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Zu viel Fruchtwasser: Ist das gefährlich?

© Unsplash/ Mickael Tournier

Fruchtwasser gilt als das Lebenselixier für Babys. Doch kann es auch zu viel des Guten sein? Was bedeutet es, wenn du zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion) hast?

Was bedeutet Polyhydramnion?

Von einer Polyhydromnie (auch Hydramnion genannt) wird gesprochen, wenn deine Fruchtblase zu viel Fruchtwasser für die aktuelle Schwangerschaftswoche enthält.

Zum Beispiel über 2.000 Milliliter in der 30. SSW. Normal sind zwischen 800 und 1.500 Milliliter.

Zu viel Fruchtwasser kann theoretisch zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft vorkommen. Typischerweise besteht ein Fruchtwasserüberschuss aber gegen Ende der Schwangerschaft (um den Geburtstermin und bei einer Übertragung).

Übrigens ist die Polyhydramnie recht selten. Bei unter einem Prozent aller Schwangeren kommt es zu dem Überschuss an Fruchtwasser.

Wie erkenne ich, dass ich zu viel Fruchtwasser habe?

Ob du eine Polyhydramnie hast, kannst du nicht selbst feststellen – einige Frauen bemerken zwar ein starkes Bauch-Wachstum und Druck auf die Blase oder den Darm – jedoch können diese Beschwerden auch andere Ursachen haben.

Der Fruchtwasserüberschuss kann nur von einem Arzt mithilfe von Fruchtwassermessungen sowie Ultraschalluntersuchungen festgestellt werden.

: Welche Termine sind Pflicht?

Es gibt  einige Symptome, die auf zu viel Fruchtwasser hinweisen können. Kommen diese Symptome bei dir sehr plötzlich und intensiv vor, solltest du das auf jeden Fall mit deinem Arzt besprechen:

Symptome:

Atembeschwerden
Ziehen im Unterbauch
Wehen
Starkes Bauchspannen
Anhaltende Schmerzen im Unterbauch
Schwindel
Verdauungsbeschwerden
Wassereinlagerungen

Hierbei handelt es sich nicht um Symptome, die eindeutig auf ein Polyhydramnion hinweisen. Trotzdem sollten die Ursachen dieser Beschwerden in der Schwangerschaft ärztlich untersucht werden.

Wie eine Schwangere die Polyhydramnie erlebt hat, kannst du in diesem Video sehen.

Wie diagnostiziert der Arzt den Fruchtwasserüberschuss?

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Polyhydramnie bei dir vorliegt, wird er deinen Fruchtwasserindex messen.

Er teilt deine Gebärmutter dabei in vier Teile auf. In jedem dieser Teile wird vertikal das größte Fruchtwasserdepot gemessen. Alle vier Werte werden addiert. Das Ergebnis ist dein Fruchtwasserindex.

Mithilfe einer Tabelle kann dein Arzt dann feststellen, ob du zu wenig oder zu viel Fruchtwasser hast.

Hier gilt in der Regel:

  • Werte zwischen acht und 18 Zentimetern sind normal
  • Ist der Wert deutlich höher als 18 Zentimeter liegt ein Polyhydramnion vor
  • Bei Werten unter acht Zentimetern spricht man von einer Oligohydramnie (zu wenig Fruchtwasser)
: Was bedeutet das?

Neben dem Fruchtwasserindex gibt es noch zwei weitere Messungen, die den Verdacht einer Polyhydramnie bestätigen können:

  • Tiefstes Fruchtwasserdepot

Hierbei misst der Arzt senkrecht die Entfernung von der einen Seite der Eihaut (Fruchthülle) zur Anderen. Liegt der Wert über acht Zentimetern, spricht das für zu viel Fruchtwasser.

  • Zwei-Durchmesser-Fruchtwasserdepot

Hier wird sowohl senkrecht wie auch waagerecht von Eihaut zu Eihaut gemessen. Die beiden Werte werden multipliziert. Liegt das Ergebnis über 50 Quadratzentimeter, deutet das auf ein Polyhydramnion hin.

Diagnose zu viel Fruchtwasser – was macht der Arzt?

Ist eine Polyhydramnie bestätigt, wird dein Arzt dich im Detail darüber aufklären, was das für dich bedeutet. Wenn sich in anderen Untersuchungen wie beispielweise in der Feindiagnostik keine Auffälligkeiten zeigen, dann ist das ein gutes Zeichen. Trotzdem wird die Entwicklung deines Babys genau überwacht. Außerdem wird deine Fruchtwassermenge jetzt auch weiterhin beobachtet und in regelmäßigen Abständen kontrolliert.  

Dein Arzt wird auch nach möglichen Ursachen für das Hydramnion suchen.

Warum habe ich zu viel Fruchtwasser?

