Wehen: Anzeichen richtig erkennen und Wehenarten unterscheiden

Wehen erkennen: Übungswehen bis Geburtswehen

Nicht alle Wehen bedeuten, dass es mit der Geburt los geht. Erfahre hier, wie du echte Wehen erkennen und von Vorwehen unterscheiden kannst und wie du den richtigen Zeitpunkt für den Weg zur Klinik abschätzt.

Nicht so viel Zeit? Im Video findest du die wichtigsten Anzeichen für Geburtswehen:

Geburtswehen - wie erkenne ich sie

Wehen: Überblick über verschiedene Wehenarten

Wehen begleiten dich eigentlich schon ab der zweiten Schwangerschaftshälfte. Solche ersten Übungswehen sind aber nur ein sanftes Training. Wesentlich intensiver werden die Wehen gegen Ende der Schwangerschaft. Geht es jetzt schon los? So kannst du die unterschiedlichen Wehen erkennen und voneinander unterscheiden.

Übungswehen (ab der 20. SSW)

Übungswehen sind die ersten Wehen, die du in deiner Schwangerschaft kennen lernen wirst. Etwa ab der 20. SSW können diese leichten Kontraktionen auftreten. Sie werden auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt, im Volksmund werden sie auch als „wilde Wehen“ bezeichnet.

Wie fühlen sich diese Wehen an? Bei den Übungswehen verhärtet sich deine Bauchdecke für eine knappe Minute. Das kann in unregelmäßigen Abständen mehrmals am Tag passieren, sollte aber vor allem im 2. Trimester noch nicht öfter als dreimal in der Stunde geschehen. Diese Wehenart ist absolut schmerzlos und bleibt manchmal sogar ganz unbemerkt. Gerade in der ersten Schwangerschaft ist es daher manchmal schwer diese Wehen erkennen zu können. Beim zweiten Kind weißt du dann sicher schon besser, auf welche Anzeichen du genau achten kannst.

Warum spricht man von Übungswehen? Die Kontraktionen sind tatsächlich Übungen für deinen Körper. Sie bereiten die Gebärmutter schon jetzt auf die Wehen bei der Geburt vor.
Wichtig: Übungswehen sind schmerzlos und unregelmäßig!

Übungswehen erkennen:

  • können ab der 20. SSW auftreten
  • sind schmerzlos
  • sind unregelmäßig
  • Bauchdecke verhärtet sich für eine knappe Minute
  • wirken nicht auf den Muttermund/ öffnen den Muttermund nicht

Vorwehen/ Senkwehen (ab der 36. SSW)

Gegen Ende der Schwangerschaft verändern sich die Wehen. Erkennen kannst du das daran, dass sie intensiver werden und auch als schmerzhaft empfunden werden können. Das sind dann die sogenannten Vorwehen beziehungsweise Senkwehen. Sie treten etwa drei bis vier Wochen vor der Geburt auf, also etwa ab der 36. SSW. Diese Senkwehen drücken das Baby weiter ins Becken und sind ein deutliches Anzeichen, dass es bald mit der Geburt losgeht. Wenige Tag vor der Geburt werden sie daher noch intensiver und schmerzhafter. Auch hier wird die Bauchdecke hart, zusätzlich hast du das Gefühl, Gebärmutter und Baby drücken auf die Blase. Diese Wehenart kann durchaus mit Schmerzen verbunden sein, die in die Leiste oder den unteren Rücken ausstrahlen. Die wichtigsten Senkwehen-Symptome sind dabei: Im Gegensatz zu den Eröffnungswehen sind die Kontraktionen noch unregelmäßig, werden schwächer und hören wieder auf.

Vorwehen/ Senkwehen erkennen:

  • können ab der 36. SSW auftreten
  • können zum Teil schmerzhaft sein
  • sind unregelmäßig
  • Bauchdecke verhärtet sich, Gebärmutter und Kind drücken auf die Blase
  • wirken nicht auf den Muttermund/ öffnen den Muttermund nicht

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Echte Wehen erkennen: Wie beginnen Wehen?

Wenn die Wehen schmerzhaft werden und der Geburtstermin kurz bevorsteht, ist es nachvollziehbar, wenn Schwangere fürchten, solche Senkwehen mit den Geburtswehen zu verwechseln. Tatsächlich ist es aber so, dass sich die Geburtswehen anders anfühlen und nur schwer ignoriert werden können. Frauen erkennen in den meisten Fällen die Zeichen der Geburt durch die veränderte Wehenqualität und durch die regelmäßigen Wehenabstände. Auch andere Nebeneffekte um die Geburt sind meist zu bemerken: Es kommt beispielsweiße häufig zu leichtem Durchfall.

Diese Tabelle hilft dir, echte Wehen erkennen zu können beziehungsweise sie von Vorwehen unterscheiden zu können.

