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Toxoplasmose: Folgenschwere Infektion in der Schwangerschaft

Frau mit Schwangerschaftsbeschwerden
© Bigstock/ Ronnachaipark

Toxoplasmose, die von Tieren auf den Menschen übertragen wird, verursacht nur in seltenen Fällen Beschwerden. Anders hingegen in der Schwangerschaft: Hat sich die werdende Mutter erstmals infiziert, kann das schwerwiegende Folgen für das Kind haben.

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose wird durch den Parasiten Toxoplasma (T.) gondii hervorgerufen. Er tritt weltweit auf, in Deutschland sind ca. 20 % der jüngeren und mehr als 70 % der älteren Erwachsenen über 70 Jahre infiziert. Einmal angesteckt, trägt man den Parasiten ein Leben lang in sich und ist gegen eine weitere Infektion immun.

Die meisten Menschen bemerken die Infektion gar nicht. In einigen Fällen kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Kopf- und Halsschmerzen, Fieber, Müdigkeit und geschwollenen Lymphknoten kommen.

Gefährlich ist Toxoplasmose in erster Linie für zwei Personengruppen:

  • Bei Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem wie HIV-Patienten oder Organspende-Empfänger:innen kann die Infektion lebensgefährliche Erkrankungen verursachen.
  • Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft, kann der Parasit auf das ungeborene Kind übergehen und die Entwicklung des Nervensystems stören. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt.
: wie gehe ich damit um?

Wie steckt man sich mit Toxoplasmose an?

T. gondii kann alle Säugetiere befallen, vermehren können sich die Parasiten jedoch nur in Katzen und über deren Kot dann auf Weide- und Anbauflächen gelangen.

Die Ansteckung mit Toxoplasmose-Erregern kann auf drei verschiedenen Wegen erfolgen:

  • beim Verzehr von verunreinigtem Obst und Gemüse.
  • im direkten Kontakt mit Katzen oder mit Kot verunreinigter Erde wie bei der Gartenarbeit oder der Säuberung des Katzenklos.
  • beim Verzehr von rohem oder unzureichend erhitzten Fleisch und Wurstwaren.

Wann ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft gefährlich?

Wie eingangs erwähnt, kann der Krankheitserreger lediglich bei einer Erstinfektion über die Plazenta auf das Kind übergehen.

Das Übertragungsrisiko nimmt im Laufe der Schwangerschaft zu: Es liegt im ersten Schwangerschaftsdrittel bei rund 15 % und erhöht sich bis zum letzten Trimenon auf etwa 60 %.

Genau umgekehrt verhält sich hingegen die Schwere der Komplikationen:

  • Die Ansteckung des Kindes in der Frühschwangerschaft kann zu einer Totgeburt führen oder schwerwiegende Organschäden wie eine Vergrößerung von Leber und Milz, Gelbsucht, Herzmuskelentzündung oder Lungenentzündung hervorrufen sowie Wasseransammlungen in der Schädelhöhle (“Wasserkopf“) oder Verkalkungen im Schädel. Am häufigsten kommt es zu einer Netzhautentzündung mit anschließender Aderhautentzündung (Retinochoroiditis), die teilweise erst Monate oder Jahre nach der Geburt zutage tritt.
  • Bei einer Übertragung in der späteren Schwangerschaft verläuft die Infektion zunächst oft ohne Symptome. Bei vielen Kindern entwickeln sich jedoch innerhalb der nächsten 20 Jahre Folgeerkrankungen wie Taubheit, Schielen oder Epilepsie. Zu den möglichen Spätfolgen gehören zudem Entwicklungsstörungen der motorischen und kognitiven Funktionen.
: Meldepflicht bei konnataler Toxoplasmose

Die Geburt eines Kindes mit einer konnatalen, d.h. einer im Mutterleib erworbenen Toxoplasmose, muss gemäß §7 Absatz 3 Infektionsschutzgesetz (IfSG) an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. Die Meldung erfolgt ohne Namensnennung.

