Bookmark

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft: Das hilft gegen die Schmerzen

Ein Ziehen und leichte Schmerzen im Beckenbereich sind ganz normale Schwangerschaftsbeschwerden. Wenn sich bei der Vorbereitung auf die Geburt die Muskeln und Gelenke im Becken stark lockern, kann es zu einer Symphysenlockerung mit starken Schmerzen kommen, die behandelt werden müssen. Ab wann dies der Fall sein kann und, was gegen die Schmerzen helfen kann, liest du hier.

Du hast starke Schmerzen im Beckenbereich? Das könnte eine Symphysenlockerung sein
Du hast starke Schmerzen im Beckenbereich? Das könnte eine Symphysenlockerung sein
© Bigstock/ AntonioDiaz

Was ist die Symphysenlockerung?

Eine Symphysenlockerung ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Lockerung der Symphyse. Die Symphyse wir auch als Schambeinfuge bezeichnet – also eine knorpelige Verbindung zwischen den beiden Beckenhälften. Du kannst dir die Symphyse in etwa wie eine Bandscheibe vorstellen.

Bild von Becken

© PM Poon / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Normalerweise hält die Symphyse das Becken stabil – die Verbindung ermöglicht nur wenig Beweglichkeit. Diese minimale Beweglichkeit ist wichtig, damit du gehen, stehen und sitzen kannst.

Vor allem in der Schwangerschaft kann es aber zu einer sogenannten Symphysenlockerung kommen. Dann erweitert sich die Schambeinfuge, was Schmerzen zur Folge haben kann.

Wie kommt es dazu?

In der Schwangerschaft schüttet dein Körper unter anderem das Hormon Relaxin aus. Es macht die Bänder in deinem Becken weiter und elastischer – das ist für die Schwangerschaft und vor allem die Geburt wichtig. Durch Relaxin und das zunehmende Gewicht deines Babybauchs und den damit verbundenen Druck nach unten kann es aber zu einer Symphysenlockerung kommen.

Außerdem werden deinen Knochen und Gelenken in der Schwangerschaft Kalzium und Phosphor entzogen. Denn dein Baby braucht diese Mineralstoffe besonders. Auch das macht Schwangere anfälliger für die Lockerung.

Ist eine Symphysenlockerung gefährlich?

In den meisten Fällen ist eine Lockerung der Schambeinfuge nicht gefährlich für Mutter oder Kind. In sehr seltenen Fällen kann es jedoch am Ende der Schwangerschaft oder während der Geburt zu einer sogenannten Symphysensprengung kommen. Hier reißt die Symphyse. Eine solche Sprengung muss operativ behandelt werden.

Symphysenlockerung: Ursachen und Risikofaktoren

Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die eine Lockerung der Symphysen begünstigen können:

  • Hüftverletzungen
  • Rückenprobleme vor der Schwangerschaft
  • Arthritische Gelenksentzündungen

Über andere Faktoren wie Rauchen und Überbelastung wird viel diskutiert – Studien konnten hier aber keine eindeutigen Ergebnisse liefern.

Ab wann kommt eine Symphysenlockerung vor?

Wann genau die Lockerung in der Schwangerschaft auftreten kann, ist vorn Frau zu Frau unterschiedlich. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Symphysenlockerung meistens im letzten Schwangerschaftsdrittel auftritt. Denn in dieser Zeit ist der Babybauch schon recht schwer und der eigene Körper bereitet sich langsam schon auf die bevorstehende Geburt vor.

Symphysenlockerung erkennen: Achte auf diese Symptome

Wie wird eine Symphysenlockerung diagnostiziert? Es kann recht schwer sein, die Symphysenlockerung erkennen zu können. Denn die Symptome sind zum Verwechseln ähnlich mit normalen Schwangerschaftsbeschwerden. Ein Ziehen und Ziepen sowie Schmerzen im Beckenbereich sind in den Wochen vor der Geburt ganz normal. Die Symphysenlockerung zeigt sich darin, dass diese Beschwerden stärker auftreten. Bei der Lockerung kommt es vor allem zu Schmerzen…

  • …im Hüftbereich
  • …im Beckenbereich
  • …am Rücken
  • …in den Leisten
  • …im Schambereich

Schwangere bemerken diese Schmerzen vor allem…

  • …beim Treppensteigen
  • …wenn sie die Beine spreizen
  • …wenn sie auf einem Bein stehen
  • …beim Liegen
  • …in der Seitenlage

Ein wichtiges Anzeichen für eine Symphysenlockerung ist der bekannte Watschelgang – dabei watscheln Schwangere mit nach außen gedrehten Füßen. Der Watschelgang kann aber auch durch den Babybauch oder andere Schwangerschaftsbeschwerden aufgelöst werden.

