Schwangerschaftsübelkeit: Ursachen, Hilfe und Dauer der Übelkeit

Schwangerschaftsübelkeit – Hilfe für die ersten Wochen

Schwangerschaftsübelkeit beginnt bei vielen Frauen morgens gleich nach dem Aufwachen, bei anderen zieht sie sich durch den ganzen Tag. Lies hier, welche Ursachen Übelkeit in der Schwangerschaft haben kann, was dir jetzt helfen kann, ob dein Baby dadurch beeinträchtigt werden kann und ab wann du zum Arzt gehen solltest.

Nicht viel Zeit? Dann hol dir alle wichtigen Infos im Video in der Kurzzusammenfassung:

Die besten Tipps gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsübelkeit: Ursachen

Es gibt leider keine einfache Antwort darauf, warum viele Frauen in den ersten Wochen unter Schwangerschaftsübelkeit leiden. Es handelt sich vermutlich um eine Kombination von körperlichen Veränderungen, die dafür verantwortlich ist. Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Prof. Dr. Kai J. Bühling von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf sieht vor allem einen Zusammenhang zwischen dem rapiden Anstieg der Hormone Östrogen und ß-HCG ein, wodurch ein empfindlicher Geruchsinn, überschüssige Magensäure und einem Vitamin B-6 Mangel zustande kommen. Einige Wissenschaftler vermuten auch, dass Stress und Emotionen hierbei eine Rolle spielen.

Hilfe bei Übelkeit in der Schwangerschaft

Wenn du auf der Suche nach Hilfe gegen Übelkeit am Morgenbist, solltest du von Medikamenten auf jeden Fall die Finger lassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist darauf hin, dass handelsübliche Medikamente gegen Übelkeit wie Doxylamin sowie Medikamente mit Stoffen wie Dimenhydrinat oder Metoclopramid ausdrücklich nicht zur Behandlung von Morgenübelkeit in der Schwangerschaft zugelassen sind, weil aufgrund des Kindeswohls keine Studien an Schwangeren durchgeführt werden. Werden diese Medikamente doch eingenommen, spricht das Institut von einem „Off-label-use“, also einem nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch, der dringend mit einem Arzt abgesprochen werden muss. Wesentlich sicherer sind daher natürliche Hausmittel gegen Übelkeit in der Schwangerschaft:

Hausmittel gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Grundsätzlich hilft alles, was den Magen beruhigt:

  • Magenberuhigende Tees
    Tees aus Koriander, Fenchel, Anis, Kamille oder Melisse kannst du regelmäßig trinken.
  • Frühstücken
    Am besten noch vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen, wie zum Beispiel Zwieback. Ist der Kreislauf noch nicht in Schwung und der Blutzucker-Spiegel zudem niedrig, kann das die Übelkeit verstärken. Ein warmes Frühstück zum Beispiel mit zarten Haferflocken ist ein guter Start in den Tag. Die Flocken binden die überschüssige Magensäure.
  • Kaltes Wasser
    Manche Frauen schwören auf einen Schluck eiskaltes Wasser, wann immer das Unwohlsein zuschlägt.
  • Akupunktur oder Akupressur
    Dabei sollte der Punkt etwa Fingerbreit unter der Handgelenksbeugefalte stimuliert werden. Dafür gibt es auch spezielle Akupressur-Armbänder zu kaufen.

Vorsicht bei Ingwer in der Schwangerschaft! In kleinen dosen kann sie gegen Morgenübelkeit helfen, doch da die Knolle wehenfördernd sein kann, solltest du nach der 16. SSW keine größeren Mengen davon mehr zu dir nehmen. Ein noch ausführlichere Liste, was bei dir sonst noch helfen kann, findest du in dem Artikel: Mittel gegen Übelkeit.

Und ab wann wird die Übelkeit wieder besser?

Schwangerschaftsübelkeit: Ab wann und wie lange muss ich damit rechnen?

Die meisten Frauen leiden vor allem ab der 6. SSW an Morgenübelkeit, die bis zur 12. SSW anhalten kann. Doch auch das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Die gute Nachricht ist: Übelkeit in der Schwangerschaft, vor allem in der Frühschwangerschaft, gilt als gutes Zeichen! Es zeigt, dass ein hohes Maß an Schwangerschaftshormonen vorhanden ist und dies macht eine Fehlgeburt unwahrscheinlicher.

Schwangerschaftsübelkeit: Wie lange ist mir noch schlecht?