In den vergangenen Jahren wurden am RKI jährlich zwischen 6 und 23 Fälle konnataler Toxoplasmose registriert. Es ist allerdings von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da im Allgemeinen nur diejenigen Kinder gemeldet werden, die schon bei der Geburt Krankheitssymptome aufweisen.

Ist ein Toxoplasmose-Test in der Schwangerschaft sinnvoll?

Du wünschst dir ein Kind oder bist bereits schwanger? Dann wird dir dein Frauenarzt wahrscheinlich empfehlen, einen Toxoplasmose-Test zu machen. Während das Screening in zahlreichen Ländern wie z.B. in Österreich bereits Kassenleistung ist, verhält es sich in Deutschland anders.

Die meisten gesetzlichen Krankenkassen bezahlen den Test nur dann, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Infektion besteht. Ansonsten handelt es sich um eine iGel-Leistung, die Kosten für den Toxoplasmose-Test von ca. 14 bis 16 Euro sind aus eigener Tasche zu zahlen.

Werden bei der Untersuchung Antikörper in deinem Blut festgestellt, muss zusätzlich ermittelt werden, ob es sich um eine länger zurückliegende oder eine akute Infektion dreht. Trifft letzteres zu, findet zusätzlich eine Fruchtwasseruntersuchung statt, um zu prüfen, ob auch das ungeborene Kind infiziert ist.

: wann ist sie sinnvoll?

Findet sich kein Nachweis auf eine Immunität gegen T. gondii, rät das RKI den Toxoplasmose-Test alle acht Wochen zu wiederholen, um eine Erstinfektion frühzeitig zu erkennen.

Die Krankenkassen führen als Argument gegen das Screening ins Feld, dass ein mehrmaliges Testen in der Schwangerschaft eine psychische Belastung darstellen kann.

Am besten lässt du dich zu den Vor- und Nachteilen des Toxoplasmose-Tests von deinem Frauenarzt beraten und entscheidest dann, wie du weiter vorgehen möchtest.

Welche Behandlung hilft bei Toxoplasmose in der Schwangerschaft?

Um Folgeschäden beim Kind zu vermeiden, muss eine akute Toxoplasmose-Infektion bei schwangeren Frauen umgehend behandelt werden – auch dann, wenn bei der Betroffenen keine Symptome auftreten.

Bis zur 16. SSW wird ein Antibiotikum verabreicht, anschließend erfolgt eine Kombi-Therapie mit Antiparasitikum und Antibiotikum.

Zusätzlich empfiehlt das RKI die Gabe von Folinsäure, einem Abbauprodukt von Folsäure, um schweren Knochenmarksschäden beim Kind entgegenzuwirken. Eine entsprechende Medikation erhalten auch Neugeborene, die mit Toxoplasmose infiziert sind.

Die Behandlungsdauer ist abhängig von der Schwere der Erkrankung.

Wie kannst du einer Infektion mit T. gondii vorbeugen?

Zum Schutz vor einer Toxoplasmose-Infektion solltest du folgende Verhaltensmaßnahmen konsequent einhalten:

  • keine rohen Fleisch- und Wurstprodukte wie Tartar, Carpaccio, Salami, roher Schinken etc. essen. Das gilt auch für nicht ausreichend erhitztes Fleisch und Würste. Zur Abtötung der Parasiten-Eier müssen die Speisen durch Kochen oder Braten eine Kerntemperatur von mindestens 50°C erreichen.
  • rohes Gemüse, Obst und Salat vor dem Verzehr stets gründlich waschen oder schälen.
  • vor dem Essen sowie nach der Zubereitung von rohem Fleisch, nach Gartenarbeiten oder dem Besuch von Sandspielplätzen immer gut die Hände waschen.
: die wichtigsten Infos

Falls du eine Katze hast, wasch dir bitte nach jedem Kontakt die Hände und füttere sie mit Dosen- oder Trockenfutter. Die tägliche Reinigung des Katzenklos mit heißem Wasser sollte von einer nicht-schwangeren Person übernommen werden.

Quellen

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