Senkwehen/Vorwehen

Geburtswehen/ Eröffnungswehen
Treten bereist drei bis vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin auf Treten rund um den errechneten Entbindungstermin auf
Wehen bringen das Baby in Geburtsposition; schieben es tiefer ins Becken Wehen läuten die Geburt ein; sie wirken direkt auf den Muttermund und öffnen ihn
Senkwehen sind unregelmäßig Eröffnungswehen kommen in regelmäßigen, sich zunehmend verkürzenden Abständen
Wehen sind deutlich zu spüren aber meist nur mäßig schmerzhaft Sie fühlen sich meist wie ein starker Menstruationsschmerz mit Ziehen im Rücken an und werden zunehmend stärker und länger
(etwa 25 – 60 sec.)
Senkwehen werden weniger, wenn man ein warmes Bad nimmt Eröffnungswehen können durch das warme Baden intensiver werden.

Geburtswehen: Eröffnungswehen bis Nachwehen

Während der Geburt kommen noch einmal verschiedene Wehenarten auf dich zu. Nach den Eröffnungswehen kommen Austreibungs- und Presswehen, die dein Kind endgültig auf die Welt schieben. Die Nachgeburtswehen stoßen die Plazenta ab und die Nachwehen helfen der Gebärmutter bei der Rückbildung.

Wie fühlen sich Wehen an?

Eine große Angst, die Frauen bei der Geburt haben, sind die Schmerzen während der Wehen. Wie schmerzhaft du selbst die Wehen empfinden wirst, hängt von deiner generellen Schmerzempfindlichkeit und vom aktuellen Grad deiner Entspannung ab. Versuche, statt dich zu verkrampfen, besser die Wehen willkommen zu heißen: „Jede Wehe bringt mich meinem Kind näher!“ Die Wehen erkennen, sie willkommen heißen und sie als etwas Positives wahrzunehmen, das ist übrigens auch die Theorie, die hinter dem sogenannten Hypnobirthing steckt. Eine Geburtstechnik, die eine weitestgehend schmerzlose Geburt verspricht – Experten stehen dem Trend aber skeptisch gegenüber. Allerdings schreibt auch die Hebamme Jana Friedrich in ihrem Buch „Das Geheimnis einer schönen Geburt“, dass eine positive Einstellung beeinflusst, wie sich Wehen anfühlen können. Sie schreibt: „Geburtswehen sind gute Schmerzen! (…) Geburtswehen sind etwas, worauf man sich freuen oder sie zumindest als schöne Herausforderung erwarten kann. Geburtswehen kommen und gehen und der Körper nimmt dadurch keinerlei Schaden.“

Schmerz lass nach! Wie fühlen sich Wehen an?

So fühlen sich Eröffnungswehen an

Die sogenannten Eröffnungswehen sind der Startschuss für die Geburt und für dich ist der Moment gekommen, dich auf den Weg ins Krankenhaus zu machen. Wie bereits erwähnt, wird es dir leichtfallen, diese Wehen erkennen zu können. Anfangs fühlen sie sich noch an, wie Menstruationsschmerzen, werden in ihrer Intensität aber schnell stärker. Sie kommen in regelmäßigen Abständen, auch wenn die Wehenabstände zu Beginn der Geburt noch recht groß sein können.

Handelt es sich bei den Wehen also um Geburtswehen, dann messe jetzt die Wehenabstände, notiere diese gegebenenfalls und versuche, ausreichend ruhig und tief zu atmen. Verkrampfe nicht, sondern bleibe so entspannt wie es dir möglich ist. Wenn du unsicher bist, ob es wirklich los geht, kontaktiere deinen Frauenarzt oder deine Hebamme oder direkt den Kreißsaal und kläre, wie du weiter vorgehen sollst. Deine Kliniktasche solltest du schon einige Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin bereithalten, damit du jetzt startklar bist. Es bleibt aber noch genug Zeit, noch die letzten Sachen einzupacken. Das Baby wird nicht sofort auf die Welt kommen.

Tatsächlich ist die Phase der Eröffnungswehen die längste Phase der Geburt. Diese Wehen wirken direkt auf den Muttermund und öffnen ihn Zentimeter für Zentimeter. Er muss bis auf zehn Zentimeter gedehnt werden, damit das Köpfchen des Babys hindurch passt. „Die Eröffnungsphase dauert bei Erstgebärenden zwischen 10 und 12 Stunden, bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben (Mehrgebärende) verkürzt sie sich meist auf 6 bis 8 Stunden. Die Zeiten sind aber sehr variabel, (…)“, erklärt der Berufsverband der Frauenärzte e.V. in einem Info-Artikel über die Geburtsphase auf Frauenärzte im Netz.

Unser Link-Tipp: Wie genau diese Wehen auf den Muttermund wirken, siehst du in diesem YouTube-Video besonders anschaulich. Mit einem Tischtennisball und einem Luftballon erklärt eine Hebamme, was dabei in deinem Körper passiert.

