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Wehen erkennen: Sind das echte Geburtswehen?

Wehen nimmt jede Frau etwas anders wahr. Trotzdem gibt es ein paar eindeutige Anzeichen, woran du echte Wehen erkennen kannst. Lerne Geburtswehen von Übungs- oder Vorwehen zu unterscheiden, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, ins Krankenhaus zu fahren.

geprüft von Anja Stern und Marie Beinhauer, Hebammen

Wehen haben viel Kraft. So erkennst du sie
Wehen haben viel Kraft. So erkennst du sie
© Unsplash/ Jeremy Bishop

FAQ zum Thema Wehen

Wie beginnen Wehen?

Was löst Wehen aus?

Wo spürt man Wehen?

Wie lange dauert eine Wehe?

Welcher Abstand zwischen Wehen?

Wann muss ich ins Krankenhaus?

Wehen: Überblick über verschiedene Wehenarten

Nicht jedes Ziehen im Bauch und nicht jeder unregelmäßige Schmerz bedeutet, dass dein Baby jetzt auf die Welt kommen will. Tatsächlich begleiten dich Wehen schon ab der zweiten Schwangerschaftshälfte. Das sind sogenannte Übungswehen. Sie sind eher schmerzlos und nur ein erstes sanftes Training für die Geburt.

Etwa drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin – also um die 34. und 36. SSW – wirst du dann eine weitere Wehenart kennen lernen: die Senkwehen. Diese Kontraktionen wirst du viel intensiver spüren. Sie drücken das Baby tiefer ins Becken und sind eine wichtige Vorbereitung für die Entbindung.

Ausführliche Informationen hierzu findest du hier:

Im Unterschied zu diesen vorbereitenden Wehenarten helfen dir die Geburtswehen – also Eröffnungswehen, Austreibungs- und Presswehen – aktiv dabei, dein Kind auf die Welt zu bringen. Du wirst sie also viel intensiver wahrnehmen können.

Echte Wehen erkennen: wichtige Unterschiede

Wenn der Geburtstermin kurz bevorsteht und die Wehen schmerzhaft werden, ist die Sorge nachvollziehbar, Senkwehen mit den Geburtswehen zu verwechseln. Tatsächlich ist eine Verwechslung aber nahezu unmöglich.

Wie erkenne ich Wehen?

Frauen erkennen in den meisten Fällen die Zeichen der Geburt durch eine veränderte Wehenqualität. Geburtswehen sind deutlich als eine Art

  • starker Menstruationsschmerz mit Ziehen im Rücken zu erkennen,
  • der zunehmend stärker wird,
  • länger anhält und
  • in regelmäßigen, aber immer kürzeren Abständen kommt.

Wehen-Badewannentest

Der beste Trick ist Wärme, um diese muttermundwirksamen Wehen erkennen zu können. Während du bei Vorwehen die Schmerzen durch Wärme (etwa in der Badewanne) lindern kannst, kann das bei Geburtswehen genau das Gegenteil bewirken.

Diese Tabelle hilft dir, echte Wehen von anderen Wehenarten unterscheiden zu können:

Senkwehen/Vorwehen Geburtswehen/ Eröffnungswehen
Treten bereist drei bis vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin auf Treten rund um den errechneten Entbindungstermin auf
Wehen bringen das Baby in Geburtsposition; schieben es tiefer ins Becken Wehen läuten die Geburt ein; sie wirken direkt auf den Muttermund und öffnen ihn
Senkwehen sind unregelmäßig Eröffnungswehen kommen in regelmäßigen, sich zunehmend verkürzenden Abständen
Wehen sind deutlich zu spüren aber meist nur mäßig schmerzhaft Sie fühlen sich meist wie ein starker Menstruationsschmerz mit Ziehen im Rücken an und werden zunehmend stärker und länger (etwa 25 – 60 sec.)
Der Abstand zwischen den Wehen beträgt mindestens 10 Minuten Der Abstand zwischen den Wehen beträgt 5 – 10 Minuten und wird immer kürzer
Der Schmerz lässt sich zwischen Nabel und Schambein lokalisieren Die Schmerzen beginnen im Kreuz und ziehen nach vorne
Senkwehen werden weniger, wenn man ein warmes Bad nimmt Eröffnungswehen können durch das warme Baden intensiver werden

Auch andere Nebeneffekte um die Geburt sind meist ein gutes Anzeichen, dass es bald losgeht. So können sich die Kontraktionen der Gebärmutter auf die Verdauung auswirken. Es kommt dann beispielsweiße zu sehr weichem Stuhlgang oder leichtem Durchfall.