Bislang scheinen ein Hauptgrund für die Übelkeit Schwangerschaft typische Hormonwerte zu sein. Somit hört man oft, dass sie ein gutes Zeichen ist, das die stabile Hormonlage bestätigt. Ein schwacher Trost! Doch wenn diese Hormone nach der 12. SSW bis 16. SSW im Wert wieder sinken, dann bessert sich meist auch die Übelkeit und die Schwangere fühlt sich plötzlich „zum Bäume ausreißen“. Unglücklicherweise kann die Übelkeit, zum Beispiel durch Gerüche ausgelöst, in der gesamten Schwangerschaft kommen und gehen.

Aber keine Schwangerschaft ist wie die andere und das gilt auch bei der Schwangerschaftsübelkeit. Sie kann also sowohl wenige Wochen als auch mehrere Monate anhalten, letzteres ist jedoch eher selten. Nicht immer müssen sich Schwangere auch übergeben. In der Regel besteht nur ein andauerndes Gefühl der Übelkeit, Appetitlosigkeit oder auch des Ekels bei Gerüchen und Anblick von Nahrung. Doch diejenigen Frauen, die erbrechen, fühlen meist zunächst einige Zeit der Erleichterung.

Doch was ist, wenn die Übelkeit in der Schwangeschaft einfach nicht besser werden will und du nichts mehr bei dir behalten kannst?

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Hyperemesis Gravidarum – Was passiert, wenn ich nichts bei mir behalten kann?

Zum Glück geht es nur wenigen Frauen so schlecht, dass sie keine Nahrung oder Flüssigkeit bei sich behalten können. Wenn es bei dir so sein sollte, dann mache unbedingt einen Termin mit deinem Frauenarzt und sprich mit ihm über die Schwangerschaftsübelkeit und häufiges Erbrechen!

Die so genannte „Hyperemesis Gravidarum“ (starkes Erbrechen bei Schwangeren) kommt laut dem National Institute for Health Research Health Technology Assessment programme bei nur circa 0,3 bis einem Prozent der Schwangeren vor und kann behandelt werden. Unbehandelt allerdings kann es zur Unterversorgung, Dehydration (= starker Flüssigkeitsverlust) und anderen Komplikationen für dich und dein Baby kommen. Mehr Infos über diese krankhafte Übelkeit in der Schwangerschaft liest du hier: Hyperemesis gravidarum – wenn die Übelkeit nicht verschwindet.

Schwangerschaftsübelkeit: Häufigkeit

Auch wenn es dein Unwohlsein nicht verringert, vielleicht hilft es dir, zu wissen, dass du nicht allein bist. Laut dem Deutschen Ärzteblatt leiden 50 bis 90 Prozent der werdenden Mütter unter der Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft. Circa 28 Prozent der betroffenen Frauen haben nur einen flauen Magen, ohne zu erbrechen. Das Unangenehmste: Die Übelkeit in der Schwangerschaft kann zu jeder Tageszeit zuschlagen. Nur wenige Frauen haben sie nur am Morgen, fast immer begleitet sie die Schwangere durch den ganzen Tag.

Manchmal haben Frauen in der ersten Schwangerschaft keine Probleme, beim nächsten Kind kann es sie jedoch trotzdem treffen. Wer bereits Erfahrungen mit Schwangerschaftsübelkeit gemacht hat, und nun ein weiteres Kind plant, sollte vorab mit dem Frauenarzt über Möglichkeiten der Vorbeugung sprechen.

Übelkeit Schwangerschaft: Wird das Baby beeinträchtigt?

Eine milde Form der Schwangerschaftsübelkeit wird dein Baby nicht beeinträchtigen, solange du Nahrung bei dir behalten kannst und eine ausgewogene Kost sowie ausreichend Flüssigkeit zu dir nimmst.

Die meisten Frauen finden schnell heraus, was sie vertragen und wie oft sie am Tag etwas essen müssen, damit es ihnen besser geht. Wenn du Vitamin- und Nahrungsergänzungspräparate, etwa Folsäure, in der Schwangerschaft schlecht schlucken kannst, versuche es zusammen mit etwas Nahrung. Das ist dann auch verträglicher für den Magen.

Oft gibt es eine Tageszeit, zu der die Übelkeit in der Schwangerschaft besser ist und die daher für die Einnahme dann besser geeignet ist als andere Zeiten. Hilft auch dies nichts, iss täglich vitaminreiche Cerealien und achte auf eine vitaminreiche Ernährung, so bekommen du und dein Baby auch, was ihr braucht.