Geburtswehen - wie erkenne ich sie

Presswehen: Das Baby kommt

Ist der Muttermund komplett geöffnet, beginnt die sogenannte Austreibungsphase. Jetzt setzen die Austreibungs- und Presswehen ein – dein Kind will endlich auf die Welt kommen. Stell dich darauf ein, dass diese Phase besonders anstrengend wird, die Wehen intensiv und die Wehenabstände kurz. Aber danach kannst du dein Baby endlich in den Händen halten: Gibt es eine bessere Motivationshilfe?

Nachgeburtswehen: Die Plazenta löst sich

In dieser letzten Phase der Geburt kommt es erneut zu Wehen. Erkennen wirst du diese aber kaum. Sie sind schmerzlos und haben die Aufgabe, die Plazenta von der Gebärmutterwand zu lösen. Mehr Infos dazu liest du auch hier: Nachgeburt, die letzte Phase der Geburt.

Wehen: Wann ins Krankenhaus?

Kommen die Wehen in regelmäßigen Abständen von zehn Minuten, solltest du dich auf den Weg zum Kreißsaal machen – bei längerer Anfahrt auch schon etwas früher.

Bei Blasensprung ins Krankenhaus

Am Ende der Schwangerschaft wird der Frauenarzt oder die Hebamme regelmäßig kontrollieren, wie tief der Fötus bereits im Becken liegt. Sollte es zu einem vorzeitigen Blasensprung kommen, bevor das Kind mit dem Kopf vollständig im Becken liegt, ist ein liegender Transport zum Kreißsaal ratsam. Es besteht das Risiko, dass die Nabelschnur unter den Kopf des Fötus gelangt und während der Geburt abgedrückt wird. Frage im Kreißsaal nach, falls du unsicher bist, ob ein liegender Transport notwendig ist.

Weitere Gründe sofort in die Klinik zu fahren:

  • vaginale Blutungen (auch leichte Schmierblutungen)
  • plötzliche Schmerzen zusätzlich zu den Wehen
  • Abgang von Flüssigkeit aus der Scheide (möglicher Blasensprung)
  • Fieber oder erhöhte Körpertemperatur
  • vorzeitiger Abgang des Schleimpfropfs
  • Augenflimmern
  • Übelkeit, Schwindelanfälle

Vorzeitige Wehen erkennen und richtig reagieren

Bei einem normalen, zeitgerechten Geburtsablauf setzen die Wehen ein, wenn die Entwicklung des Fötus im Bauch abgeschlossen und er somit geburtsreif ist. Doch es kommt auch vor, dass Frauen vorzeitig Wehen haben und eine Frühgeburt droht. Anzeichen für eine Frühgeburt sind generell: vorzeitige Wehen, die vorzeitige Öffnung des Muttermundes und der vorzeitige Blasensprung.

Wehentätigkeit in der Schwangerschaft ist nicht immer ein Zeichen einer drohenden Frühgeburt. Jedoch ist bei fünf bis sechs Wehen je Stunde zu erwarten dass sich der Muttermund öffnet, ebenso bei mehr als zehn schmerzhaften Wehen pro Tag und dies ist als problematisch anzusehen.

Man spricht von einer Frühgeburt, wenn das Baby vor der vollendeten 36. SSW geboren wird. Durch den medizinischen Fortschritt ist ein Frühgeborenes inzwischen meist ab der 24. SSW außerhalb des Mutterleibes lebensfähig, jedoch noch vielen Risiken ausgesetzt.

Darum ist es wichtig, dass sich Schwangere mit vorzeitigen Wehen strikt an die ärztlichen Vorgaben halten, sich entsprechend schonen und versuchen die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten. Meist wird die Einnahme von Magnesium verschrieben, da dieses sich entkrampfend auf die Muskulatur auswirkt. Manche Frauenärzte verschreiben Magnesium routinemäßig da es bei Schwangeren leicht zu einem Mangel kommt, weil der Fötus besonders in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten einen Großteil davon beansprucht. Magnesiummangel kann vorzeitige Wehen auslösen, häufig gehen dem Wadenkrämpfe, Kopfschmerzen, Depressionen oder Übelkeit und Erbrechen voraus.

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Quellen:

Friedrich, Jana (2017): Das Geheimnis einer schönen Geburt: Finde den richtigen Weg zu deiner persönlichen Traumgeburt. CreateSpace Independent Publishing Platform

Prof. Dr. med. Kainer, Franz; Nolden, Annette (2009): Das große Buch zur Schwangerschaft – Umfassender Rat für jede Woche. Gräfe und Unzer Verlag, S. 323 – 339

Uhl, Bernhard (2013): Gynäkologie und Geburtshilfe compact: Alles für Station, Praxis und Facharztprüfung. Thieme. S. 258 – 273

Berufsverband der Frauenärzte e.V.; Dr. med. Farrokh, André (2018): Geburtsphasen. In: frauenaerzte-im-netz.de. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/geburt/geburtsphasen/ (letzter Aufruf: März 2019)