Geburtswehen erkennen

Ich habe Wehen: Wann ins Krankenhaus?

Keine Geburt verläuft gleich, daher solltest du dich nicht zu sehr auf konkrete Zeitangaben verlassen. Achte vor allem auf dein Bauchgefühl und welche Signale dir dein Körper sendet. Bist du dir unsicher, ob du Wehen erkennen kannst und es jetzt wirklich los geht, kontaktiere deine Hebamme. Sie hat ich in deiner Schwangerschaft begleitet und kann aufgrund ihrer Erfahrung die Situation gut einschätzen. Deine Kliniktasche solltest du schon einige Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin bereithalten, damit du jetzt startklar bist.

Als grobe Richtlinie kannst du diese Angaben nutzen: Du solltest dich auf den Weg zum Kreißsaal machen, wenn …

  •  … die Wehen über 1-2 Stunden in regelmäßigen Abständen auftreten und du dich zu Hause nicht mehr wohlfühlst.
  • … sie in der Intensität stärker und länger werden – bis zu 60 Sekunden.
  • … sie bei Wärme intensiver werden.
  • … du hast das Gefühl, die Wehe veratmen zu müssen.

Bei längerer Anfahrt gegebenenfalls auch schon etwas früher. Dabei gilt: Keine Panik. Dein Baby wird nicht sofort auf die Welt kommen. Bei Erstgebärenden dauert die Geburt durchschnittlich zwölf bis 14 Stunden.

Bei Blasensprung ins Krankenhaus

In den meisten Fällen platzt dir Fruchtblase erst während der Eröffnungswehen. Passiert das noch bevor die Wehen eingesetzt haben, sprechen Ärzte und Hebammen von einem vorzeitigen Blasensprung. Das ist kein unmittelbares Risiko für dein Kind, aber du solltest jetzt trotzdem ins Krankenhaus fahren. Setzen die Geburtswehen nach 24 Stunden nicht von selbst ein, werden die Ärzte die Geburt einleiten.

Am Ende der Schwangerschaft wird der Frauenarzt oder die Hebamme regelmäßig kontrollieren, wie tief dein Baby bereits im Becken liegt. Ist es noch nicht tief genug nach unten in seine endgültige Geburtsposition gerutscht und solltest du dennoch eindeutige Wehen erkennen können, kann ein liegender Transport zum Kreißsaal ratsam sein. Die Nabelschnur kann möglicherweise unter den Kopf des Fötus gelangt und während der Geburt abgedrückt werden. Frage im Kreißsaal nach, falls du unsicher bist, ob ein liegender Transport notwendig ist.

Vorsicht, wenn Wehen zu früh einsetzen

Sofort reagieren solltest du, wenn du mehr als drei Mal in der Stunde deutliche Kontraktionen spürst, obwohl der errechnete Geburtstermin eigentlich noch mehrere Wochen entfernt liegt. Dabei könnte es sich um vorzeitige Wehen handeln – eine Frühgeburt droht. Es gibt jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten, um die Gebärmutter wieder zu beruhigen und die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten.

Weitere Gründe sofort in die Klinik zu fahren:

  • vaginale Blutungen (auch leichte Schmierblutungen)
  • deutlich weniger Kindsbewegungen
  • plötzliche Schmerzen zusätzlich zu den Wehen
  • Abgang von Flüssigkeit aus der Scheide (möglicher Blasensprung)
  • plötzliches Fieber
  • vorzeitiger Abgang des Schleimpfropfs
  • Augenflimmern
  • Übelkeit
  • Schwindelanfälle
  • erhöhter Blutdruck

„Auch wenn keine Symptome vorliegen sollte jede Schwangere immer auf ihr Bauchgefühl hören und sich ärztlich vorstellen, wenn sie sich unwohl fühlt“, ergänzen die Hebammen Anja & Marie von dem Blog hallohebamme.de.

Geburtswehen: Eröffnungswehen bis Nachwehen

Während der Geburt erlebst du ganz verschiedene Arten von Wehen. Erkennen und unterscheiden lassen sie sich recht eindeutig. Jede Wehenart hat eine andere Aufgabe bei der Geburt: Eröffnungswehen öffnen den Muttermund, danach kommen Austreibungs- und Presswehen, die dein Kind endgültig auf die Welt schieben, die Nachgeburtswehen lösen die Plazenta von der Gebärmutterwand und helfen diese zu gebären. Die Nachwehen bewirken, dass sich die Gebärmutter wieder hinter das Schambein zurück zieht. Dies dauert in der Regel zehn bis 14 Tage.

