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Wehen erkennen: Sind das echte Geburtswehen?

Kraftvolle Welle bricht
Wehen haben viel Kraft. So erkennst du sie
© Unsplash/ Jeremy Bishop

Wehen nimmt jede Frau etwas anders wahr. Trotzdem gibt es ein paar eindeutige Anzeichen, woran du muttermundwirksame Wehen erkennen kannst. So fühlen sich Eröffnungswehen an.

geprüft von Anja Stern und Marie Beinhauer, Hebammen

Muttermundwirksame Wehen erkennen: wichtige Unterschiede

Wenn der Geburtstermin kurz bevorsteht, wirst du immer wieder Wehen spüren können. Diese sogenannten Senkwehen treten häufig ab der 34. SSW bis 36. SSW auf. Sie helfen, dass Gebärmutter und Baby tiefer in das Becken sinken. Damit sind sie eine wichtige Vorbereitung auf die Geburt. Aber sie wirken – anders als echte Geburtswehen – noch nicht auf deinen Muttermund.

: Wehen ab der 20. SSW?
Infos zu den Übungswehen

Wehen begleiten dich schon ab der zweiten Schwangerschaftshälfte. Das sind sogenannte Übungswehen. Sie sind eher schmerzlos und nur ein erstes sanftes Training für die Gebärmutter.

Mehr Infos: Übungswehen erkennen

Viele Frauen spüren Senkwehen schon deutlich. Die Kontraktionen können regelmäßig kommen und vielleicht sogar schmerzhaft sein. Natürlich ist da die Sorge groß, solche Senkwehen mit den Geburtswehen zu verwechseln. Tatsächlich sind die Unterschiede aber deutlich: Du wirst auch beim ersten Kind die muttermundwirksamen Wehen gut erkennen können.

Wie erkenne ich Eröffnungswehen?

Frauen erkennen in den meisten Fällen die Zeichen der Geburt durch eine veränderte Wehenqualität. Eröffnungswehen sind deutlich als eine Art

  • starker Menstruationsschmerz mit Ziehen im Rücken zu erkennen,
  • der zunehmend stärker wird,
  • länger anhält und
  • in regelmäßigen, aber immer kürzeren Abständen kommt.

Wehen-Badewannentest

Der beste Trick ist Wärme, um diese muttermundwirksamen Wehen erkennen zu können. Während du bei Senkwehen/ Vorwehen die Schmerzen durch Wärme (etwa in der Badewanne) lindern kannst, kann das bei Geburtswehen genau das Gegenteil bewirken.


Diese Tabelle hilft dir außerdem, Senk- und Geburtswehen zu unterscheiden:

Senkwehen/Vorwehen Geburtswehen/ Eröffnungswehen
3-4Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin rund um den errechneten Entbindungstermin
Wehen bringen das Baby in Geburtsposition;
schieben es tiefer ins Becken
Wehen läuten die Geburt ein;
sie wirken direkt auf den Muttermund und öffnen ihn
unregelmäßig regelmäßige, sich zunehmend verkürzende Abstände
deutlich zu spüren aber meist nur mäßig schmerzhaft starker Menstruationsschmerz mit Ziehen im Rücken
wird zunehmend stärker und länger (etwa 25 – 60 sec.)
Abstand zwischen den Wehen mindestens 10 Min. Abstand zwischen den Wehen beträgt 5 – 10 Min.; wird immer kürzer
Schmerz lässt sich zwischen Nabel und Schambein lokalisieren Schmerzen beginnen im Kreuz und ziehen nach vorne
Wärme kann Schmerzen lindern Wehen können durch Wärme intensiver werden

Auch andere Nebeneffekte rund um die Geburt sind meist ein gutes Anzeichen, dass es bald losgeht. So können sich die Kontraktionen der Gebärmutter auf die Verdauung auswirken. Es kommt dann beispielsweise zu sehr weichem Stuhlgang oder leichtem Durchfall.

: Geht es jetzt los?

Ich habe Wehen: Wann ins Krankenhaus?

Ganz wichtig: Keine Panik. Dein Baby wird nicht sofort auf die Welt kommen. Bei Erstgebärenden dauert die Geburt durchschnittlich zwölf bis 14 Stunden. Du hast also noch genügend Zeit für den Weg ins Krankenhaus.

Aber: Keine Geburt verläuft gleich. Daher solltest du dich nicht zu sehr auf konkrete Zeitangaben verlassen. Achte vor allem auf dein Bauchgefühl und welche Signale dir dein Körper sendet.

Als grobe Richtlinie kannst du diese Angaben nutzen: Du solltest dich auf den Weg zum Kreißsaal machen, wenn

  • … die Wehen über 1-2 Stunden in regelmäßigen Abständen auftreten und du dich zu Hause nicht mehr wohlfühlst.
  • … sie in der Intensität stärker und länger werden – bis zu 60 Sekunden.
  • … sie bei Wärme intensiver werden.
  • … du hast das Gefühl, die Wehe veratmen zu müssen.

Bei längerer Anfahrt solltest du dich gegebenenfalls schon etwas früher auf den Weg machen.

Bist du dir unsicher, ob du Wehen erkennen kannst und ob es jetzt wirklich los geht, kontaktiere deine Hebamme. Sie hat ich in deiner Schwangerschaft begleitet und kann aufgrund ihrer Erfahrung die Situation gut einschätzen.

Bei Blasensprung ins Krankenhaus

In den meisten Fällen platzt die Fruchtblase erst während der Eröffnungswehen. Passiert das noch bevor die Wehen eingesetzt haben, sprechen Ärzte und Hebammen von einem vorzeitigen Blasensprung. Das ist kein unmittelbares Risiko für dein Kind, aber du solltest jetzt trotzdem ins Krankenhaus fahren. Setzen die Geburtswehen nach 24 Stunden nicht von selbst ein, werden die Ärzte die Geburt einleiten.

