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Sturzgeburt: Wenn das Baby im Turbo-Tempo auf die Welt will

Geburt im Schnelldurchlauf: Für viele Schwangere ist der Gedanke einer Sturzgeburt sehr beunruhigend. Aber wie häufig passiert so etwas überhaupt? Wie verhält man sich bei einer überstürzten Geburt? Gibt es Risiken? Die Antworten auf diese Fragen findest du hier.

Was tun, wenn man es nicht mehr in die Klinik schafft?
Was tun, wenn man es nicht mehr in die Klinik schafft?
© Bigstock/ITLPhoto

In diesem Artikel:

Wann spricht man von einer Sturzgeburt?

Der Begriff „Sturzgeburt“ für eine besonders schnelle Geburt ist eigentlich nicht ganz richtig. Was umgangssprachlich oft so genannt wird, ist laut medizinischer Definition eigentlich eine sogenannte „überstürzte Geburt“.  Die Vorwehen sind dann kaum schmerzhaft oder folgen in so langen Abständen, dass die Schwangere dem eigentlich Geburtsbeginn gar nicht bemerkt. Wenn die Wehen stärken werden, setzten plötzlich die Presswehen ein. Das Kind wird dann mit der ersten Presswehe geboren. Bei einer überstürzten Geburt ist das Baby in unter drei Stunden auf der Welt.

Eine Sturzgeburt im medizinischen Sinne ist dagegen eine Geburt, bei der das Baby aus dem Geburtskanal wirklich herausstürzt und es nicht mehr rechtzeitig aufgefangen werden kann.

Wie wahrscheinlich ist eine Sturzgeburt?

Schnelle Geburten sind die Ausnahme, nicht die Regel. Sturzgeburten kommen hauptsächlich bei Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder geboren haben und die starken Wehen haben, vor. Wahrscheinlich, weil der Geburtskanal schon etwas vorgedehnt ist.

Das Tückische an schnellen Geburten ist, dass selbst Ärzte sie nicht vorhersagen können – eindeutige medizinische Indikatoren gibt es nicht. Die Wahrscheinlichkeit einer überstürzten Geburt liege bei ungefähr eins zu tausend Geburten pro Jahr, erklärt Hans-Joachim Koch, Leitender Oberarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Bethesda-Krankenhaus in Duisburg gegenüber „rp-online„.

 

Was sind die Gründe für eine Sturzgeburt?

Was es allerdings gibt, sind einige Faktoren, die eine schnelle Entbindung wahrscheinlicher machen. Für eine Sturzgeburt kann es verschiedene Gründe geben:

  • Dein Geburtskanal ist sehr dehnbar und gibt wenig Widerstand. So öffnet sich der Muttermund besonders schnell – besonders, wenn es nicht deine erste Schwangerschaft ist.
  • Zwischen deinen beiden Schwangerschaften liegt nur wenig Zeit. So hat der Geburtskanal nicht genug Zeit, sich zurückzubilden.
  • Dein Baby ist sehr klein und sein Kopfumfang sehr gering.
  • Deine Wehen sind sehr stark.

Welche Risiken gibt es bei einer Sturzgeburt?

Eine Sturzgeburt kann bei der Mutter zu Verletzungen des Geburtskanals, einem Dammriss sowie zu starken Nachblutungen führen. Außerdem findet bei einer überstürzten Geburt die Druckanpassung im Geburtskanal nicht richtig statt. So kann es in seltenen Fällen bei dem Baby zu Sauerstoffmangel und im Extremfall zu Hirnblutungen kommen.

Stürzt das Neugeborene bei einer echten Sturzgeburt zu Boden, kann es sich dadurch ernsthaft verletzten und die Nabelschnur könnte reißen. Auch Verletzungen des Rumpfes, der Arme und Beine sind möglich.

Aber keine Panik: Solche extremen Szenarien kommen äußerst selten vor. Oft werden in diesem Fall die einsetzenden Wehen auch mit einem dringenden Harndrang verwechselt. Das Baby wird dann oft auf der Toilette geboren (Toilettengeburt).

Solltest du dennoch beunruhigt sein, wird dich dein Arzt sicher gerne über mögliche Risiken aufklären.

Wie verhalte ich mich bei einer Sturzgeburt?

Schaffst du es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus, gilt es Ruhe zu bewahren und sofort einen Notarzt und deine Hebamme anzurufen. Eine überstürzte Geburt lässt sich nicht aufhalten.

Leg‘ dich dann zu Hause ins Bett oder auf die Couch und versuche durch die Wehen zu atmen und erstmal nicht zu pressen. Falls kein Bett vorhanden ist, weil die Sturzgeburt dich unterwegs überrascht hat, solltest du dich auf den Fußboden legen – mach’ es dir so gut es eben geht mit Kissen, Handtüchern oder Jacken bequem.

Erst wenn das Köpfchen zwischen den Schamlippen spürbar ist, solltest du mit dem Pressen beginnen. Um die Geburtsgeschwindigkeit etwas abzuschwächen, lege deine Hand vorsichtig auf den Hinterkopf des Babys. Wichtig: Auf keinen Fall am Kopf des Kindes ziehen!

Ist das Baby da, bevor Hilfe eingetroffen ist, ist es am wichtigsten dein Baby vor dem auskühlen zu bewahren. Das geht am besten, wenn es ganz nah an deiner nackten Haut liegt. Decke dich zusätzlich zu – egal womit, unterwegs kann das zur Not auch ein Pullover oder ein Mantel sein. Wichtig ist, dass die Nase deines Babys frei ist und es gut atmen kann. Du kannst es dann sofort an die Brust anlegen.

Das Abnabeln und alles Weitere wird dann der Notarzt übernehmen. Die Geburt der Plazenta erfolgt dann meist im Krankenhaus.

Quellen