Keine Angst vor Wehen

Eine große Angst, die Frauen bei der Geburt haben, sind die Schmerzen. Wie schmerzhaft du selbst die Kontraktionen empfinden wirst, hängt von deiner generellen Schmerzempfindlichkeit und vom aktuellen Grad deiner Entspannung ab. Versuche, statt dich zu verkrampfen, auch den Schmerz willkommen zu heißen: „Jede Wehe bringt mich meinem Kind näher!“ Die Wehen erkennen, sie willkommen heißen und sie als etwas Positives wahrzunehmen, das ist übrigens auch die Theorie, die hinter dem sogenannten Hypnobirthing steckt. Eine Geburtstechnik, die eine weitestgehend schmerzlose Geburt verspricht – Experten stehen dem Trend aber skeptisch gegenüber.

Aber wir wollen den Wehenschmerz gar nicht leugnen. Er ist wohl die intensivste, körperliche Erfahrung, die du als Frau machen wirst. Unsere Mama-Autorin Kristin hat für uns aufgeschrieben, wie sie die Geburtswehen wahrgenommen hat. Hier kommt ihre ungeschminkte Wahrheit auf die Frage: Wie fühlen sich Wehen an?

Eröffnungswehen sind der Startschuss für die Geburt

Echte Wehen erkennen: Wenn davon die Rede ist, sind die Eröffnungswehen gemeint, denn sie leite die Geburt ein. Anfangs fühlen sich die Wehen noch an, wie Menstruationsschmerzen, werden in ihrer Intensität aber schnell stärker. Sie kommen in regelmäßigen Abständen, auch wenn diese zu Beginn der Geburt noch recht groß sein können. Franz Kainer und Annette Nolden schreiben in ihrem Schwangerschaftsratgeber Das große Buch der Schwangerschaft über den Wehen-Abstand: „Die Wehenfrequenz beginnt zunächst mit zwei bis drei Wehen in 30 Minuten. Im Verlauf der Eröffnungsphase erhöht sie sich dann langsam bis auf zwei bis drei Wehen in zehn Minuten.“ Auch die Dauer der Kontraktionen wird länger: 30 bis 60 Sekunden können sie anhalten. Versuche, die Pausen zwischen den Wehen ausreichend zur Entspannung zu nutzen. Versuche ruhig und tief zu atmen und verkrampfe nicht.

Die Phase der Eröffnungswehen ist die längste Phase der Geburt. Diese Wehen wirken direkt auf den Muttermund und öffnen ihn Zentimeter für Zentimeter. Er muss bis auf zehn Zentimeter gedehnt werden, damit das Köpfchen des Babys hindurch passt. „Die Eröffnungsphase dauert bei Erstgebärenden zwischen 10 und 12 Stunden, bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben (Mehrgebärende) verkürzt sie sich meist auf 6 bis 8 Stunden. Die Zeiten sind aber sehr variabel, (…)“, erklärt der Berufsverband der Frauenärzte e.V. in einem Info-Artikel über die Geburtsphase auf Frauenärzte im Netz.

So wirken Geburtswehen auf den Muttermund

Unser Link-Tipp: Wie genau die Eröffnungswehen auf den Muttermund wirken, siehst du in diesem YouTube-Video besonders anschaulich. Mit einem Tischtennisball und einem Luftballon erklärt eine Hebamme, was dabei in deinem Körper passiert.

Das passiert bei Geburtswehen in deinem Körper

Presswehen: Das Baby kommt

Ist der Muttermund komplett geöffnet, wirst du eine neue Art von Wehen erkennen können. Jetzt beginnt die sogenannte Austreibungsphase und die Austreibungs- und Presswehen setzen ein. Dein Kind will endlich auf die Welt kommen. Stell dich darauf ein, dass diese Phase besonders anstrengend wird, die Wehen sind intensiv und die Wehenabstände kurz. Aber danach kannst du dein Baby endlich in den Händen halten: Gibt es eine bessere Motivationshilfe?

Nachgeburtswehen: Die Plazenta löst sich

In dieser letzten Phase der Geburt erwartet dich noch eine weitere Wehenart. Bemerken wirst du diese aber kaum. Die Kontraktionen sind schmerzlos und haben die Aufgabe, die Plazenta von der Gebärmutterwand zu lösen. Mehr Infos dazu liest du auch hier: Nachgeburt, die letzte Phase der Geburt.

Auch wenn du dich ausführlich über Wehen informierst, am Ende wirst du sie auf deine Weiße erleben. Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist anders. Versuche, dich nicht von den Horror-Geschichten anderer Mütter verrückt machen zu lassen. Die Erfahrung wird dich auf jeden Fall prägen – ob positiv oder negativ, das hast auch du ein Stück weit in der Hand.

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Quellen