Vorsicht, wenn Wehen zu früh einsetzen

Sofort reagieren solltest du, wenn du mehr als drei Mal in der Stunde deutliche Kontraktionen spürst, obwohl der errechnete Geburtstermin eigentlich noch mehrere Wochen entfernt liegt. Dabei könnte es sich um vorzeitige Wehen handeln – eine Frühgeburt droht. Es gibt jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten, um die Gebärmutter wieder zu beruhigen und die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten.

Weitere Gründe sofort in die Klinik zu fahren:

„Auch wenn keine Symptome vorliegen sollte jede Schwangere immer auf ihr Bauchgefühl hören und sich ärztlich vorstellen, wenn sie sich unwohl fühlt“, ergänzen die Hebammen Anja & Marie von dem Blog hallohebamme.de.

Was passiert, wenn ich Geburtswehen habe?

Echte Wehen: Wenn davon die Rede ist, sind muttermundwirksame Wehen gemeint. Die Geburtswehen lassen sich aber nochmals in verschiedene Wehenarten unterteilen:

  • Eröffnungswehen: Sie machen 90 Prozent deiner Geburtswehen aus. Sie verkürzen den Gebärmutterhals und öffnen den Muttermund.
  • Übergangswehen: Sie öffnen den Muttermund die letzten paar Zentimeter. Sie werden oft als besonders unangenehm empfunden. Erst wenn der Muttermund auf 10 Zentimeter geöffnet ist, wird das Baby auf die Welt kommen.
  • Presswehen/ Austreibungswehen: Bei den Presswehen drückt der Kopf des Babys auf den Darm und die Frau verspürt deswegen den Drang zu pressen. Diese Phase kann 20 Minuten, eine Stunde und manchmal auch länger dauern.
  • Nachgeburtswehen: Die Kontraktionen sind im Vergleich eher schmerzlos und haben die Aufgabe, die Plazenta von der Gebärmutterwand zu lösen. Mehr Infos dazu liest du hier: Nachgeburt, die letzte Phase der Geburt.

Jede Wehenart hat eine andere Aufgabe bei der Geburt. Was dich in welcher Geburtsphase erwartet, haben wir auch hier nochmal zusammengefasst:

: Wie läuft eine Geburt ab?

Was während der Geburt in deinem Körper passiert, hat uns die Hebamme Sandra Scheider in einem eindrucksvollen Video erklärt – nämlich mit einem Luftballon und einem Tischtennisball.

Und wie fühlen sich diese Wehen an?

Eine große Angst, die Frauen bei der Geburt haben, sind die Schmerzen. Wie schmerzhaft du selbst die Kontraktionen empfinden wirst, hängt von deiner generellen Schmerzempfindlichkeit und vom aktuellen Grad deiner Entspannung ab. Versuche, statt dich zu verkrampfen, auch den Schmerz willkommen zu heißen: „Jede Wehe bringt mich meinem Kind näher!“ Die Wehen erkennen, sie willkommen heißen und sie als etwas Positives wahrzunehmen, das ist übrigens auch die Theorie, die hinter dem sogenannten Hypnobirthing steckt.

Aber wir wollen den Wehenschmerz gar nicht leugnen. Er ist wohl die intensivste, körperliche Erfahrung, die du als Frau machen wirst. Unsere Mama-Autorin Kristin hat für uns aufgeschrieben, wie sie die Geburtswehen wahrgenommen hat. Hier kommt ihre ungeschminkte Wahrheit auf die Frage:

: Erfahrungsbericht

Viele Frauen vergleichen Eröffnungswehen am Anfang noch mit einem intensiven Menstruationsschmerz. Du kannst die Wehen als Ziehen in der Leistengegend, im Rücken, im Kreuz- oder Steißbein spüren. Schnell, wird das Ziehen intensiver, der Abstand zwischen den Kontraktionen kürzer und sie halten länger an (30 bis 60 Sekunden).

Franz Kainer und Annette Nolden schreiben in ihrem Schwangerschaftsratgeber „Das große Buch der Schwangerschaft“ über den Wehen-Abstand: „Die Wehenfrequenz beginnt zunächst mit zwei bis drei Wehen in 30 Minuten. Im Verlauf der Eröffnungsphase erhöht sie sich dann langsam bis auf zwei bis drei Wehen in zehn Minuten.“

In der Austreibungsphase wird sich die Wehenqualität ein weiteres Mal ändern. Stell dich darauf ein, dass diese Phase besonders anstrengend wird. Die Wehen sind intensiv und die Wehenabstände kurz. Aber danach kannst du dein Baby endlich in den Händen halten: Gibt es eine bessere Motivationshilfe?

Auch wenn du dich ausführlich über Wehen informierst, am Ende wirst du sie auf deine Weise erleben. Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist anders. Versuche, dich nicht von den Horror-Geschichten anderer Mütter verrückt machen zu lassen. Die Erfahrung wird dich auf jeden Fall prägen – ob positiv oder negativ, das hast auch du ein Stück weit in der Hand.

Du hast nicht viel Zeit? Dann klick dich durch das nachfolgenden Wehen-FAQ.

FAQ zum Thema Wehen

Wie beginnen Wehen?

Was löst Wehen aus?

Wo spürt man Wehen?

Wie lange dauert eine Wehe?

Abstand zwischen den Wehen?

Wann ins Krankenhaus?

Quellen

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