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Sturzgeburt: Wenn das Baby überstürzt auf die Welt will

vonLisa Klugmayer

Geburt im Schnelldurchlauf: Für viele Schwangere ist der Gedanke einer Sturzgeburt sehr beunruhigend. Aber was genau ist eigentlich eine Sturzgeburt und wie verhalte ich mich bei einer überstürzten Geburt?

vonLisa Klugmayer
Was tun, wenn man es nicht mehr in die Klinik schafft?
Was tun, wenn man es nicht mehr in die Klinik schafft?
© Bigstock/ITLPhoto

Was ist eine Sturzgeburt?

Von einer Sturzgeburt spricht man, wenn der Geburtsvorgang sehr schnell geht. Das Baby „stürzt“ also quasi aus dem Geburtskanal heraus.

Sturzgeburt oder überstürzte Geburt? Unterschiede

Der Begriff „Sturzgeburt“ für eine besonders schnelle Geburt ist eigentlich nicht ganz richtig. Was umgangssprachlich oft so genannt wird, ist laut medizinischer Definition eigentlich eine sogenannte „überstürzte Geburt“.

Die Eröffnungswehen sind bei einer überstürzten Geburt kaum schmerzhaft oder folgen in so langen Abständen aufeinander, dass die Schwangere den eigentlichen Geburtsbeginn gar nicht bemerkt.

: sind es echte Geburtswehen?

Wenn die Wehen stärker werden, setzen plötzlich die Presswehen ein – die bei einer überstürzten Geburt (Partus praecipitatus) meist recht heftig ausfallen. Das Kind wird dann oft bereits mit der ersten Presswehe geboren.

Eine echte Sturzgeburt im medizinischen Sinne ist dagegen eine Geburt, bei der das Baby aus dem Geburtskanal wirklich herausstürzt und es nicht mehr rechtzeitig aufgefangen werden kann.

In diesem Artikel werden wir den Begriff „Sturzgeburt“ als Synonym für „überstürzte Geburt“ verwenden. Da das eine mit dem anderen oft Hand in Hand geht.

: Wie lange dauert eine schnelle Geburt?

Bei einer überstürzten Geburt ist das Baby in unter drei Stunden auf der Welt.

Wie wahrscheinlich ist eine Sturzgeburt?

Schnelle Geburten sind die Ausnahme, nicht die Regel. Eine Sturzgeburt ist recht unwahrscheinlich. Mediziner gehen davon aus, dass rund 17 Prozent aller Geburten Sturzgeburten beziehungsweise überstürzte Geburten sind.

Sturzgeburten kommen hauptsächlich bei Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder geboren haben – vermutlich, weil der Geburtskanal bereits etwas vorgedehnt ist. Doch auch Erstgebärende können Sturzgeburten erleben.

Die Wahrscheinlichkeit einer überstürzten Geburt liege bei ungefähr eins zu tausend Geburten pro Jahr, erklärt Hans-Joachim Koch, leitender Oberarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Bethesda-Krankenhaus in Duisburg gegenüber „rp-online„.

Warum haben manche eine schnelle Geburt?

Das Tückische an schnellen Geburten ist, dass selbst Ärzte sie nicht vorhersagen können, denn eindeutige medizinische Indikatoren gibt es nicht.

Was löst eine Sturzgeburt aus?

Doch gibt es einige Faktoren, die eine überstürzte Geburt wahrscheinlicher machen könnten:

  • Dein Geburtskanal ist sehr dehnbar und gibt wenig Widerstand. So öffnet sich der Muttermund besonders schnell – vor allem, wenn es nicht deine erste Schwangerschaft ist.
  • Zwischen deinen beiden Schwangerschaften liegt nur wenig Zeit. So hat der Geburtskanal nicht genug Zeit, sich zurückzubilden.
  • Dein Baby ist sehr klein und sein Kopfumfang sehr gering.
  • Deine Geburtswehen sind sehr stark.

Übrigens: Sollte eine Frau schon mal eine schnelle Geburt erlebt haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch mal eine überstürzte Geburt erfährt, erhöht.

Welche Risiken gibt es bei einer Sturzgeburt?

Eine Sturzgeburt kann bei der Mutter einige Probleme auslösen:

  • Verletzungen des Geburtskanals
  • Dammriss
  • zu starken Nachblutungen
: ein Überblick

Außerdem findet bei einer überstürzten Geburt die Druckanpassung im Geburtskanal nicht richtig statt – so kann es zu übermäßigem Druck auf das Baby kommen. Sauerstoffmangel oder im schlimmsten Fall Hirnblutungen können die Folge sein.

Bei einer echten Sturzgeburt – also einem Sturz aus dem Geburtskanal auf den Boden – kann sich das Baby ernsthafte Verletzungen zuziehen. So können Kopf-, Arm- und Beinverletzungen auftreten. Auch kann die Nabelschnur reißen. Die Verbindung zwischen Mutter und Kind wird also gekappt, bevor die Blutversorgung über die Plazenta abgeschlossen ist.

Aber keine Panik: Solche extremen Szenarien kommen äußerst selten vor. Solltest du dennoch beunruhigt sein, wird dich dein Arzt sicher gerne über mögliche Risiken aufklären.

Was kann man bei einer Sturzgeburt (zuhause) tun?

Schaffst du es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus, gilt es Ruhe zu bewahren und sofort einen Notarzt und deine Hebamme anzurufen. Eine überstürzte Geburt lässt sich nicht aufhalten.

  • Zu Hause

Leg dich zu Hause ins Bett oder auf die Couch und versuche durch die Wehen zu atmen und erstmal nicht zu pressen.

  • Wenn du unterwegs bist

Falls kein Bett vorhanden ist, weil die Sturzgeburt dich unterwegs überrascht hat, solltest du dir auf jeden Fall Hilfe suchen und dich ggf. auf den Fußboden legen – mach es dir so gut es eben geht mit Kissen, Handtüchern oder Jacken bequem. Bleibe in keinem Fall stehen, da sonst eine echte Sturzgeburt passieren kann, die es unbedingt zu vermeiden gilt, um Komplikationen und Verletzungen zu vermeiden.

Natürlich gilt auch hier: Notarzt und Hebamme anrufen, Ruhe bewahren und versuchen vorerst nicht zu pressen.

Erst wenn das Köpfchen zwischen den Schamlippen spürbar ist, solltest du mit dem Pressen beginnen. Um die Geburtsgeschwindigkeit etwas abzuschwächen, lege deine Hand vorsichtig auf den Hinterkopf des Babys.

Wichtig: Auf keinen Fall am Kopf des Kindes ziehen oder zu fest pressen.

Was geschieht nach der Sturzgeburt?

Ist das Baby da, bevor Hilfe eingetroffen ist, ist es am wichtigsten dein Baby vor dem Auskühlen zu bewahren. Das geht am besten, wenn es ganz nah an deiner nackten Haut liegt. Decke dich zusätzlich zu – egal womit, unterwegs kann das zur Not auch ein Pullover oder ein Mantel sein.

Wichtig ist, dass die Nase deines Babys frei ist und es gut atmen kann. Du kannst es dann sofort an die Brust anlegen.

Das Abnabeln und alles Weitere wird dann der Notarzt übernehmen. Die Geburt der Plazenta erfolgt dann meist im Krankenhaus.

Quellen

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