Ein Polyhydramnion kann verschiedenste Ursachen haben – oft bleibt die Ursache für den Fruchtwasserüberschuss aber auch ungeklärt. Laut „Schwanger & Kind“ – einem Infoangebot der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Stiftung Kinder Gesundheit – bleibt die Ursache bei neun von zehn Fällen ungeklärt.

Erkrankungen des Babys als Auslöser

Gestörte Nierenfunktion

Schluckstörungen

Behinderungen

Hirnblutungen

Zu viel Fruchtwasser wegen mütterlicher Erkrankungen

Auch Erkrankungen der Mutter können ein Grund für ein Polyhydramnion sein. Zum Beispiel kann ein einer Plazentainsuffizienz der Abtransport vom verbrauchten Fruchtwasser gestört sein. Auch Schwangerschaftsdiabetes, Infektionen (Ringelröteln oder Toxoplasmose) oder Erkrankungen der Plazenta (z.B. ein Tumor) können ein Grund für zu viel Fruchtwasser sein. Es wird dann entweder zu viel Fruchtwasser produziert oder zu wenig Fruchtwasser abgebaut.

Transfusionssyndrom bei Mehrlingsschwangerschaften

Bei Mehrlingsschwangerschaften kann es zum sogenannten Transfusionssyndrom kommen. Haben die Kinder separate Fruchtblasen, kommt es manchmal zu einer ungleichen Verteilung von Fruchtwasser – ein Kind bekommt dann zu wenig und das andere zu viel Fruchtwasser.

Was kann ich bei zu viel Fruchtwasser tun?

Wird bei dir ein Polyhydramnion festgestellt, solltest du dich erstmal nicht stressen. Oft muss die Polyhydramnie gar nicht behandelt werden – denn sie bildet sich von alleine zurück. Ärzte raten generell zu viel Ruhe und ordnen ein Beschäftigungsverbot an.

Je nachdem, welche Ursachen für den Überschuss an Fruchtwasser ist und, wie stark die Polyhydramnie ausgebildet ist, können verschiedene Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen.

: Wann wird er gemacht?
  • Behandlung der Grunderkrankung

Ist Schwangerschaftsdiabetes beispielsweise die Ursache für den Überschuss an Fruchtwasser, dann wird dein Arzt vorrangig diesen behandeln und deinen Blutzuckerspiegel einstellen.

  • Medikamentöse Behandlung

Es gibt Medikamente, die das Baby dazu anregen, mehr Fruchtwasser zu trinken.

  • Punktion der Fruchtblase

Ist zu viel Fruchtwasser in der Fruchtblase, kann eine Punktion notwendig werden. Hierbei wird der Überschuss an Fruchtwasser entnommen. Bildet sich die Flüssigkeit wieder nach, muss die Punktion  erneut durchgeführt werden.

Jedoch besteht hier ein Risiko für Infektionen der Punktionsstelle – außerdem kann der Eingriff Wehen auslösen. Deswegen wird er nur durchgeführt, wenn  das Ungeborene oder die Mutter durch den Fruchtwasserüberschuss in Gefahr sind.

  • Einleitung der Geburt

In schweren Fällen (und bei fortgeschrittener Schwangerschaft) kann es auch notwendig sein, die Geburt einzuleiten. Das wird aber nur dann gemacht, wenn die Gesundheit von dir und deinem Baby gefährdet sind.

: alle wichtigen Infos

Was passiert, wenn man zu viel Fruchtwasser hat?

Ein Polyhydramnion kann einige Komplikationen mit sich bringen. Diese sind aber eher selten.

Mögliche Komplikationen für die Mutter:

  • Bluthochdruck
  • Harntrakt-Infektionen
  • vorzeitiger Blasensprung (da das viele Fruchtwasser Druck auf die Fruchtblase ausübt)
  • höheres Risiko für eine Frühgeburt (vor allem, wenn das Kind eher groß ist)
  • Notwendigkeit eines Kaiserschnitts (das Kind kann sich durch das viele Fruchtwasser nicht in Richtung Becken bewegen)
: Das solltest du wissen

Nach der Geburt haben Frauen mit zu viel Fruchtwasser auch ein höheres Risiko für Blutungen oder einen Blutsturz. Das liegt daran, dass die Gebärmutter durch die große Menge an Fruchtwasser überdehnt ist und sich nicht mehr richtig zusammenziehen kann. Dieses Zusammenziehen ist für die Blutstillung aber wichtig. In diesem Fall wird die Nachgeburt oft künstlich eingeleitet.

Mögliche Komplikationen für das Kind

Auch für das Kind kann zu viel Fruchtwasser Folgen haben, dazu zählen vor allem eine geringere Geburtsgröße und Geburtsgewicht. Es kann bei der Geburt auch zu einem Nabelschnurvorfall kommen, wenn die Nabelschnur nach dem Blasensprung aus der Scheide der Mutter austritt.

Im schlimmsten Falle kann die Polyhydramnie auch zum Kindstod führen. Dazu kommt es glücklicherweise aber nur sehr selten.

Quellen

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