Kann man eine Symphysenlockerung vorbeugen?

Die Lockerung der Schambeinfuge lässt sich nicht gänzlich vermeiden. Achte auf eine gesunde und kalziumreiche Ernährung während der Schwangerschaft (das tut auch deinem Baby gut) und trainiere mit leichten Übungen deine Beckenmuskulatur. Diese Dinge können eine Symphysenlockerung aber nicht vorbeugen. Sollte es dazu kommt, gibt es aber viele Dinge, die du bei einer Lockerung gegen die Schmerzen tun kannst.

Was kann man gegen Symphysenschmerzen tun?

  1. Vermeide Bewegungen, die Schmerzen auslösen: Beim Liegen kannst du beispielsweise ein festes Kissen (zum Beispiel ein Stillkissen) zwischen deine Oberschenkel stecken – das hält dein Becken stabil. Damit du dich beim Anziehen der Hose nicht auf ein Bein stellen musst, kannst du dich hinsetzen.
  2. Symphysenlockerung – Gürtel gegen Schmerzen: Stützgürtel für Schwangere halten deine Symphyse stabil und helfen dadurch gegen die Schmerzen. Weitere Vorteile von Bauchgürteln kannst du auch in unserem Artikel zum Thema nachlesen.
  3. Bauchbandage: Bei sehr schlimmen Schmerzen kann dir dein Arzt eine sogenannte Beckenbandage verschreiben. Sie gibt noch stärkeren Halt als ein Bauchband.
  4. Übungen für den Beckenboden: Gezieltes Beckenbodentraining kann bei einer Symphysenlockerung zur Besserung führen. Kegel-Übungen können beispielsweise deinen Beckenboden stärken. Weitere Übungen findest du auch in unserem Artikel „Beckenbodentraining: Alle Infos und 3 Beckenbodenübungen für zuhause
  5. Schmerzmittel: Bei sehr starken Schmerzen kannst du auch zu Schmerzmitteln greifen. Hier gilt jedoch: Nie ohne vorherige Absprache mit deinem Arzt einnehmen!
  6. Alternative Schmerzmethoden: Sprich am besten mit deiner Hebamme über Alternativen zu Schmerzmitteln. Sie kann dir verraten, ob es beispielsweise homöopathische Mittel gibt oder ob Akupunktur dir helfen könnte.

Kann ich mit einer Symphysenlockerung auch natürlich entbinden?

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob die Lockerung der Symphysen deine Geburtsmöglichkeiten einschränken könnten. Die meisten Frauen können trotz einer Symphysenlockerung natürlich entbinden. Hebammen empfehlen oft eine Wassergeburt oder eine Geburt im Vierfüßler-Stand – da diese Methoden bei der Lockerung als schmerzfreier gelten. In sehr seltenen Fällen wird bei der Lockerung jedoch auch ein Kaiserschnitt durchgeführt. Sprich bei einer Symphysenlockerung einfach mit deinem Arzt über seine Einschätzung.

Wie lange dauern die Beschwerden nach der Geburt?

Nach der Geburt lässt der Druck auf die Symphysen auch wieder nach. Das bedeutet, dass auch die Schmerzen der Lockerung meistens wieder verschwinden. Das kann innerhalb von ein paar Tagen passieren – aber auch mehrere Monate dauern. Ein wichtiger Faktor ist hier die Rückbildung – je schneller und besser der Beckenboden gestärkt wird, desto schneller vergehen die Schmerzen. Wenn die Schmerzen der Symphysenlockerung auch nach einiger Zeit nicht vergehen, verschreibt dein Arzt dir vielleicht eine spezielle Krankengymnastik, die zur Besserung führt.

Symphysendehnung nach der Geburt

In sehr seltenen Fällen kann eine vaginale Geburt bei einer Symphysenlockerung auch dazu führen, dass die Schambeinfuge stark vergrößert wird. Dabei spricht man von einer Symphysendehnung. Auch eine Dehnung kann behandelt werden: Durch Stützgürtel, Physiotherapie und Schonung verschwindet die Dehnung normalerweise innerhalb von etwa zwei Monaten nach der Geburt wieder.

Quellen