Übelkeit Schwangerschaft: Das kann sie verschlimmern

Alle eben genannten Tipps wirken vor allem vorbeugend gegen die Schwangerschaftsübelkeit. Doch im Alltag ist es schwer, sich Reizen zu entziehen, welche die Übelkeit verschlimmern können. Natürlich reagieren alle Schwangeren unterschiedlich, doch folgende sechs Übelkeits-Auslöser treten häufig auf. Ließ hier, was du dagegen tun kannst:

  • Gerüche
    Ein Tropfen Zitronen- oder Pfefferminz-Öl auf dem Handrücken, an dem man riechen kann, hilft, um sich vor anderen Gerüchen abzuschotten.
  • Hunger und ein niedriger Blutzucker-Spiegel
    Am besten gleich nach dem Aufwachen Zwieback oder Butterkekse essen, das stabilisiert den Blutzucker-Spiegel und Kreislauf. Tagsüber kleine Snacks dabeihaben und nicht erst bei großem Hungergefühl essen.
  • Flüssigkeitsmangel
    Genug trinken kann bei Übelkeit helfen. Bewährt haben sich Tees, eiskaltes oder warmes Wasser. Nimm kleinere Schlucke, das schont den Magen zusätzlich.
  • Fettige oder stark gewürzte Speisen
    Um den Magen durch schwer Verdauliches nicht zusätzlich zu stressen, auf leicht bekömmliche Kost ausweichen.
  • Stress
    Entspannung und Spaziergänge in den Tagesablauf einbinden
  • Müdigkeit
    Bewegung hilft, den Kreislauf etwas anzukurbeln. Ein Spaziergang an der frischen Luft, wirkt oft Wunder.

Risikofaktoren für Übelkeit in der Schwangerschaft

Untersuchungen haben ergeben, dass Frauen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder nachfolgende Voraussetzungen erfüllen, eher von Schwangerschaftsübelkeit betroffen sind:

  • Frauen, die Migräne mit Übelkeit und Erbrechen haben.
  • Frauen, die seekrank/ reisekrank werden und dabei Übelkeit oder Erbrechen erleben.
  • Frauen, die generell durch bestimmte Gerüche oder einen bestimmten Geschmack leicht unter Übelkeit leiden.
  • Frauen, die Erfahrung mit Übelkeit durch Einnahme der Pille haben.
  • Frauen, die Mehrlinge erwarten.
  • Frauen, die schon in vorherigen Schwangerschaft Übelkeit oder Erbrechen hatten

Ab wann sollte ich zum Arzt?

Menschen, die selbst nicht davon betroffen sind, verharmlosen diesen Zustand gern. Im Normalfall ist die Übelkeit sie ja auch weder für die Mutter noch für das Kind gefährlich, sondern hauptsächlich sehr störend und einschränkend in der Lebensqualität. Dennoch hat Schwangerschaftsübelkeit Krankheitswert und sollte auch so betrachtet werden. Hilfe bei der Verrichtung von Hausarbeit und Kinderbetreuung ist meistens angebracht und viele Schwangere können in diesem Zustand kaum arbeiten gehen, da die Konzentration unter dem Unwohlsein leidet. Manche Kollegen mögen das als Anstellerei betrachten, aber wer selbst einmal unter Schwangerschaftsübelkeit gelitten hat, wird Verständnis haben.

Wird eine Dehydration diagnostiziert, kannst du im Krankenhaus oder ambulant über eine intravenöse (= in die Vene) Zufuhr mit Flüssigkeit, Glucose und Elektrolyten versorgt werden. Außerdem ist die Gabe von Medikamenten gegen das Erbrechen abzuwägen, so dass eine Nahrungsaufnahme wieder möglich wird. Auf keinen Fall sollten solche Medikamente auf eigene Faust eingenommen werden. Die sorgfältige Auswahl des richtigen Wirkstoffs, der das Baby nicht schädigt und auch bei der werdenden Mutter keine Nebenwirkungen verursacht, ist unbedingt dem Arzt zu überlassen.

Du solltest übrigens auch mit deinem Arzt sprechen, wenn dir über längere Zeit absolut nicht nach Essen zumute ist und dadurch keine ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfolgt. Besonders wenn du Gewicht verlierst, muss überlegt werden, ob die Versorgung des Babys noch gewährleistet ist.