Bluttest auf Trisomie als Kassenleistung? Der Bundestag diskutiert

Bluttest auf Trisomie als Kassenleistung? Der Bundestag diskutiert

Sollte der Bluttest zur Bestimmung von Trisomie als Bezahlleistung der Krankenkassen zugelassen werden? Diese Frage spaltet die Gemüter in der Gesellschaft, aber auch in der Politik. Der Bundestag debattierte am 11. April 2019 über das Vorhaben.

Schwangere Frau bei einer Ultraschalluntersuchung
Pränataltests können einige Gendeffekte beim Baby frühzeitig bestimmen © Bigstock/ Serhii Bobyk

Worum geht es in der Debatte?

Am Donnerstag, den 11. April, fand im Bundestag eine sogenannte Orientierungsdebatte statt, bei der die Abgeordneten in Berlin ohne Fraktionszwang sprachen. Konkret ging es dabei darum, ob Krankenkassen die Kosten für den nicht-invasiven Pränataltest (PIPT) übernehmen sollen. Mit dem Test lässt sich die Wahrscheinlichkeit bestimmen, ob eine schwangere Frau ein Kind mit Trisomie 13, 18 oder 21, dem sogenannten Downsyndrom, bekommt. Es kann außerdem auf andere Gen-Besonderheiten wie Turner-, Triple X-, XYY- und DiGeorge-Syndrom getestet werden.

Die Debatte geht auf ein Verfahren vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zurück. Der G-BA ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen. Von ihnen wurde ein Verfahren eingeleitet, das ergründet, ob der Test unter ganz bestimmten Bedingungen von den Krankenkassen gezahlt werden soll. Der Deutsche Ethikrat sowie andere Fachverbände sollen jetzt bis Anfang Mai dazu Stellung nehmen.

Wie ist die aktuelle Situation?

Obwohl in Einzelfällen einige Krankversicherungen bereits die Kosten tragen, muss der Test überwiegend selbst finanziert werden. Die Kosten dafür liegen je nach Umfang des Tests zwischen 130€ bis 300€.

Bluttests, die unter anderem untersuchen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen würde, können Schwangere schon seit 2012 durchführen lassen. Davor konnte dies nur mit invasiven Methoden, zum Beispiel mit einer Fruchtwasseruntersuchung, festgestellt werden. Invasive Pränataltests sind aber mit einem größeren Risiko für Mutter und Kind verbunden.

Was sagen Befürworter?

Befürworter betonen, dass nicht-invasive Tests weniger Gefahren für Mutter und Kind darstellen. Deshalb sollte der Bluttest vor einer Fruchtwasseruntersuchung stattfinden. Außerdem sollten Frauen, die sich den Test nicht leisten können, nicht benachteiligt werden.

Der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) hat sich in einer Stellungnahme für das Vorhaben ausgesprochen – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Der Test solle „indikationsbezogen“, also nur in Fällen, die ein akutes medizinisches Risiko darstellen, gezahlt werden.

Auch CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger sprach sich grundsätzlich für das Vorhaben aus. Er rät, den Test für Frauen ab 35 Jahren zur Krankenkassenleistung zu machen. Ab diesem Alter nimmt das Risiko, ein Kind mit Trisomie 21 zu bekommen, deutlich zu.

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Was sagen Kritiker?

In einem interfraktionellen Schreiben sprachen sich mehr als 100 Politiker gegen das Vorhaben aus. Wenn der Test zur Krankenkassenleistung wird, würden sich auch mehr Eltern für eine Durchführung entscheiden. Kritiker, darunter auch Behindertenverbände, äußern zudem die Befürchtung, dass in dem Fall kaum noch Kinder mit einer Trisomie geboren würden. Immer wieder kommt die Aussage „Neun von zehn Kinder werden nach einem solchen Test abgetrieben“ zur Sprache. Diese Zahlen können jedoch nicht vom Statistischen Bundesamt bestätigt werden.

SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt äußerte gegenüber dem Tagesspiegel, dass Eltern ein „Recht auf Nichtwissen“ haben. Schmidt, die selbst ein Kind mit Downsyndrom hat, sprach sich gegen das Vorhaben aus:  “Es darf kein Druck auf werdende Eltern aufgebaut werden, sich einem Test zu unterziehen.“

In den Tagen vor der Orientierungsdebatte wurden auch einige Stimmen aus der Gesellschaft laut. Bei einer Demonstration unter dem Motto „Inklusion statt Selektion“ in Berlin sprachen sich Behinderte sowie Nicht-Behinderte gegen das Vorhaben aus. Sie kritisierten vor Allem, dass Menschen mit Behinderung und deren Familien bis jetzt noch nicht in die Debatte miteinbezogen wurden.

Wann fällt die endgültige Entscheidung?

Ob der Bluttest für Schwangere zur Kassenleistung werden soll, beschließt nicht der Bundestag. Die Orientierungsdebatte dient vor allem der Meinungsbildung und Austausch von Gesellschaft, Parteien und Fraktionen. Die finale Entscheidung für oder gegen den Beschluss trifft der Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen (B-GA).

Der B-GA plant, im August dieses Jahres einen Beschlussentwurf zu finalisieren und definitiv zu entscheiden, ob der Bluttest von den Krankenkassen bezahlt werden soll. Spricht sich das Gremium für die Kostenübernahme aus, könnte dies ab Herbst 2020 Realität werden.


Quellen:

  • Hans Monath: Debatte über Trisomie-Tests „Ich habe es nie bereut“ (08.04.2019) In: Onlineausgabe Tagespiegel.de
    https://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-ueber-trisomie-tests-ich-habe-es-nie-bereut/24195964.html (letzter Abruf: 12.04.2019)
  • Interfraktionelles Positionspapier: Vorgeburtliche Bluttests-wie weit wollen wir gehen? http://www.netzwerk-praenataldiagnostik.de/fileadmin/praenatal-diagnostik/bilder/180703_Interfraktionelles_Positionspapier_NIPD.pdf  (letzter Abruf: 12.04.2019)