Platz sich auszuruhen.

Außerdem kann dein Sterngucker-Baby sich durch Wechsellagerung – mal rechts mal links liegen – drehen. Während der Geburt kann ein erfahrener Geburtshelfer in einer Wehenpause außerdem manuell versuchen den Kopf deines Babys zu drehen. Sind deine Wehen noch nicht sehr stark, gelingt eine Drehung am leichtesten.

Damit die du während der Geburt bestmöglich mitarbeiten kannst, ist es sinnvoll, wenn die Hebamme dir genau erklärt, wie dein Baby gerade liegt. Positive Motivation und unterstützende Maßnahmen können natürlich auf nicht schaden.

Einmal Sternengucker, immer Sternengucker?

Nein, nicht unbedingt. Es gibt ganz geringfügig häufiger Sterngucker-Babys bei Schwangeren, die bereits ein Kind aus dieser Lage bekommen haben. Dass kann daran liegen, dass in deinem Bauch und Becken für deine Kinder diese Lage während der Spätphase der Schwangerschaft am günstigsten ist. Es ist aber durchaus möglich, dass dein nächstes Kind auf „normalen“ Wege zur Welt kommt.

Hat eine Sterngucker-Geburt Spätfolgen?

Offiziell hat die Position des Sternguckers keinen Einfluss auf die spätere Entwicklung deines Babys, allerdings gelten traumatische Erlebnisse bei der Geburt, wie beispielsweise eine Zangen- oder Saugglockengeburt, oder ein Kaiserschnitt, zu den Ursachen des KiSS-Syndroms.

Es gibt aber einen Mythos, der besagt, dass Sterngucker-Babys Glückskinder sind. Woher diese Legende stammt, ist allerdings nicht belegt.

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Quellen